Lehrstuhl für Finanzdienstleistungen und Finanzmanagement

Glossar

Auf diesen Seiten finden Sie die wichtigsten Begriffe, erklärt von den Herausgebern und den Autoren der über 50 Beiträge im Handbuch Aufsichts- und Verwaltungsräte in Kreditinstituten.

Über 200 Fachbegriffe und gebräuchliche Abkürzungen, dazu Querverweise und Angaben zur weiteren Vertiefung und zur Fundstelle im Handbuch Aufsichts- und Verwaltungsräte in Kreditinstituten: Das Glossar bietet Ihnen einen schnellen Zugang zu kurzen und verständlichen Erläuterungen der wichtigsten und am häufigsten verwandten Begriffe aus der Bankpraxis.

Wenn nicht anders vermerkt, sind die Textstellen entnommen aus Hölscher, R., Altenhain, T., Handbuch Aufsichts- und Verwaltungsräte in Kreditinstituten, Erich Schmidt Verlag, Berlin, 2013; zur besseren Lesbarkeit wurde darauf verzichtet, die in den zitierten Beiträgen getätigten Verweise an dieser Stelle wiederzugeben, vielmehr sei ausdrücklich auf den Originaltext im Handbuch verwiesen.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A

Abberufungsverlangen

„Verletzen die Mitglieder von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen ihre o.a. Pflichten, besteht gem. § 36 Abs. 3 Satz 4 KWG die Möglichkeit der Verwarnung, bei Fortsetzung der Pflichtverletzung die Möglichkeit eines Abberufungsverlangens.
Soweit eine Pflichtverletzung so wesentlich ist, dass sie die Zuverlässigkeit oder Sachkunde des Mitgliedes des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans in Frage stellt, kann dies die BaFin dazu berechtigen, auch ohne vorhergehende Verwarnung dessen Abberufung von dem betroffenen Unternehmen zu verlangen. Der genaue Adressat des Abberufungsverlangens wird nach den einschlägigen gesellschafts- und mitbestimmungsrechtlichen Vorschriften bestimmt.“

Quelle: Behle, R. (Die besonderen Anforderungen der Bankenaufsicht an die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten), S. 590

abgeschwächte Bankenaufsicht („KWG-light“)

Leasinggesellschaften unterliegen, ebenso wie Factoringgesellschaften, einer abgeschwächten Bankenaufsicht („KWG-light“). Es gelten insb. die Regelungen:

  • zum Erfordernis einer Betriebserlaubnis (§ 32 Abs. 1 KWG),
  • zur Zuverlässigkeitsprüfung der Geschäftsführer (§ 33 Abs. 1 KWG),
  • zur Meldepflicht von Leasingverpflichtungen eines Leasingnehmers ab 1,5 Mio. EUR (§ 14 KWG) und
  • zu den Mindestanforderungen für das Risikomanagement (§ 25a Abs. 1 KWG / MaRisk).

Hingegen gelten nicht:

  • die Mindesteigenkapitalanforderungen (§ 2 Abs. 7 KWG),
  • die Solvabilitätsverordnung,
  • die Liquiditätsanforderungen (§ 11 KWG),
  • die Offenlegungspflicht (§ 18KWG) und
  • die Pflicht zur Einreichung von Monatsausweisen (§ 25 KWG).

Quelle: Vgl. Wittberg, V./von Fölkersamb, R./Reuber, U. (Besondere Themenstellungen für den Aufsichtsrat bei Leasing- und Factoringgesellschaften), S. 277f, 283

Allfinanz

Unter Allfinanz wird eine Strategie verstanden, die ein umfassendes Finanzdienstleistungs-Angebot vorsieht, das über den eigentlichen Produktkern einer Bank, Sparkasse, Versicherung, Investmentgesellschaft, etc. hinausgeht, den Kundenbedarf damit gesamthaft ansprechen und möglichst sein gesamtes Ertragspotential erfassen will.

Neben den Angeboten aus dem eigenen Haus und „auf der eigenen Bilanz“ ist es im Wesentlichen das Vermittlungsgeschäft (s. Stichwort), das es den Kreditinstituten ermöglicht, eine umfassend Finanz-Produktpalette anzubieten und damit sehr breite Kundenbedürfnisse abzudecken.

Quelle: Vgl. Erdland, A./Obladen, M. (Herausforderungen für den Aufsichtsrat in einem Allfinanzkonzern), S. 241, aber auch Caspers, F. (Die Geschäftspolitik im Vermittlungsgeschäft aus Sicht des Aufsichtsorgans), S. 942

Anhang

„Der Anhang stellt neben der Bilanz und der GuV den dritten Bestandteil des Jahresabschlusses dar. Der Anhang soll durch eine Reihe zusätzlicher Informationen die Aussagekraft des Jahresabschlusses verbessern. Im Einzelnen lassen sich die Aufgaben des Anhangs mit vier Funktionen charakterisieren:

  • Interpretationsfunktion,
  • Ergänzungsfunktion,
  • Entlastungsfunktion und
  • Korrekturfunktion.

Quelle: Hölscher, R./Helms, N. (Der kreditwirtschaftliche Jahresabschluss – Aufbau, Inhalt und zentrale Bewertungsvorschriften), S. 645f.

Anlagerichtlinie

Eine Anlagerichtlinie konkretisieren die Anlagestrategie einer Bank oder Sparkasse in ihrem Depot A (s. Stichwort). Dabei gibt die Anlagerichtlinie „für einzelne Anlageklassen Limits und Befristungen vor. Möglich sind z.B. kurz-, mittel- oder langfristige Anlagehorizonte, wobei die Haltedauer durch das zur Verfügung stehende Risikobudget begrenzt wird. Die Anlagerichtlinie sollte daneben unter anderem den Rahmen für einzelne Anlageformen, Ratingklassen und Mindestratingstufen vorgeben, in denen investiert werden darf, und die Risikobereitschaft des Kreditinstituts widerspiegeln.“

Quelle: Kruse,O. (Rahmenbedingungen, Strategien und Ansätze zum Risikomanagement im Rahmen der Depot A-Steuerung), S. 1130

asymmetrische Informationsverteilung

Der Vorstand ist zur Auskunftsleistung an den Aufsichtsrat einer Bank verpflichtet (§ 90 AktG i.V.m. § 111 AktG). „Wenn diese Verpflichtung dahin gehend interpretiert wird, dass der Aufsichtsrat seine Informationen ausschließlich vom Vorstand bekommen darf, dann kann von einer asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ausgegangen werden: Das zu überwachende Organ wird (als Insider) im Regelfall über mehr und detailliertere Informationen als das (nur in größeren Abständen tagende) überwachende Organ verfügen.“ Konsequenz: Nicht effiziente Ausfüllung der Überwachungsfunktion durch das Aufsichtsorgan, Interessenkonflikte, etc. Für Kreditinstitute: Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute“ (MaRisk) mit klaren und umfassenden Regelungen zur Auskunftspflicht des Vorstands (s. auch Stichwort Auskunftsrecht).

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 180f.

Audit Committee

s. Stichwort Prüfungsausschuss

Aufnahmemitgliedstaat

Im Rahmen der Niederlassungsfreiheit kann „ein Kreditinstitut, das nicht nur den nationalen Markt innerhalb der EU anstrebt, in dem es seinen rechtlichen Sitz hat (Herkunftsmitgliedsstaat), … auch andere Mitgliedsstaaten (Aufnahmemitgliedsstaaten) durch Niederlassungen bearbeiten … (Es) gilt die Niederlassungsfreiheit. Ihre Zulassung als Bank und ihre Firmenbezeichnung gelten in allen EG-Mitgliedsstaaten.“

Quelle: Vgl. Schlieper, T. (Die Rolle des Aufsichts- und Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512

Aufsichtsratvergütung

„Für die Vergütung von Aufsichtsräten enthalten § 113 AktG sowie Ziff. 5.4.6 DCGK, nicht jedoch die InstitutsVergV (s. Stichwort) gesetzliche Vorgaben. Diese sehen vor, dass

  • die Kompetenz für die Festsetzung einer Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder die Hauptversammlung bzw. der Satzungsgeber hat,
  • die Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben der Aufsichtsratsmitglieder und zur Lage der Gesellschaft stehen soll…,
  • sofern sie eine erfolgsorientierte Vergütung erhalten, diese auch den langfristigen Unternehmenserfolg berücksichtigt,
  • bei einer – allerdings nicht praxisrelevanten – Beteiligung am Bilanzgewinn vorab eine 4%ige Mindestverzinsung in Abzug zu bringen ist,
  • die Gewährung von Aktienoptionen an Aufsichtsratsmitglieder unzulässig ist.“

Quelle: Doetsch, P.A. (Vergütungsmodelle für Vorstände und Aufsichtsräte rechtskonform und praxistauglich gestalten), S. 459

Ausfallrisiko

s. Stichwort Kreditrisiko

Ausfallwahrscheinlichkeit (PD)

s. Stichwort Standardrisikokosten

Auskunftsrecht

„Im Allgemeinen Teil der MaRisk wird unter AT 4.4.3 ein direktes Auskunftsrecht des Aufsichtsrates gegenüber der internen Revision festgesetzt und mit der Einbindung des Aufsichtsorgans in das Risikomanagement der Bank verklammert (AT 1 MaRisk). Der Aufsichtsrat mit seiner Überwachungs- und die interne Revision mit ihrer Kontrollfunktion haben einen gleich gerichteten Blick auf das Unternehmen „Bank“, sie sehen die Organisation als Ganzes und sind von Managementaufgaben und vom Tagesgeschäft ausgeschlossen. Daraus sollte sich ein Verständnis von Partnerschaft ergeben, das sich in diesem Auskunftsrecht manifestiert.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 182

B

bankaufsichtliches Regelwerk

„Die Bankenaufsicht in Deutschland ist mit einer Vielzahl von überwiegend präventiv wirkenden, aber zum Teil auch protektiven regulatorischen Instrumenten ausgestattet, mit denen sie ihre in § 6 KWG definierten Aufgaben „Sicherung der Stabilität des Finanzsystems“ und „Schutz der Gläubiger“ erreichen soll. Kreditinstitute sind entsprechend mit einer Fülle von bankenaufsichtsrechtlichen Vorschriften konfrontiert, die sich in vier Gruppen unterteilen lassen:

  • Marktzugangsregelungen für die Zulassung zum Geschäftsbetrieb,
  • Ordnungsrahmen für die Kontrolle des laufenden Geschäftsbetriebs,
  • Meldeverpflichtungen von Instituten und ihren Prüfern gegenüber der Bankenaufsicht,
  • Eingriffsmöglichkeiten und Maßnahmen in besonderen Fällen inklusive Schließung von Kreditinstituten.“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte: Normen und ihre Interpretation durch den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 595

Bankenabgabe

Während der Finanz- und Bankenkrise wurden im Jahr 2010 das Restrukturierungsgesetz und mit diesem das Kreditinstitute-Reorganisationsgesetz (KredReorgG) und das Restrukturierungsfondsgesetz (RStruktFG) erlassen. Nach letzterem wird „bei der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) wird ein Restrukturierungsfonds eingerichtet (§ 1 RStruktFG). Der Fonds dient der Stabilisierung des Finanzmarktes durch Überwindung von Bestands- und Systemgefährdungen im Sinne des § 48b KWG, § 3 Abs. 1 RStruktFG.
Bei dem Fonds handelt es sich um ein Sondervermögen des Bundes, welches von der FMSA verwaltet wird (§ 11 RStruktFG). Er wird finanziert aus der sog. Bankenabgabe, also Sonderbeiträgen, die alle Kreditinstitute zu leisten haben. Der Fonds kann unter anderem eine Bankensanierung gem. §§ 48a ff. KWG aktiv begleiten, Brückeninstitute gründen, Garantien zur Sicherung von Ansprüchen gegen den übernehmenden Rechtsträger gewähren und Rekapitalisierungen des übernehmenden Rechtsträgers vornehmen.“

Quelle: Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 548

Bankgeschäft

Ein Kreditinstitut ist ein Unternehmen, das Bankgeschäfte gewerbsmäßig oder in einem Umfang betreibt, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 1 Abs. 1KWG). Bankgeschäfte werden in § 1 Abs. 1 Nr. 1–12 KWG. definiert:

  • Einlagengeschäft,
  • Pfandbriefgeschäft,
  • Kreditgeschäft,
  • Diskontgeschäft,
  • Finanzkommissionsgeschäft,
  • Depotgeschäft,
  • Revolvinggeschäft,
  • Garantiegeschäft,
  • Scheck- und Wechseleinzugsgeschäft, Reisescheckgeschäft,
  • Emissionsgeschäft,
  • die Tätigkeit als zentraler Finanzmarktkontrahent.

Das Finanzdienstleistungsinstituts gemäß § 1 Abs. 1a KWG umfasst das Betreiben des Anlagegeschäfts und von multilateralen Handelssystemen.

Quelle: Vgl. Langenbucher, K., (Aufsichtsratsmitglieder in Kreditinstituten: Rechte, Pflichten und Haftungsregeln), S. 4f.

Basel III

„Vor dem Hintergrund der Finanzkrise von 2007/2008 und ihrer Folgewirkungen für die Realwirtschaft wurde das aufsichtsrechtliche Regelwerk von Basel weiterentwickelt und neue, vorläufige Richtlinien für die Eigenkapitalanforderungen und die Liquiditätserfordernisse der Banken Ende 2010 veröffentlicht. Das neue Regelwerk Basel III soll die offensichtlichen Mängel von Basel II beseitigen und zieht Konsequenzen aus den Problemen der zunehmenden weltweiten Vernetzung von Finanzinstituten.
Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors gegenüber Schocks aus Stresssituationen zu stärken, das Risikomanagement und die Leitungsstrukturen in Banken zu verbessern sowie die Transparenz und Offenlegungspflichten von Banken zu erhöhen. Die angestrebten Reformen zielen sowohl auf eine verbesserte Schockabsorptionsfähigkeit einzelner Institute (mikroprudentielle Ebene) als auch auf die Reduktion des systemischen Risikos (makroprudentielle Ebene) ab. Durch die erhöhte Widerstandsfähigkeit einzelner Institute soll auch das systemische Risiko verringert werden.“

Quelle: Smeets, H.-D./Michler, A. (Banksteuerung und Aufsichtstätigkeit vor dem Hintergrund gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen), S. 783

Bausparen

„Bausparen ist ein freiwilliges Sparen mit dem Ziel, ein Darlehen für wohnungswirtschaftliche Zwecke zu erlangen, das niedrig verzinst und von den Zinsschwankungen des Kapitalmarktes unabhängig ist. ...Bausparkassen sind – korrespondierend hierzu – Spezialkreditinstitute, die, aufgrund der im Bausparkassengesetz geregelten Geschäftskreisbeschränkung, im Wesentlichen nur die Wohnungsbaufinanzierung betreiben. Sie institutionalisieren den dem Bausparkassensystem zugrundeliegenden kollektiven Spargedanken.“
Quelle: Lechner, M. (Besondere Themenstellungen von Aufsichts- und Verwaltungsräten in Bausparkassen), S. 294

Bausparkasse

„Bausparkassen sind ...Spezialkreditinstitute, die, aufgrund der im Bausparkassengesetz geregelten Geschäftskreisbeschränkung, im Wesentlichen nur die Wohnungsbaufinanzierung betreiben. Sie institutionalisieren den dem Bausparkassensystem zugrundeliegenden kollektiven Spargedanken.
Das Geschäft der Bausparkasse in Deutschland setzt sich heute aus einem kollektiven und einem außerkollektiven Bauspargeschäft zusammen.

  • Mit kollektivem Bausparen wird der Grundgedanke des deutschen Bausparsystems bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein geschlossenes System, bei dem alle durch Spar- und Tilgungsleistungen der Zuteilungsmasse zufließenden Einlagen wieder als Bausparguthaben und Bauspardarlehen an die (Bau-) Sparer zurückfließen. Im Gegensatz zum individuellen Sparen zu Bauzwecken handelt es sich hierbei um den Zusammenschluss zukünftiger Kreditnehmer, die sich vertraglich zu planmäßigem Sparen verpflichten. Aus dem sich daraus ansammelnden Kapitalstock erhalten die Sparer nach einem bestimmten Zuteilungsmodus ihr Bauspardarlehen ...
  • Mit außerkollektivem Bauspargeschäft wird die Gewährung von Zwischen- und Vorfinanzierungskrediten durch die Bausparkassen an die Bausparer verstanden.“


Quelle: Lechner, M. (Besondere Themenstellungen von Aufsichts- und Verwaltungsräten in Bausparkassen), S. 294, 296

Belastungstest

Die Strategie eines Kreditinstituts sollte einem Belastungstest („pressure test“118) unterzogen werden, um

  • „einerseits mögliche konzeptionelle Lücken in der vorliegenden Geschäftsstrategie zu erkennen,
  • andererseits aber auch Anregungen und Ideen zu kreieren, wie diese zu schließen sind und die Strategie inhaltlich weitergeführt werden kann;
  • daneben werden ggf. auch Anstöße gegeben, wie der Planungsprozess zu verbessern ist. ...

(Ein solcher) Strategie-Check kann z.B. der Vorbereitung auf die Gremiensitzung dienen, auf der die Strategie erörtert wird, aber auch als Agenda für die Diskussion im Plenum herangezogen werden; schließlich kann anhand der Testfragen, wenn sie regelmäßig bei der jährlichen Strategierevision zum Einsatz kommen, auch aufgezeigt werden, wo im Strategieprozess Fortschritte gemacht wurden oder ggf. noch Nachholbedarf besteht.“

Quelle: Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 891ff.

Bericht zu den operationellen Risiken

Der Bericht zu den operationellen Risiken (s. Stichwort) erstreckt sich beispielhaft auf folgende Inhalte:

  • Art des Schadens bzw. Risikos,
  • Ursachen,
  • Ausmaß des Schadens bzw. Risikos und
  • ggf. getroffene Gegenmaßnahmen.“

Quelle: Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 142

Bericht zu Grundsatzentscheidungen

Der Bericht zu Grundsatzentscheidungen des Vorstandes z. B. einer Genossenschaftsbank, die ggfs. auch bereits durch Zustimmungserfordernisse des Aufsichtsrates erfasst sind, erstreckt sich beispielhaft auf folgende Inhalte:

  • Erwerb, Bebauung und Veräußerung von Grundstücken, Umbaumaßnahmen,
  • Großreparaturen, bedeutende Investitionen,
  • Errichten und Schließen von Zweigniederlassungen, Zweigstellen, Warenlagern,
  • Übernahme und die Aufgabe von Beteiligungen,
  • Abschluss von wesentlichen Verträgen (meistens Definition einer Aufgriffsgrenze),
  • Erteilung von Prokura,
  • wesentliche Veränderungen im Personalbereich,
  • Rechtsstreitigkeiten,
  • Information über Sonderprüfungen und
  • Absicht einer Fusion, Kooperation, Auslagerungen.“

Quelle: Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 143

Bestandteile des Jahresabschlusses

„Kreditinstitute haben gem. § 340a Abs. 1 HGB, „auch wenn sie nicht in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft betrieben werden“, die für große Kapitalgesellschaften geltenden Vorschriften anzuwenden (§§ 264 – 335b HGB). Der § 264 Abs. 1 HGB definiert die Bestandteile eines Jahresabschlusses. Demnach setzt sich dieser zusammen aus

  • der Bilanz,
  • der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und
  • dem Anhang.

Daneben haben die gesetzlichen Vertreter einer Kapitalgesellschaft einen Lagebericht aufzustellen.“

Quelle: Hölscher, R./Helms, N. (Der kreditwirtschaftliche Jahresabschluss – Aufbau, Inhalt und zentrale Bewertungsvorschriften), S. 638

Bestellung

„Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Finanzmarkt- und der Versicherungsaufsicht“ wurde in § 24 Abs. 1 Nr. 15 KWG die Verpflichtung der Institute begründet, die Bestellung eines Mitgliedes des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans unter Angabe der zur Beurteilung seiner Zuverlässigkeit und Sachkunde (s. Stichworte) erforderlichen Tatsachen anzuzeigen....
Anders als bei Geschäftsleitern, bei denen ein Kreditinstitut bereits die Absicht einer Bestellung anzuzeigen hat, ist bei Verwaltungs- oder Aufsichtsorganmitgliedern erst die tatsächliche Bestellung anzuzeigen. Damit ist es – im Unterschied zur Bestellung von Geschäftsleitern – im Vorfeld einer Bestellung nicht möglich, eine Stellungnahme der BaFin hinsichtlich der Sachkunde oder der Zuverlässigkeit eines potentiellen Aufsichtsratsmitgliedes einzuholen.“

Quelle: Behle, R. (Die besonderen Anforderungen der Bankenaufsicht an die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten), S. 583

Bonitätsrisiko

s. Stichwort Kreditrisiko

Bruttobedarfsspanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Betriebsaufwendungen und Bilanzsumme
(Betriebsaufwendungen gebildet als Summe aus Personalaufwand und Sachaufwand)

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Bruttoertragsspanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Bruttoertrag und Bilanzsumme (Bruttoertrag gebildet als Summe aus Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss, Handelsergebnis und Sonstigem Ergebnis; Bruttoertragsspanne auch als Summe aus Bruttozinsspanne, Provisionsspanne, Handelsspanne und Sonstiger Ertragsspanne)
Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Bruttogewinnspanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Bruttogewinn aus normaler Geschäftstätigkeit und Bilanzsumme (Bruttogewinnspanne als Summe aus Bruttoertragsspanne minus Bruttobedarfsspanne)
Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Bruttozinsspanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Zinsüberschuss und Bilanzsumme.
Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

business judgment rule

„Unternehmerische Entscheidungen verlangen … nicht selten nach einer Balance zwischen zeitaufwendiger Recherche und zügigem Zugriff. Dem trägt § 93 Abs. 1 Satz 2 AktG, der nach § 116 Satz 1 AktG neben dem Vorstand auch den Aufsichtsrat erfasst, Rechnung. Pflichtverletzung liegt nach dieser Vorschrift nicht vor, „wenn das Organmitglied bei einer unternehmerischen Entscheidung vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft zu handeln“. Lassen sich Handlungen des Aufsichtsrates dem Bereich unternehmerischer Entscheidungen zuordnen, handeln Aufsichtsratsmitglieder, die ihre Entscheidung auf eine angemessene Informationsbasis stützen können, nicht sorgfaltspflichtwidrig.“

Quelle: Langenbucher, K., (Aufsichtsratsmitglieder in Kreditinstituten: Rechte, Pflichten und Haftungsregeln), S. 18

C

carry trade

Carry Trades sind Anlagestrategien, bei denen „sich ein Anleger in einem Niedrigzinsland A (verschuldet) und … diesen Betrag in einem Hochzinsland B (anlegt). Häufig wird dabei allerdings das Wechselkursänderungsrisiko unterschätzt. Typische Länder, in den Kredite aufgenommen wurden, waren in den Jahren vor der Finanzkrise Japan und die Schweiz. Als Anlageländer bildeten sich hingegen die USA und die Euro-Zone heraus.“

Quelle: Smeets, H.-D./Michler, A. (Zins-, Wechselkurs- und Inflationsentwicklung: Zentrale Einflussfaktoren in der Banksteuerung), S. 1087

Complianceprüfung

In einer Complianceprüfung als neben der Performanceprüfung (s. Stichwort) zweitem Teilbereich der Effizienzprüfung eines Aufsichtsorgans (s. Stichwort) „soll festgestellt werden, ob das Aufsichtsorgan die in den gesetzlichen Normen und sonstigen Vorgaben (z.B. DCGK) niedergelegten Aufgaben erfüllt hat.“ … Dazu gehört dann zu prüfen „inwieweit die Tätigkeit des Aufsichtsorgans der Unternehmenssicherung gedient hat, sich also z.B. der Aufsichts- bzw. Verwaltungsrat mit den strategisch wichtigen Themen beschäftigt hat. Neben dieser globalen Sichtweise ist ebenfalls zu überprüfen, inwieweit die sich aus verschiedenen Detailregelungen ergebenden Aufgaben vom Aufsichtsgremium erfüllt worden sind.“

Quelle: Hölscher, R. (Effizienzprüfung von Aufsichtsorganen in Kreditinstituten), S. 410

Controlling

Das (Konzern-) Controlling als eine der drei Säulen des Risikomanagementsystems (s. Stichwort) unterstützt „in seiner operativen Ausgestaltung… den Vorstand bei der operativen Planung (s. Stichwort, d. Verf.) sowie der Koordination und Steuerung der nachgeordneten Entscheidungsträger. Das strategische (Konzern-) Controlling ist dabei eng mit der strategischen Planung (s. Stichwort, d. Verf.) verbunden – es liefert dem Vorstand zum einen Informationen zu den Erfolgen aber auch Misserfolgen des Unternehmens und unterstützt ihn ferner bei der Abstimmung der erforderlichen Teil-Planungen (s. Stichwort, d. Verf.).“
Quelle: Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 88

Controlling-Funktionen

Controlling-Systeme müssen im wesentlichen fünf Controlling-Funktionen erfüllen:

  • „Planungsfunktion: Welche Ziele, mit welchem Ressourceneinsatz sollen wie und in welchem Zeitraum erreicht werden?
  • Kontrollfunktion: Wo entwickeln sich unerwartete Abweichungen, wie sind sie zu interpretieren, wer ist verantwortlich und welche Korrekturmaßnahmen sind möglich oder notwendig und von wem zu veranlassen?
  • Informationsfunktion: Welche entscheidungsrelevanten Informationen werden von den Entscheidungsträgern wann und in welcher Qualität benötigt, um den bestmöglichen Markterfolg bei kontrolliertem Risiko nachhaltig zu erreichen?
  • Koordinationsfunktion: Wie und mit welchen Instrumenten kann sichergestellt werden, dass alle Beteiligten am Prozess der Wertschöpfung möglichst effektiv und effizient zusammenarbeiten?
  • Leistungsbemessungsfunktion: Wie können die effektiven Leistungsbeiträge der Manager über alle Hierarchieebenen und Geschäftsbereiche bewertet werden, wie erfolgt deren Verknüpfung mit den „Key Performance Indicators” des Unternehmens und welcher Zusammenhang besteht dabei zu einer letztlich nichtdysfunktionalen Vergütungssystematik?“

Quelle: Schierenbeck, H./Zaby, S. („Geheimnis Bankkalkulation“ – Die Erfolgsquellen des Bankgeschäftes), S. 1005f.

Cost-Income-Ratio

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, „sie beschreibt die Effizienz innerhalb der Bank und entsteht durch einen Vergleich von Bruttobedarfsspanne (als Indikator des betrieblichen Inputs, s. Stichwort, d. Verf.) und Bruttoertragsspanne (als Indikator des betrieblichen Outputs, s. Stichwort, d. Verf.). … Der in Prozent angegebene Wert zeigt an, wie viel Prozent des Bruttoertrages durch den betrieblichen Aufwand verzehrt werden, oder, anders ausgedrückt, wie viel Cent betrieblicher Aufwand pro Euro Bruttoertrag anfallen.“

Quelle: Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 989f.

D

daily management

s. Stichwort tägliche Geschäftsführung

DCGK

s. Stichwort „Deutscher Corporate Governance Kodex”

Deliktrevision

Eine Deliktrevision („Fraud Audit“) ist als Spezialfall der Sonderprüfung auf die Aufdeckung und Analyse doloser Handlungen sowie die Ableitung und Empfehlung präventiver Maßnahmen ausgerichtet. Die interne Revision überprüft sich „im Prinzip indirekt auch selbst… Sie ist schließlich bereits bei den üblichen Routineprüfungen (s.o.) tätig und hat hier den Auftrag, das betriebliche Vermögen zu schützen; sie hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Bank das ihr zustehende Vermögen aus Krediten, Umsätzen, Beteiligungen und anderen Rechten auch tatsächlich erhält und somit Unterschlagungen, Diebstähle, Fahrlässigkeit und sonstiger Betrug schon bei der Ausgestaltung der Arbeitsabläufe unterbunden wird.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 190

Depot A

Mit dem Begriff Depot A werden die Eigenanlagen eines Kreditinstituts bezeichnet. „In der Definition der Depotstatistik der Deutschen Bundesbank fallen hierunter die eigenen Wertpapierbestände, wie z.B. börsenfähige Anleihen und Schuldverschreibungen, börsenfähige Geldmarktpapiere, Aktien, Genussscheine und Investmentzertifikate, nicht aber nichtbörsenfähige Anleihen, Schuldverschreibungen und Geldmarktpapiere oder auch Namensschuldverschreibungen und Optionsscheine sowie Schuldscheindarlehen. Die Eigenanlagen werden auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesen und bilden neben dem traditionellen Kreditgeschäft mit Privat- oder Geschäftskunden den zweiten wesentlichen Investitionsschwerpunkt der Kreditinstitute.“

Quelle: Kruse,O. (Rahmenbedingungen, Strategien und Ansätze zum Risikomanagement im Rahmen der Depot A-Steuerung), S. 1122

Derivat

Derivate (oder Termingeschäfte) „sind Finanzinstrumente, deren Wert von der Entwicklung eines Basiswertes abhängt bzw. abgeleitet wird. Basiswerte können z.B. Rohstoffe, Zinsen, Devisen oder Aktien sein. Der Terminhandel mit Rohstoffen kann als Ursprung des heutigen Derivatemarktes betrachtet werden.
Um sich Preise für in der Zukunft zu liefernde Waren wie Getreide oder Fleisch schon vor der späteren Lieferung zu sichern, wurden Termingeschäfte abgeschlossen. Der Preis des Terminkontraktes richtet sich nach dem in der Zukunft erwarteten Preis. Der Preis des Terminkontraktes ist damit stets „derivativ“, denn er hängt von der zukünftigen Preisentwicklung des zugrunde liegenden Basiswertes, im Beispiel also vom Getreidepreis, ab.
Sinn und Zweck der Konstruktion von Derivaten ist es, durch geschickte vertragliche Gestaltung ein Finanzprodukt zu entwickeln, dessen Preis bzw. Preisentwicklung von dem eines Basiswertes, auch Underlying genannt, bestimmt wird.“

Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1169f.

Deutscher Corporate Governance Kodex

„Nachdem eine erste „Regierungskommission“ unter dem Vorsitz von T. Baums 2001 einen umfassenden Bericht zur „Unternehmensführung, Unternehmenskontrolle und Modernisierung des Aktienrechts“ vorgelegt hatte, wurde die dort unter anderem angeregte (zweite) Regierungskommission zur Schaffung eines deutschen Corporate Governance Kodex noch im selben Jahr berufen und unter dem Vorsitz von G. Cromme eingesetzt. Deren Arbeitsergebnis, die erste Fassung eines Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), wurde im Februar 2002 vorgestellt und am 30.9.2002 im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht und damit amtlich wirksam. Entsprechend dem Selbstverständnis als „Standing Commission“. wurde es etablierte Übung, dass einmal im Jahr – nach (mindestens) einer vorbereitenden Arbeitssitzung – jeweils eine Kommissionssitzung durchgeführt wird, die sich mit der Überprüfung und dem gegebenenfalls vorliegenden Änderungsbedarf beschäftigt.“

Quelle: Theisen, M. R. (Bedeutung des Deutschen Corporate Governance Kodex für die Arbeit von Aufsichtsräten in Kreditinstituten), S. 28f.

Dienstleistungsfreiheit

Ein Kreditinstitut, das nicht nur den nationalen Markt innerhalb der EU anstrebt, kann mit einer Niederlassung auch den Markt in einem anderen Mitgliedstaat (Aufnahmemitgliedstaat, s. Stichwort) bearbeiten. „Daneben kann ein Kreditinstitut aufgrund der Dienstleistungsfreiheit seine Dienstleistungen auch ohne eine Niederlassung in einem anderen Mitgliedstaat (Aufnahmemitgliedsstaat) anbieten. Allerdings gilt das Recht des Aufnahmemitgliedsstaates für die Geschäftsvereinbarung mit dem dort ansässigen Kunden (z.B. Konsumenten- und Datenschutz).“

Quelle: Vgl. Schlieper, T. (Die Rolle des Aufsichts- und Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512

Dispositionsgeschäft

s. Stichwort Eigengeschäfte

Drittrangmittel

„Drittrangmittel, die noch begrenzt zur Unterlegung der Marktrisikopositionen verwendet werden dürfen, bestehen aus kurzfristigen nachrangigen Verbindlichkeiten sowie den Nettogewinnen des Handelsbuchs; zudem können hierbei die bei der Ermittlung des haftenden Eigenkapitals gekappten Positionen des Ergänzungskapitals (s. Stichwort, d. Verf.) berücksichtigt werden (§ 10 Abs. 2c KWG)“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte: Normen und ihre Interpretation durch den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 598

Drittverwendungsfähigkeit

„Der Wert einer Immobilie wird regelmäßig nicht durch Größen wie Bau-, Herstellungskosten oder Grundstückspreise definiert, sondern allein durch den Betrag, den ein Dritter – präziser eigentlich: viele Dritte – bereit ist/sind, dafür zum Betrachtungszeitpunkt zu bezahlen. Also nicht das, was in eine Immobilie investiert wurde, sondern nur der Betrag, den Dritte bereit sind, für deren Erwerb zu bezahlen, definiert den Immobilienwert. „Immobilien-Menschen“ nennen das Drittverwendungsfähigkeit.
Anders formuliert kann man Drittverwendungsfähigkeit mit der „Markt-Liquidität“ der betreffenden Immobilie gleichsetzen. Je liquider (interessanter für viele Dritte) ein Objekt ist, desto geringer ist die geforderte Liquiditätsprämie und desto höher ist der Preis. Oder negativ ausgedrückt: je geringer die Drittverwendungsfähigkeit (Liquidität), desto niedriger ist der Preis.
Da Immobilien ohnehin zu den wenig liquiden Anlagen gehören, führt eine zusätzlich eingeschränkte Drittverwendungsfähigkeit schnell zu einem Marktwert, der weit unter den Herstellungskosten, schlimmstenfalls sogar nur beim Grundstückswert minus Abrisskosten liegt.“

Quelle: Danne, M. (Immobilien- und Immobilienfinanzierungsbestände eines Kreditinstituts aus Sicht des Aufsichts-/Verwaltungsrates), S. 921

Duration

„Die Duration ist eine Risikokennzahl (s. Stichwort, d. Verf.), die zur Einschätzung des Zinsänderungsrisikos verwendet werden kann. Sie drückt in ihrer Grundform … die mittlere Kapitalbindungsdauer oder Selbstliquidationsdauer eines Zahlungsstroms aus und wird als gewichtete Summe der verbleibenden Zahlungszeitpunkte berechnet. Die Duration (D) ist dementsprechend ein Zeitmaß.“

Quelle: Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 993

E

Effizienzprüfung

Der Ausdruck „Effizienzprüfung wird allgemein in einem umfassenden Sinn interpretiert. Er bezieht sich auf die Überprüfung und Sicherung der Compliance und der Performance des Aufsichtsorgans, wobei die Performance auch als Wirtschaftlichkeit oder Effizienz i.e.S. bezeichnet wird. Vor dem Hintergrund dieser Begriffsvielfalt wird häufig auch nicht von Effizienzprüfung, sondern von der Evaluation des Aufsichtsgremiums gesprochen.“

Quelle: Hölscher, R. (Effizienzprüfung von Aufsichtsorganen in Kreditinstituten), S. 410

Eigengeschäfte

Die Kundengeschäfte einer Bank oder Sparkasse werden „auf Initiative, im Auftrag, auf Namen und auf Rechnung des Kunden getätigt … Die Eigengeschäfte werden hingegen durch das Kreditinstitut selbst initiiert und im eigenen Namen sowie auf eigene Rechnung ausgeführt. Klassische Eigengeschäfte sind z.B. Interbankengeldmarktgeschäfte, Wertpapiereigengeschäfte oder Eigengeschäfte mit Derivaten. Innerhalb der bankbetrieblichen Eigengeschäfte lassen sich weiter Handelsgeschäfte (Trading) und Dispositionsgeschäfte (Treasury) unterscheiden.

  • Handelsgeschäfte werden ohne direkten Bezug zu Kundengeschäften abgeschlossen, um neben den Deckungsbeiträgen aus den Kundengeschäften zusätzlich Handelsergebnisse zu erzielen bzw. sicherzustellen. Handelsgeschäfte sind i.d.R. durch eine nichtdauerhafte Halteabsicht sowie häufigere Portfolioumschichtungen gekennzeichnet und werden im Handelsbuch gemäß § 1a Satz 1 KWG geführt. Als Motive von Handelsgeschäften sind die Spekulation, die Arbitrage und die Absicherung (Hedging) zu nennen. ...
  • Bei den Dispositionsgeschäften steht hingegen die Steuerung der aus den Kundengeschäften resultierenden Liquiditäts-, Marktpreis- und Adressrisiken im Mittelpunkt, die ein Kreditinstitut im Rahmen seiner volkswirtschaftlichen Losgrößen- und Risikotransformationsfunktion übernimmt. Aufgrund ihrer regelmäßig dauerhaften Halteabsicht werden aktivische und passivische Dispositionsgeschäfte eines Kreditinstituts gemeinsam mit den Kundenkredit- und Einlagengeschäften sowie den sonstigen dauerhaften Positionen dem Anlagebuch im Sinne von § 1a Satz 2 KWG zugeordnet.“

Quelle: Hornbach, C. (Erfolgs- und risikoorientierte Steuerung der Eigengeschäfte eines Kreditinstituts), S. 1142f.

Eigenkapital

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

Eigenkapitalquote

Verhältnis-Kennzahl (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht dem Quotienten aus dem der Eigenkapital und der Bilanzsumme. „Da Verluste aus dem Eigenkapital gedeckt werden müssen, beschreibt eine höhere Quote ein solventeres Institut.“ Zur Bestimmung, welche Eigenkapitaldefinition bei der Berechnung der Eigenkapitalquote zu unterlegen ist, s. Stichwort haftendes Eigenkapital.

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff., isb. wörtlich S. 992

Eigenkapitalrentabilität vor Steuern

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, auch als „Return on Equity“ bezeichnet, beschreibt die Rendite des eingesetzten Eigenkapitals unter Berücksichtigung der Finanzierungsstruktur und entspricht dem Quotienten aus Reingewinnspanne und Eigenkapitalquote (lässt sich aber auch direkt berechnen als Quotient aus Reingewinn vor Steuern und Eigenkapital)

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Eigenmittelbestandteil

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

eigenverantwortliche Geschäftsführung

„Gemäß § 76 Abs. 1 AktG hat der Vorstand die Gesellschaft unter eigener Verantwortung zu leiten. Diese Eigenverantwortlichkeit setzt eine unabhängige, von Fremdbestimmung freie Leitungskompetenz und damit Weisungsfreiheit voraus. Die Leitungsaufgabe muss nach § 93 Abs. 1 Satz 1 mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsleiters wahrgenommen werden. Vergleichbare Regelungen finden sich in § 27 Abs. 1 GenG (Leitungsbefugnis des Vorstandes) und § 34 Abs. 1 Satz 1 GenG (Sorgfaltspflichten der Vorstandsmitglieder).“ Aus dieser Pflicht zur eigenverantwortlichen Geschäftsführung lassen sich sechs zentrale Aufgaben ableiten:

  • Planungspflicht,
  • Organisationspflicht,
  • Aufsichtspflicht,
  • Kapitalerhaltungspflicht,
  • Pflicht zur Errichtung eines Systems des Risikomanagements,
  • Pflicht zur Errichtung eines Systems zur Früherkennung und Überwachung.

Quelle: Kirmße, S. (Aufgaben und Verantwortung des Aufsichtsrates bei der Strategieentwicklung in Kreditinstituten), S. 858; vgl. auch Rolfes, B. (Der Aufsichtsrat – Kooperation oder Konfrontation zum Vorstand?), S. 116f.

eingezahltes Kapital

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

Eingriffsinstrumentarium

Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (ESF, s. Stichwort) hat nicht nur die Aufgabe, die Einlagengläubiger bei drohenden oder bestehenden finanziellen Schwierigkeiten von Banken zu befriedigen, sondern auch „Schwierigkeiten bei Banken frühzeitig zu erkennen und Gefahren für die betroffene Bank abzuwenden. Der Einlagensicherungsfonds ist daher in seinem Eingriffsinstrumentarium nicht auf die Auszahlung von Einlagen beschränkt. Er kann … vielmehr alle Maßnahmen ergreifen, die geeignet sind, im Interesse der Einleger Hilfe zu leisten. So kann er sich z.B. an Auffanglösungen beteiligen oder Liquidationen außerhalb der Insolvenz unterstützen, was unter anderem aus Kostengesichtspunkten und auch aus Gründen der Finanzmarktstabilität in Betracht kommt.“

Quelle: Massenberg, H.-J. (Die Einlagensicherung der Kreditbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 791

Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (ESF)

„Falls eine Bank nicht in der Lage ist, Kundengelder, die sogenannten Einlagen, zurückzuzahlen, sind die Rückzahlungsansprüche der Kunden in gewissem Umfang durch Einlagensicherungseinrichtungen abgesichert. Diese entschädigen die Kunden für ihre geschützten Einlagen. Im Gegenzug gehen die Forderungen der Kunden, soweit sie entschädigt wurden, auf sie über. Die Sicherungseinrichtungen melden dann diese Forderungen im Insolvenzverfahren an.
Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (ESF) besteht zu diesem Zweck seit dem 1.1.1976. … Der ESF ist ein unselbstständiges Sondervermögen des Bankenverbandes (s. Stichwort). Am Fonds wirken alle privaten Banken mit, die Mitglied des Bankenverbandes sind. … Der ESF ist nach seinem Selbstverständnis eine Schutz- und Solidargemeinschaft des privaten Bankgewerbes. Deren satzungsmäßiges Ziel ist es, „bei drohenden oder bestehenden finanziellen Schwierigkeiten von Banken … im Interesse der Einleger Hilfe zu leisten und Beeinträchtigungen des Vertrauens in die privaten Kreditinstitute zu verhüten.“
Da private Banken – anders als bei den nach dem Regionalprinzip aufgestellten Sparkassen und Genossenschaftsbanken – untereinander im Wettbewerb stehen, ist Ziel der Einlagensicherung nicht die Institutserhaltung. Nicht lebensfähige Banken werden daher grundsätzlich nicht gestützt, sie haben vielmehr dem Marktmechanismus folgend aus dem Wettbewerb auszuscheiden. Die Aufgabe des ESF besteht nicht darin, Banken zu sanieren und am Markt zu erhalten, sondern Insolvenznachteile für Einleger auszugleichen und ein Level-Playing-Field für private Häuser im Wettbewerb um Einlagen mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu schaffen.“

Quelle: Massenberg, H.-J. (Die Einlagensicherung der Kreditbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 790f

Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB)

„Seit 1998 gibt es zur Absicherung der Einlagen bei privaten Banken auf Grundlage europarechtlicher Vorgaben neben dem ESF (s. Stichwort Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken) die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB). Die EU-Einlagensicherungsrichtlinie vom 30.5.1994 verpflichtete alle Mitgliedsstaaten, dafür Sorge zu tragen, dass Sicherungssysteme errichtet werden, denen sämtliche Kreditinstitute obligatorisch anzugehören haben. Obwohl Deutschland zu diesem Zeitpunkt bereits über umfassende, aber freiwillige Einlagensicherungssysteme verfügte, konnte der deutsche Gesetzgeber diesem europarechtlichen Auftrag nicht durch Anerkennung der bestehenden Systeme nachkommen. Da diese privatrechtlich organisiert sind und eine Pflichtmitgliedschaft in privaten Verbänden verfassungsrechtlich unzulässig ist, blieb nur der Weg, neue öffentlich-rechtlich strukturierte Einlagensicherungssysteme zu schaffen, die neben den weiter fortbestehenden privatrechtlichen Sicherungseinrichtungen existieren. … EdB, eine hundertprozentige Tochter des Bankenverbandes, ist für den Bereich der privatrechtlichen Institute die Aufgabe einer Entschädigungseinrichtung übertragen worden. Anders als der ESF beinhaltet das Mandat der EdB kein Eingriffsinstrumentarium (s. Stichwort) oder die Möglichkeit, Vorfeldmaßnahmen zur Stützung einer Bank zu ergreifen. Sie kann nur aktiv werden, wenn die formale Feststellung des Entschädigungsfalles durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für eine Bank erfolgt. ...Wenn eine Sicherung durch die EdB besteht, ist diese beschränkt auf maximal 100.000 EUR pro Einleger.“

Quelle: Massenberg, H.-J. (Die Einlagensicherung der Kreditbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 793f

Entsprechenserklärung

Vorstand und Aufsichtsrat einer börsennotierten Aktiengesellschaft und von Gesellschaften, die andere Wertpapiere als Aktien zum Handel an einer Börse begeben haben, müssen jährlich erklären rsp. auf ihrer Internetseite veröffentlichen, dass sie den Empfehlungen der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ (s. Stichwort, d. Verf.) entsprechen, und dabei angeben, welche Empfehlungen sie nicht annehmen.

Quelle: Vgl. Theisen, M. R. (Bedeutung des Deutschen Corporate Governance Kodex für die Arbeit von Aufsichtsräten in Kreditinstituten), S. 33f.

Ergänzungskapital

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

erwarteter Verlust

s. Stichwort Kreditrisiko

Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA)

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) wurde 2010 gegründet und hat den Auftrag, „die Einhaltung der Aufsichtsstandards für Banken durch die nationalen Aufsichtsbehörden (in der EU zu überwachen, d. Verf.). Die Richtlinien der Gemeinschaft geben Mindeststandards vor, das nationale Recht kann allerdings höhere Anforderungen stellen. Ein Durchgriffsrecht hat die EBA dann, wenn eine nationale Aufsichtsbehörde gegen EG-Recht verstößt. Zielsetzung und Aufgabe der nationalen Aufsichtsbehörden ist es, ein funktionstüchtiges, stabiles und integreres nationales Finanzsystem zu gewährleisten, damit die Bankkunden dem System vertrauen können.“

Quelle: Schlieper, T. (Die Rolle des Aufsichts- und Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512

Europäischer Pass

Mit europäischer Pass wird die „Gewährung einer einzigen Zulassung für die gesamte Gemeinschaft“, also alle Mitgliedsländer der EU, bezeichnet.

Quelle: Vgl. Schlieper, T. (Die Rolle des Aufsichts- und Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512

Exposure at Default (EAD)

s. Stichwort Standardrisikokosten

F

Factoring

„Factoring bezeichnet eine Finanzierungsform, bei der ein Unternehmen Forderungen aus seinem Geschäftsbetrieb an eine spezialisierte Factoringgesellschaft (Factor) abtritt und im Gegenzug 80–90% des Forderungswertes gutgeschrieben bekommt. Dabei erfüllt das Factoring drei Funktionen:

  • die Finanzierungsfunktion,
  • die Dienstleistungsfunktion und
  • die Delkrederefunktion.

Quelle: Vgl. Wittberg, V./Fölkersamb, R.von/Reuber, U. (Besondere Themenstellungen für den Aufsichtsrat bei Leasing- und Factoringgesellschaften), S. 281

fat-tail

„Unter fat-tails versteht man sehr hohe Verluste, die mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit auftreten. Dies könnte beispielsweise durch eine zu geringe Diversifikation (und dem Vorhandensein von Klumpenrisiken) der Fall sein.
Demnach ist bei Verwendung der Kennzahl Value at Risk (s. Stichwort, d. Verf.) im Rahmen des (Kredit-) Risikomanagements immer auch die Aussage dieser Kennzahl zu berücksichtigen. Die Höhe des gemessenen Risikos sollte dabei nie als der maximal mögliche Verlust, sondern immer in Zusammenhang mit dem verwendeten Konfidenzniveau (s. Stichwort) betrachtet werden. Ferner sollten auch die potentiell möglichen Verluste bei Überschreitung des Value at Risk analysiert werden.“

Quelle: Knippschild, M./Hromadka, J. /Geidt-Karrenbauer, U. (Die Bedeutung von Ratinginformationen und Portfolioanalysen zur Quantifizierung von Kreditrisiken), S. 1053f.

Financial Future

Financial Futures sind neben den Optionen, Forward Rate Agreements und Swaps eine von vier Grundtypen von Derivaten (s. Stichwort). Financial Futures beinhalten die vertragliche Verpflichtung

  • einen im Hinblick auf Nominalwert, Nominalzins, Laufzeit und Schuldner standarisierten Basiswert
  • an einem bestimmten, in der Zukunft liegenden Termin (Erfüllungszeitpunkt)
  • zu einem bereits heute vereinbarten Preis
  • abzunehmen (Kauf eines Futures bzw. Long-Future) oder zu liefern (Verkauf eines Futures bzw. Short-Future).

Financial Futures können nicht nur auf real existierende Basiswerte bezogen werden. Oftmals werden ihnen fiktive Basiswerte zugrunde gelegt. Z.B. basiert einer der verschiedenen, von der Terminbörse EUREX angebotenen Bundfutures auf einer real nicht existierenden Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren und einem Coupon von 6%.“

Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1173

Financial Swaps

Financial Swaps sind neben den Optionen, Financial Futures und Forward Rate Agreements eine von vier Grundtypen von Derivaten (s. Stichwort). Financial Swaps „umfassen den Tausch von Zahlungsforderungen oder –verbindlichkeiten. Getauscht werden dabei

  • Zinszahlungen auf zuvor festgelegte Kapitalbeträge,
  • Devisenzahlungen in Höhe bestimmter Kapitalbeträge oder
  • Zins- und Devisenzahlungen im vorgenannten Sinn.

... Im Falle von Zinsswaps sind neben vielen anderen Varianten vor allem sogenannte Payer- und Receiver-Swaps voneinander abzugrenzen. Bei einem Payer-Swap zahlt der Swap-Halter einen Festzins und erhält einen variablen Zins. Dazu wird zuerst ein Kontraktvolumen fixiert, z.B. 10 Mio. EUR. Dann wird festgelegt, welche Festzinszahlung der Payer-Swap-Halter leisten muss, z.B. 3% für 10 Jahre. Dieser Zins besteht aus dem risikofreien Zins und einer Risikoprämie, die der Swap-Halter zahlen muss. Außerdem wird vereinbart, an welchen Referenzzins die variable Zahlung, die der Payer-Swap-Halter bekommt, gekoppelt wird. Denkbar wäre die Kopplung an den Referenzzins Monats-EURIBOR.“

Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1174f.

Finanzdienstleistungsinstitut

Ein Kreditinstitut ist ein Unternehmen, das Bankgeschäfte gewerbsmäßig oder in einem Umfang betreibt, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 1 Abs. 1 KWG). Bankgeschäfte werden in § 1 Abs. 1 Nr. 1–12 KWG. definiert:

  • Einlagengeschäft,
  • Pfandbriefgeschäft
  • Kreditgeschäft
  • Diskontgeschäft
  • Finanzkommissionsgeschäft
  • Depotgeschäft
  • Revolvinggeschäft
  • Garantiegeschäft
  • Scheck- und Wechseleinzugsgeschäft, Reisecheckgeschäft,
  • Emissionsgeschäft,
  • die Tätigkeit als zentraler Finanzmarktkontrahent.

Das Finanzdienstleistungsinstituts gemäß § 1 Abs. 1a KWG umfasst das Betreiben des Anlagegeschäfts und von multilateralen Handelssystemen.

Quelle: Vgl. Langenbucher, K., (Aufsichtsratsmitglieder in Kreditinstituten: Rechte, Pflichten und Haftungsregeln), S. 4f.

Finanzexperte

„Ein Mitglied des Aufsichtsrates einer kapitalmarktorientierten Aktiengesellschaft (muss) die Qualität eines unabhängigen Finanzexperten aufweisen. Die Vorschrift gilt über entsprechende Verweise auch für Kreditinstitute in anderen Rechtsformen als der einer Aktiengesellschaft. Der unabhängige Finanzexperte hat die Aufgabe, eine besondere Überwachungsqualität der Aufgaben von Vorstand und Abschlussprüfer sicherzustellen; damit einher geht auch ein strengerer Beurteilungsmaßstab hinsichtlich der sorgfaltsgerechten Ausübung seines Aufsichtsratsamtes.“

Quelle: Kersting, M. O. (Der Finanzexperte im Aufsichtsorgan – Ausgestaltung des rechtlichen Rahmens bei kapitalmarktorientierten Kreditinstituten), S. 169

Finanzkonglomerat

„Durch die Einstufung einer Unternehmensgruppe als Finanzkonglomerat wird eine zusammengefasste, branchenübergreifende Regulierung und Aufsicht dieser Unternehmensgruppe ausgelöst. Als Finanzkonglomerat wird grundsätzlich ein sektorübergreifender Finanzkonzern mit Tätigkeit sowohl im Banken- und Investmentbereich als auch im Versicherungswesen angesehen, dessen sektorübergreifende Aktivitäten einen wesentlichen Umfang erreichen. Die Voraussetzungen zur Einordnung einer Unternehmensgruppe als Finanzkonglomerat durch die Aufsichtsbehörde sind im deutschen Recht in Umsetzung der europarechtlichen Richtlinie im KWG (§ 1 Abs. 20) und im VAG (§ 104k Nr. 4) geregelt.“

Quelle: Erdland, A./Obladen, M. (Herausforderungen für den Aufsichtsrat in einem Allfinanzkonzern), S. 243

Fortbildung

Die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten in Banken und Sparkassen müssen sachkundig sein. „Verfügt ein neu bestellter Aufsichts- oder Verwaltungsrat nicht über die erforderliche Sachkunde, führt das nicht automatisch dazu, dass die Tätigkeit in einem Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan für ihn generell ausgeschlossen ist.
Die erforderlichen Kenntnisse können in der Regel auch durch Fortbildung erworben werden. Der Inhalt der Fortbildung muss insbesondere das Geschäftsmodell sowie die Größe und Komplexität des Unternehmens berücksichtigen. Die Fortbildung muss bezogen auf den jeweiligen Einzelfall die grundlegenden wirtschaftlichen und rechtlichen Abläufe im Tagesgeschehen vergleichbarer Unternehmen, das Risikomanagement sowie die Funktion und die Verantwortung der Mitglieder des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans auch in Abgrenzung zur Geschäftsleitung umfassen. Sie soll auf die Grundzüge der Bilanzierung sowie des Aufsichtsrechts eingehen.“

Quelle: Behle, R. (Die besonderen Anforderungen der Bankenaufsicht an die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten), S. 578f.

Forward Rate Agreement

Forward Rate Agreements sind neben den Optionen, Financial Futures und Swaps eine von vier Grundtypen von Derivaten (s. Stichwort). „Forward Rate Agreements stellen … nicht standarisierte, individuell ausgehandelte Zinsfutures dar. Sie beinhalten die vertragliche Vereinbarung darüber, wie ein vorgegebener Geldbetrag in der Zukunft zu verzinsen ist. Dabei sind folgende Parameter festzulegen:

  • der Zeitraum, der in der Zukunft beginnt und endet (Referenzperiode),
  • der Zeitraum, der bis zum Beginn der Referenzperiode reicht (Vorlaufzeit),
  • der Kapitalbetrag, der über die Referenzperiode verzinst werden soll
  • der Zinssatz (Forward Rate), zu dem sich der Kapitalbetrag verzinst, und
  • ein Referenzzinssatz.

Während dem Zinsfutures also eine genau definierte Anleihe zugrunde gelegt wird, werden die Anleiheparameter bei einem Forward Rate Agreement individuell vereinbart.“

Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1174

Fristentransformation

s. Stichworte Marktzinsmethode und Zinsbuchsteuerung

G

Garantiefonds

s. Stichwort Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR-SE)

Garantieverbund

s. Stichwort Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR-SE)

geborenes Mitglied eines Verwaltungsrates

Anders als bei den genossenschaftlichen oder den Privatbanken sind bei einer Sparkasse i.d.R. der Vorsitzende der Verwaltung des Trägers (also z.B. Bürgermeister, Landrat) und weitere Amtsträger Mitglieder im Verwaltungsrat; ebenso ist in den Sparkassengesetzen der Bundesländer der Vorsitz und der stellvertretende Vorsitzes für diese „geborenen“ Mitglieder vorgesehen.
Bei diesen „Hauptverwaltungsbeamten einer Gebietskörperschaft (zum Beispiel Bürgermeister oder Landrat) ist die Sachkunde (s. Stichwort, d. Verf.) regelmäßig anzunehmen, wenn sie vor oder seit ihrem Amtsantritt über einen längeren Zeitraum und in nicht unwesentlichem Umfang Tätigkeiten ausgeübt haben, die maßgeblich auf wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen ausgerichtet waren. Das Gleiche gilt für den Kämmerer einer Gebietskörperschaft und Beschäftigte in vergleichbarer Funktion.“

Quelle: Vgl. Altenhain, T./Gade, C. (Die Besetzung von Aufsichtsorganen in Kreditinstituten – Anmerkungen zu Suche, Auswahl und Gewinnung), S. 432f. sowie wörtlich Behle, R. (Die besonderen Anforderungen der Bankenaufsicht an die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten), S. 578

Geldmarkt

„Der Geldmarkt lässt sich in zwei große Segmente aufteilen.

  • Der Geldmarkt im engeren Sinne ist der Markt für Zentralbankgeld (Guthaben bei der Notenbank).Hier handeln vor allem Geschäftsbanken untereinander, um Liquiditätsausgleiche zur Erfüllung von Mindestreservepflichten und zur Versorgung ihres Bargeldumlaufs vorzunehmen. Dieser Markt ist der Ansatzpunkt für die geldpolitische Steuerung der Notenbank und das Zinsniveau wird im Wesentlichen durch die aktuelle und erwartete Entwicklung der Notenbankzinsen dominiert.
  • Der Geldmarkt im weiteren Sinne ist der Markt für den Handel mit Bankengiralgeld und verbrieften kurzfristigen Forderungen wie öffentlichen Schatzanweisungen oder privaten Geldmarktpapieren wie Commercial Papers. Auch dieses Geldmarktsegment wird in normalen Marktphasen im Wesentlichen durch die Entwicklung der Leitzinsen bestimmt. Aufgrund der kurzen Restlaufzeiten werden – zumindest in einem Umfeld moderater Inflationsraten – inflationsbedingte Zinsaufschläge nicht oder nur in einem geringen Umfang berücksichtigt.“

Quelle: Smeets, H.-D./Michler, A. (Zins-, Wechselkurs- und Inflationsentwicklung: Zentrale Einflussfaktoren in der Banksteuerung), S. 1079

Gemeinwohlorientierung

Sparkassen sind „eigenständige juristische Personen und übernehmen – im weitesten Sinne – von ihren kommunalen Trägern an sie abgetretene Aufgaben.
Worin diese Zuständigkeiten tatsächlich bestehen, ist (wiederum) allenfalls vage bestimmt. Die von den Bundesländern erlassenen Sparkassengesetze sprechen hier durchweg vom sog. „öffentlichen Auftrag“ (s. Stichwort). Ergänzt durch die vom Anstaltsträger erstellte Satzung versteht man darunter die Gesamtheit der auf die einzelne Sparkasse übertragenen Pflichten.
Diese stehen in enger Beziehung zur „Gemeinwohlorientierung“ eines öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts, die nach allgemeiner Auffassung vor allem dem ökonomischen Ziel der Gewinnmaximierung entgegensteht. Vielmehr sollen Sparkassen aus ihren (Netto-) Erträgen die sozialen Ziele der sie tragenden Gebietskörperschaft unterstützen und zudem aus dem Jahresüberschuss Ausschüttungen an den Träger vornehmen.“

Quelle: Gischer, H./Spengler, T. (Der Verwaltungsrat einer Sparkasse – Aufgaben, Zusammensetzung und Herausforderungen), S.203

Gesamtkapitalrentabilität

s. Stichwort Reingewinnspanne

Gesamtstrategie

s. Stichwort Teilstrategie

Geschäftsfeldstrategie

Die Entwicklung von Strategien für die Marktbearbeitung durch eine Bank oder Sparkasse kann auf einen Katalog von Strategieoptionen zurückgreifen, der sich hierarchisch in Optionen

  • zur Geschäftsfeldstrategie,
  • zur Marktteilnehmerstrategie (s. Stichwort) und
  • zur Marketinginstrumentestrategie (s. Stichwort)

gliedert.
Im Rahmen der zuvorderst zu erstellenden Geschäftsfeldstrategien „erfolgt notwendigerweise die Festlegung der strategischen Geschäftsfelder des Unternehmens (z.B. nach Kundengruppen, Privat- vs. Geschäftskunden).Im Anschluss daran ist zu prüfen, welche marktfeldstrategische Option für das Unternehmen optimal ist.

Grundsätzlich stehen den Kreditinstituten verschiedene Strategieoptionen zur Marktbearbeitung (Marktdurchdringung, Marktentwicklung, Dienstleistungsentwicklung und Diversifikation) zur Verfügung. Als weitere Elemente der Geschäftsfeldstrategie werden die Wettbewerbsvorteilsstrategie (z.B. Qualitäts- vs. Kostenführerschaft), die Marktabdeckungsstrategie (Gesamtmarkt vs. Nischenbesetzung) sowie die Timingstrategie (Pionier vs. Folger) festgelegt.“

Quelle: Bruhn, M. (Strategische Marketingentscheidungen eines Kreditinstituts: Produkt, Preis, Vertrieb, Kommunikation, Personal), S. 903

Geschäftsführungsverbot

Dem Aufsichtsrat können keine Maßnahmen der Geschäftsführung übertragen werden (§ 111 Abs. 4 Satz 1 AktG, § 52 Abs. 1 GmbHG). Eine abweichende Regelung ist weder durch die Satzung noch durch einen Beschluss des Vorstandes oder des Aufsichtsrates möglich. Das Geschäftsführungsverbot ist Ausdruck des vom deutschen Gesetzgeber befolgten dualistischen Systems, das strikt zwischen dem Vorstand als Leitungs- und dem Aufsichtsrat als Überwachungsorgan trennt.

Quelle: Vgl. Altenhain, K. (Strafrechtliche Risiken der Aufsichts- und Verwaltungsratstätigkeit in deutschen Banken und Sparkassen), S. 55f.

Geschäftsparameter

Die Marktstrategie eines Kreditinstituts (s. Stichwort) ist im Regelfall in mehrere Teilmarktstrategien zu untergliedern (s. Stichwort). Dabei können einzelne Geschäftsparameter „Ideen zur weiteren Differenzierung … geben; dabei wird die Zahl der zu bildenden Teil-Marktstrategien für die als wesentlich eingeschätzten Geschäftsaktivitäten abhängen von der Größe des Instituts, aber auch der Breite der einzelnen Geschäftsfelder sowie ihrer Bedeutung in den regionalen, nationalen oder sogar internationalen Märkten:

  • das Marktgebiet: lokal – regional– bundesweit – europaweit – ...
  • der Produktfokus: Kreditgeschäft – Einlagengeschäft – Wertpapiergeschäft – Vermittlungsgeschäft – ...
  • die Angebotstiefe (Beispiel Kreditgeschäft): Konsumentenfinanzierung – private Immobilien – gewerbliche Immobilien – Schiffsfinanzierung – ...
  • die Vertriebswege: „brick & mortar“ – online & mobil – Außendienst – ...
  • der Preis: Preisführer – „in the middle of the pack“ – Preisbrecher – …die Dienstleistungsqualität: Qualitätsführer – Standardanbieter resp. „Massenhersteller“ – „cheap & ugly“ – ...
  • die Marke: Aufbau eine Produkt- vs. Nutzung der Dachmarke / Premium- vs. Massenmarke.“


Quelle: Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 882f.

Geschäftsstrategie

Jedes Kreditinstitut muss nach den MaRisk eine Geschäftsstrategie und eine Risikostrategie festlegen, wobei letztere die sich bei der Umsetzung der Geschäftsstrategie ergebenden Risiken beherrschbar machen soll. „Die Ziele des Instituts für jede wesentliche Geschäftsaktivität sowie die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele“(BaFin, MaRisk v. 14.12.2012, RS 10/2012 (BA), AT 4.2 Tz.1 Satz 1) werden in der Geschäftsstrategie, auch als Unternehmensstrategie zu bezeichnen, festgelegt. Die Risikostrategie beschreibt „die Ziele der Risikosteuerung der wesentlichen Geschäftsaktivitäten sowie die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele“ (ebenso, Tz 2 Satz 1)

Quelle: Vgl. Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 871

Gewaltentrennung

Bei einer schweizer Bankaktiengesellschaft ist die organisatorische und personelle Trennung der Organe für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle sowie für die Geschäftsführung der Bank vorgeschrieben; diese Trennung bezweckt „in erster Linie … (die) sachgemäße(n) Überwachung der Geschäftsführung. Nach Ansicht des Gesetzgebers erfolgt eine sachgemäße Überwachung der Geschäftsleitung über klare Aufgaben- und Verantwortungszuweisungen.
Die Überwachung der Geschäftsleitung durch den Verwaltungsrat erfordert einerseits eine klare Aufgaben- und Verantwortungszuteilung an die Geschäftsleitung, andererseits ist auch klar zu bestimmen, welche Aufgaben und Verantwortungen der Verwaltungsrat selber wahrnimmt. Eine stringente, in Reglementen und Weisungen festgehaltene Zuweisung von Aufgaben schafft eine transparente und nachvollziehbare Basis, um eine Bank effizient zu führen und die Geschäftsleitung sachgemäß zu überwachen.
Die Gewaltentrennung und das Verbot der gleichzeitigen Zugehörigkeit zum Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung dienen zusätzlich auch der Vermeidung einer Machtkonzentration auf eine oder mehrere Personen. Dies dient der Reduktion des Missbrauchsrisikos und der Eindämmung allfälliger Interessenkonflikte. In der Quintessenz ergeben sich daraus auch Elemente des Gläubiger- und Funktionsschutzes für Banken bzw. für das Bankensystem insgesamt.“

Quelle: Loretan, M./Schön, E. (Der Verwaltungsrat von Kreditinstituten in der Schweiz: Rahmenvorgaben, Organisation, Aufgaben und Strukturen), S. 316f

Grenzen der Überwachungspflicht

Von den Mitgliedern des Aufsichts- bzw. Verwaltungsrates kann im Rahmen ihrer Überwachungspflicht „grundsätzlich nicht mehr verlangt werden als eine sorgfältige Prüfung der genannten Berichte (s. Stichwort Überwachungspflicht, d. Verf.), die im Einzelfall durch das Anfordern weiterer Berichte nach § 90 Abs. 3 AktG und ein Gebrauch machen von den Einsichtsrechten nach § 111 Abs. 2 AktG zu ergänzen ist. Lediglich in Ausnahmesituationen, wie z.B.

  • der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage,
  • einer (Unternehmens-) Krise,
  • einem vermuteten Sorgfaltsverstoß durch den Vorstand oder
  • der Planung größerer Investitionen,

wird allgemein eine Intensivierung der Überwachungspflichten angenommen“ Diese werden dann begrenzt durch das Geschäftsführungsverbot (s. Stichwort, d. Verf.) des Aufsichtsrates (§ 111 Abs. 4 Satz 1 AktG) und den Grundsatz der eigenverantwortlichen Geschäftsführung durch den Vorstand (§ 76 Abs. 1 AktG, § 27 Abs. 1 GenG, § 20 Abs. 1 Satz 1 NWSpkG). Auch richtet sich die Überwachung nur auf die Geschäftsführung durch den Vorstand, nicht auf die Tätigkeit anderer Angestellter der Bank.

Quelle: Altenhain, K. (Strafrechtliche Risiken der Aufsichts- und Verwaltungsratstätigkeit in deutschen Banken und Sparkassen), S. 55f.

Großkredit

„Grundsätzlich gelten alle Kredite an einen Kreditnehmer (oder eine Kreditnehmereinheit gemäß § 19 Abs. 2 KWG) zusammen als Großkredit, wenn sie größer oder gleich 10% des haftenden Eigenkapitals des Instituts sind. Maximal darf der einzelne Großkredit 25% des haftenden Eigenkapitals ausmachen (§ 13 Abs. 3 KWG).“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte: Normen und ihre Interpretation durch den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 605.

Grundsatz der doppelten Proportionalität

„Wesentliches Element der MaRisk ist der Grundsatz der doppelten Proportionalität. Dieser besagt, dass

  • der bankinterne Prozess proportional zur Größe, zum Geschäftsvolumen und zur Risikostruktur sein muss und
  • die Prüfung durch die Aufsicht hinsichtlich der Häufigkeit und der Intensität der Prüfung proportional zur Ausgestaltung der bankinternen Prozesse sein muss

Somit wird in der Konsequenz erwartet, dass vor allem größere Institute über die geforderten Mindestanforderungen an das Risikomanagement hinausgehen (kein „one size fits all“-Ansatz). Im Umkehrschluss geht daher die BaFin davon aus, dass die Anforderungen der MaRisk von allen Unternehmen – also auch kleineren Instituten – erfüllt werden können.“

Quelle: Romeike, F. (Die Bedeutung bankaufsichtlicher Mindestanforderungen für die Arbeit des Aufsichtsorgans), S. 623

H

haftendes Eigenkapital

„Seit der Umsetzung des Baseler Eigenkapitalakkords (Basel I) besteht das haftende Eigenkapital aus den Komponenten Kern- und Ergänzungskapital. Als Folge der Finanzmarktkrise hat der Gesetzgeber im Rahmen der 8. KWG-Novelle (2010) bzgl. der Anerkennung von Eigenmitteln einige Überarbeitungen vorgenommen, die auf Verbesserungsvorschläge der EU-Kommission zurückzuführen sind. Der Gesetzgeber ist dabei an einigen Stellen auf eine prinzipienbasierte Definition der Eigenmittelbestandteile übergegangen, wobei das Kernkapital in vier Klassen unterteilt wurde. Die Klassen zwei bis vier stellen das sogenannte Hybridkapital dar, das mit max. 50% am gesamten Kernkapital anrechenbar ist.

  • Das Kernkapital erster Klasse umfasst im Wesentlichen das eingezahlte Kapital (Geschäfts-, Grund-, Stamm- und Dotationskapital sowie Geschäftsguthaben) abzüglich kumulativer Vorzugsaktien, ausgewiesene Rücklagen, den Sonderposten für allgemeine Bankrisiken gemäß § 340g HGB und anderes Kapital.
  • Das Kernkapital der Klassen zwei bis vier setzt sich aus dem sonstigen Kapital zusammen. Abzuziehen sind unter anderem immaterielle Vermögensgegenstände und bestimmte Kredite an Anteilseigner oder stille Gesellschafter.

Das Ergänzungskapital ist aufgeteilt in zwei Klassen unterschiedlicher Güte:

  • Das Ergänzungskapital 1. Klasse umfasst Vorsorgeaufwendungen nach § 340f. HGB, kumulative Vorzugsaktien, Rücklagen nach § 6b EStG (Anrechnung mit 45%), das Kapital nach § 10 Abs. 5 KWG (z.B. Genussrechtskapital) und nicht realisierte Reserven bei Grundstücken und Wertpapieren (Anrechnung zu 45%). Bei Instituten, die für die Bestimmung der Kreditrisikoposition einen internen Rating-Ansatz benutzen, kommt ggf. ein Wertberichtigungsüberschuss hinzu.
  • Als Ergänzungskapital 2. Klasse können nachrangige Verbindlichkeiten und der Haftsummenzuschlag bei Kreditgenossenschaften angerechnet werden. Abzuziehen sind der Eigenbestand an bestimmten Eigenkapitalelementen (Einlagen, Beteiligungen, Forderungen) von anderen Kredit- oder Finanzinstituten.

Bei der Berechnung des haftenden Eigenkapitals ist zu berücksichtigen, dass das Ergänzungskapital insgesamt maximal 100% des Kernkapitals und das Ergänzungskapital 2. Klasse maximal 50% des Kernkapitals betragen kann. Abschließend sind diverse Abzugsposten zu berücksichtigen (§ 10 Abs. 6 und 6a KWG).“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte: Normen und ihre Interpretation durch den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 598f

Haftsummenzuschlag

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

Haftungsverbund

„Wie die Sparkassen-Finanzgruppe selbst ist auch das Sicherungssystem föderal angelegt und basiert auf den regionalen Sparkassenstützungsfonds, der Sicherungsreserve der Landesbanken und Girozentralen sowie dem Sicherungsfonds der Landesbausparkassen. Das Zusammenwirken und Zusammenspiel dieser Sicherungseinrichtungen wird als „Haftungsverbund“ bezeichnet. … Dieser wird aktiv, sofern die für die Regelung eines Stützungsfalles notwendigen Aufwendungen die Gesamtvolumina des betroffenen Sicherungssystems übersteigen. Durch diesen Haftungsverbund steht in einem Krisenfall somit das Gesamtvolumen aller Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe für institutssichernde Maßnahmen zur Verfügung.“

Quelle: Fieseler, B.M./Schackmann-Fallis, K.-P. (Die Institutssicherung der Sparkassen und Landesbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 807ff

Handelsgeschäft

s. Stichwort Eigengeschäfte

Handelsspanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Handelsergebnis und Bilanzsumme

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Harmonisierung der Bankaufsicht

„Gemäß den EG-Richtlinien über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeiten der Kreditinstitute wird eine Harmonisierung der Bankaufsicht der einzelnen Mitgliedsstaaten im Sinne des gemeinsamen Binnenmarktes angestrebt, die:

  • „die Gewährung einer einzigen Zulassung für die gesamte Gemeinschaft…“ („Europäischer Pass“) und
  • – „die Anwendung des Grundsatzes der Kontrolle durch den Herkunftsmitgliedstaat ermöglicht.“

Das Banken- bzw. Gesellschaftsrecht des Mitgliedsstaates, in dem die Bank ihren juristischen Sitz hat (Herkunftsstaat), ist maßgebend; die Beaufsichtigung der Bank liegt beim Herkunftsstaat. Für ein Kreditinstitut, das nicht nur den nationalen Markt innerhalb der EU anstrebt, in dem es seinen rechtlichen Sitz hat (Herkunftsmitgliedsstaat), sondern auch andere Mitgliedsstaaten (Aufnahmemitgliedsstaaten) durch Niederlassungen bearbeiten möchte, gilt die Niederlassungsfreiheit. Ihre Zulassung als Bank und ihre Firmenbezeichnung gelten in allen EG-Mitgliedsstaaten. Es gilt ein vereinfachtes Verfahren für die Errichtung einer Niederlassung...

Daneben kann ein Kreditinstitut aufgrund der Dienstleistungsfreiheit seine Dienstleistungen auch ohne eine Niederlassung in einem anderen Mitgliedsstaat (Aufnahmemitgliedsstaat) anbieten. Allerdings gilt das Recht des Aufnahmemitgliedsstaates für die Geschäftsvereinbarung mit dem dort ansässigen Kunden (z.B. Konsumenten- und Datenschutz).“

Quelle: Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512

Hedging

Mit Hedging werden Absicherungsstrategien bezeichnet. Bei Abschluss eines Hedginggeschäfts wird „zuerst … untersucht, wie sich der Wert des Grundgeschäftes bei bestimmten Preisentwicklungen verändert. Anschließend wird ein Absicherungsgeschäft so konstruiert, dass dessen Wertänderung bei den zuvor unterstellten Preisentwicklungen möglichst exakt im Gegensatz zur Wertänderung des Grundgeschäftes verläuft. Das Absicherungsgeschäft muss nicht aus einer einzigen Position bestehen. So werden z.B. zur Zinssicherung oftmals mehrere Swaps mit unterschiedlichen Laufzeiten und Volumina eingesetzt, um ein bestehendes Portefeuille aus zinstragenden Titeln zu immunisieren“

Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1177

Herkunftsstaat, Herkunftsmitgliedstaat

Als Herkunftsstaat wird derjenige Mitgliedsstaat der EU bezeichnet, in dem die Bank ihren juristischen Sitz hat.

Quelle: Vgl. Schlieper, T. (Die Rolle des Aufsichts- und Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512

Unternehmensplanung

Die hierarchische Unternehmensplanung „unterscheidet mit der normativen, der strategischen und der operativen Ebene drei aufeinander aufbauende und in einander verzahnte, hierarchische Ebenen von Planung, Steuerung und Kontrolle (bei einem Kreditinstitut, Anm. d. Verf.). ..:

  • Auf der normativen Ebene der Unternehmensführung wird der Gestaltungsrahmen für die strategische und die operative Ebene festgelegt. Sie definiert den Geschäftszweck der Bank oder Sparkasse, oft auch als Unternehmensmission, Unternehmensleitbild, unternehmerische Vision oder langfristige Unternehmensziele bezeichnet.
  • Auf der strategischen Ebene der Unternehmensführung werden „die wichtigsten Merkmale eines Unternehmens relativ global für einen längerfristigen Zeitraum fixiert. Es sollen Konzepte und Strategien entwickelt werden, mit denen die Existenz des Unternehmens dauerhaft gesichert werden kann.“ Die Strategie einer Bank oder Sparkasse dokumentiert dabei das „gemeinsame Grundverständnis für die weitere Entwicklung des Instituts.“
  • Die operative Planung … ist die dritte und hierarchisch der strategischen nachgelagerte Ebene der Unternehmensführung. Der operative Plan stellt den Orientierungsrahmen für Tages-, Wochen-, Monats- und Quartalsaktivitäten dar und dient der „Planung, Steuerung und Kontrolle der laufenden Aktivitäten eines Unternehmens. Die operative Planung … arbeitet mit i.d.R. kurz- bis mittelfristigem Hintergrund, einer relativ großen Detaillierung und stützt sich auf die Planungsmethode der Budgetierung.“

Quelle: (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 871f, 875, 877

horizontaler Marktvergleich

Ein horizontaler Marktvergleich dient der Ermittlung der Bandbreite, in dem sich die Gesamtvergütung eines Vorstandsmitglieds einer Bank bewegt, und gibt eine Indikation zur Beurteilung der Angemessenheit der Gesamtbezüge. „Bei diesem Marktvergleich sollte – soweit möglich – eine ausreichende Zahl, d.h. aus Sicht des Autors mindestens zehn, weitgehend vergleichbarer Unternehmen einbezogen werden. Es sollte hierdurch idealerweise ein Vergleich mit Instituten vergleichbarer Größe (üblicherweise betrachtet nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl; Korridor z.B. +/– 50% der eigenen Größe), vergleichbaren Geschäftsmodells (z.B. Retailbanken mit Retailbanken und nicht Investmentbanken) und/oder gleicher Funktion im Konzern (z.B. Tochtergesellschaft eines ausländischen Konzerns mit anderen Tochtergesellschaften und Niederlassungen) möglich sein.“

Quelle: Doetsch, P.A. (Vergütungsmodelle für Vorstände und Aufsichtsräte rechtskonform und praxistauglich gestalten), S. 447

Hybridkapital

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

I

IFRS-Abschluss

Die International Financial Reporting Standards (IFRS) sind Rechnungslegungsvorschriften, die vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgebracht werden. Ihr Ziel ist es, international vergleichbare Jahresabschlüsse für Unternehmen und Konzerne zu erhalten; der IFRS-Abschluss ist in Deutschland für kapitalmarktorientierte Unternehmen (s. Stichwort) vorgeschrieben. „Der Zweck des IFRS-Abschlusses besteht … in der Vermittlung von entscheidungsnützlichen Informationen. Bei einem IFRS-Abschluss handelt es sich somit um einen rein informationsorientierten Abschluss. Die Bemessung des ausschüttbaren Kapitals des Unternehmens wird in Deutschland hierbei weiterhin auf der Basis des handelsrechtlichen Jahresabschlusses vorgenommen. Als primäre Adressatengruppe eines IFRS-Abschlusses werden … derzeitige und potentielle Investoren, Kreditgeber und sonstige Gläubiger genannt.“

Quelle: Kirsch, H.-J./Hoffmann, T./Olbrich, A. (Der IFRS-Konzernabschluss als Informationsinstrument für den Bankaufsichtsrat), S. 689f.

IKS-Prüfung

Bei IKS-Prüfungen durch die interne Revision „stehen üblicherweise die „kontrollierenden“ und „marktfernen“ Abteilungen im Mittelpunkt (Middle- oder Back Office). Das Augenmerk liegt damit nicht primär auf den kompletten Front-to-End-Abläufen oder den im direkten Kundenkontakt oder im Eigenhandel abgeschlossenen Produkten (also z.B. nicht auf der Kreditbonität einzelner Schuldner oder eines Portfolios). Bei der IKS-Prüfung werden vielmehr die Ordnungsmäßigkeit, die Funktionssicherheit und die Angemessenheit der einzelnen Kontrollen arbeitsgangspezifisch beurteilt. Verbesserungsvorschläge sollten durch deren abteilungsspezifische Umsetzung die aufgedeckten Schwachstellen schließen. Ebenso beurteilt wird die Einhaltung der Funktionstrennung, nämlich dass miteinander unvereinbare Aufgaben wie Bearbeitung und Kontrolle nicht von denselben Personen durchgeführt werden.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 189

Inflation

„Die gebräuchlichste Definition versteht unter Inflation anhaltende, über eine bestimmte Marge hinausgehende Preisniveausteigerungen. Damit haben Erhöhungen von Einzelpreisen auf den Güter- und Faktormärkten (bspw. ein drastischer Anstieg der Rohölpreise oder der Nominallöhne), so wichtig sie für die Volkswirtschaft sind, zunächst nichts mit Inflation zu tun. Inflation liegt vor, wenn das gesamte Preisniveau steigt. Auch einmalige Preisniveausteigerungen (bspw. ausgelöst durch einen Anstieg der Mehrwertsteuersätze) stellen keine Inflation dar; Inflation ist eine mehrere Jahre anhaltende Abfolge „ständiger“ Preisniveauerhöhungen.“

Quelle: Smeets, H.-D./Michler, A. (Zins-, Wechselkurs- und Inflationsentwicklung: Zentrale Einflussfaktoren in der Banksteuerung), S. 1089f.

Instituts Vergütungs Verordnung

„Die InstitutsVergV setzt für deutsche Banken den wesentlichen rechtlichen Rahmen für die Gestaltung der Vergütungssysteme der Vorstände, insbesondere die Gestaltung der variablen Vergütung. Durch Einbezug des Wortlautes von § 87 Abs. 1 AktG werden zugleich die aktienrechtlichen Anforderungen an die Vorstandsvergütung für alle Kreditinstitute, unabhängig von ihrer Rechtsform verbindlich. Die Anforderungen an die Vergütung der Vorstände (sowie anderer Mitarbeiter) unterscheiden sich dabei je nachdem, ob das Institut als „bedeutend“ im Sinne der Verordnung anzusehen ist oder nicht.“

Quelle: Doetsch, P.A. (Vergütungsmodelle für Vorstände und Aufsichtsräte rechtskonform und praxistauglich gestalten), S. 443

Institutssicherung

„Die Sicherung von Kundeneinlagen kann über zwei unterschiedliche systematische Ansätze erfolgen, die beide in Deutschland praktiziert werden: die Einlegerentschädigung und die Institutssicherung. Sicherungssysteme zur Entschädigung der Einleger greifen dann ein, wenn ein Institut insolvent geworden ist und die Einlagen seiner Kunden nicht mehr zurückgewähren kann. Dabei ist zu differenzieren zwischen den Einlagensicherungssystemen, die den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestschutz gewähren (derzeit 100.000 EUR pro Kunde) und den freiwilligen Sicherungseinrichtungen, die über dieses Mindestsicherungsniveau hinausgehen.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt die Institutssicherung. Ihr Ziel ist es, die Insolvenz eines Kreditinstituts zu vermeiden. Gerät ein Institut in eine wirtschaftliche Notlage, gewährleistet das Institutssicherungssystem die erforderliche Liquidität und Solvenz, damit das Institut seine vertraglichen Verpflichtungen weiterhin erfüllen kann. Der Schutz der Einleger und Kunden erfolgt in diesem Falle also mittelbar; vielfach nehmen die Kunden die wirtschaftliche Krisensituation des Instituts überhaupt nicht wahr.

In Deutschland praktizieren der genossenschaftliche Finanzverbund und die Sparkassen-Finanzgruppe die Einlagensicherung im Wege der Institutssicherung.“ (s. Stichwort Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (ESF))

Quelle: Fieseler, B.M./Schackmann-Fallis, K.-P. (Die Institutssicherung der Sparkassen und Landesbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 805, aber vgl. auch Benna, R./Fischer, R. (Das institutsbezogene Sicherungssystem des genossenschaftlichen Bankensektors), S. 835

Instituts-Vergütungsverordnung

„Die Geschäftsleiter haben das Aufsichtsorgan mindestens einmal jährlich über die Ausgestaltung der Vergütungssysteme des Instituts zu informieren. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden ist ein entsprechendes Auskunftsrecht gegenüber der Geschäftsleitung einzuräumen.“

Quelle: Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 136

interne Liquidationsrechnungslegung

„Oberstes Ziel der Abwicklung eines jeden Unternehmens und auch einer Bank ist die Rückführung aller Verbindlichkeiten durch Liquidation aller Vermögenswerte. … Sobald die Rückführung aller Verbindlichkeiten nicht (mehr) gewährleistet ist – sei es, weil der Wert der Aktiva nicht ausreicht, sei es, weil zusätzliche Verbindlichkeiten auftauchen (z.B. Schadensersatzansprüche) – ist kein (finanzieller) Spielraum mehr für eine Abwicklung. Vielmehr müssen die Geschäftsleiter des Kreditinstituts diese Unterdeckung der Passiva durch die Aktiva gemäß § 46b Abs.1 Satz 1 KWG unverzüglich der BaFin anzeigen, damit diese einen Insolvenzantrag stellen kann...
Die interne Liquidationsrechnungslegung dient allein dazu, ein realistisches Bild von der gegenwärtigen Situation zu vermitteln sowie die voraussichtliche Entwicklung im Verlauf einer Liquidation und deren Ergebnis abzuschätzen.
Sie ist von der Rechtsform unabhängig, zukunftsbezogen und, wenngleich gesetzlich nicht vorgeschrieben, das mit Abstand wichtigste Instrument für die Planung und Entscheidungsfindung. Da die Ergebnisse der internen Liquidationsrechnung ausschlaggebend sind sowohl dafür, ob überhaupt eine Liquidation durchgeführt als auch dafür, ob eine einmal begonnene Liquidation fortgeführt werden kann, muss ein entsprechendes Kalkulationsmodell lange vor dem eigentlichen Auflösungsbeschluss erstellt und kontinuierlich unter Einarbeitung der konkreten Entwicklung aktualisiert werden.“

Quelle: Paulus, J./Villiez, C.von (Der Aufsichtsrat eines Kreditinstituts in der Abwicklung – Erfahrungen aus der Praxis), S. 556f.

Interne Revision

„Unter einer „internen Revision“ oder auch „Innenrevision“ versteht man im Allgemeinen die Prüfung von Prozessen und Abläufen sowie auch der Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen sowie unternehmensinterner Richtlinien und Anweisungen …; neben dieser funktionalen Sichtweise wird die interne Revision im institutionellen Sinne auch als die Stelle oder die Abteilung definiert, die mit der Durchführung eben dieser Prüfungsaufgaben im Unternehmen oder (dann als „Konzern-Revision“) im Konzern beauftragt ist. Der Aufgabenbereich der Innenrevision besteht ʻin (der) Überwachung durch Prüfungen, nicht in Kontrollenʻ.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 180

interne Unternehmensrechnung (Management Accounting)

Die interne Unternehmensrechnung, auch als Management Accounting bezeichnet, „soll den unternehmensinternen Adressaten genau die Informationen zur Verfügung stellen, die als Grundlage für das Treffen von Entscheidungen benötigt werden. Die Rationalität bankbetrieblicher Entscheidungsprozesse soll durch systematische Planaktivitäten und Erfolgskontrollen sichergestellt werden.
Hierfür sind steuerungsrelevante Informationen zu erfassen und aufzubereiten, damit die Aktivitäten der einzelnen Geschäftseinheiten im Hinblick auf die Ziele der Gesamtbank koordiniert werden können. Die interne Unternehmensrechnung hat dabei die folgenden Aufgaben zu erfüllen:

  • laufende Erfassung unternehmensrelevanter Daten,
  • Interpretation der Daten in Abhängigkeit von zukünftigen Entwicklungen,
  • entscheidungsgerechte Präsentation der Analysen für die Geschäftsleitung und andere Entscheidungsträger,
  • planerische Gestaltung der wirtschaftlichen Aktivitäten der Bank,
  • permanente und standardisierte Situations- und Abweichungsanalyse,
  • Reflexion der Analyseergebnisse.

Im Gegensatz zum rein vergangenheitsorientierten externen Rechnungswesen ist die interne Unternehmensrechnung sowohl zukunfts- als auch vergangenheitsbezogen.“

Quelle: Kremers, M. (Externe Rechnungslegung versus interne Unternehmenssteuerung – Besondere Herausforderungen für den Aufsichtsrat), S. 735

internes Kontrollsystem (IKS)

Nach den MARisk (AT 4.3) sind in jedem Kreditinstitut entsprechend Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten sowohl Regelungen zur Aufbau- und Ablauforganisation zu treffen als auch Risikosteuerungs- und -Controlling-Prozesse einzurichten. Das IKS „zielt üblicherweise darauf ab, durch Verfahrensregeln und Kontrollen eine richtige Bearbeitung der im Geschäftsbetrieb anfallenden Aufgaben sicherzustellen.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 189

internes Überwachungssystem

Das interne Überwachungssystem als eine der drei Säulen des Risikomanagementsystems (s. Stichwort) umfasst

  • das interne Kontrollsystem (s. Stichwort) und
  • die interne (Konzern-) Revision (s. Stichwort).

Während das interne Kontroll-system in allen risikointensiven Geschäftsbereichen, vor allem aber im Rechnungswesen, organisatorische Maßnahmen und Kontrollen umfasst, geht die interne (Konzern-) Revision der Frage nach, ob und inwieweit das investierte Vermögen unter Berücksichtigung der Aufbau- und Ablauforganisation zweckmäßig, wirtschaftlich und ordnungsgemäß eingesetzt wird.“

Quelle: Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 87f.

J

Jahresabschlusspolitik

„Der handelsrechtliche Jahresabschluss eines Kreditinstituts ist aufgrund der quantitativen Erfassung bilanzierungsfähiger Tatbestände und Vorgänge ein bedeutendes Informationsinstrument. Es muss hierbei allerdings berücksichtigt werden, dass vor allem die in einem zu publizierenden Abschluss enthaltenen Unternehmensdaten stets Objekte der Jahresabschlusspolitik sind.
Wesentlicher Zweck jahresabschlusspolitischer Maßnahmen ist die gezielte Beeinflussung des Verhaltens der Informationsempfänger durch das Gestalten von Unternehmensdaten im Rahmen der geltenden Bilanzierungsnormen und -konventionen. Die jeweiligen Gestaltungsziele der Jahresabschlusspolitik orientieren sich dabei an den Hauptfunktionen des Jahresabschlusses nach HGB, nämlich der Zahlungsbemessungs- und der Informationsfunktion. Auf diese Weise entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen dem Bilanzierenden und den Informationsempfängern, die sich einen möglichst objektiven Informationsrahmen wünschen.“

Quelle: Waschbusch, G./Karmann, O. (Der Jahresabschluss nach HGB als Informationsinstrument für den Bankaufsichtsrat), S. 672

K

Kapitalhebel

Verhältnis-Kennzahl (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht dem Quotienten aus der Bilanzsumme und dem Eigenkapital;
ist der Kehrwert der Eigenkapitalquote (s. Stichwort); wird auch als „equity multiplier“ oder „financial leverage“ bezeichnet und „beschreibt den Hebel zwischen der Reingewinnspanne und der Eigenkapitalrentabilität. Er ist umso höher, je geringer die Eigenkapitalquote ist, und drückt den so genannten Rentabilitäts-Leverage-Effekt aus. Institute mit geringer Eigenkapitalquote können bei positivem Ergebnis eine höhere Eigenkapitalrentabilität erreichen. Ebenso würde aber auch ein negatives Ergebnis entsprechend verstärkt. Der Kapitalhebel zeigt aber ebenso eindrucksvoll den Einfluss der Finanzierungsstruktur.“

Quelle: Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 993

kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaft

„Nach der Legaldefinition des § 264d HGB ist eine Kapitalgesellschaft kapitalmarktorientiert, wenn sie

  • einen organisierten Markt im Sinne des § 2 Abs. 5 WpHG durch von ihr ausgegebene Wertpapiere im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 WpHG – im wesentlichen Aktien und Schuldtitel – in Anspruch nimmt oder
  • die Zulassung solcher Wertpapiere zum Handel an einem organisierten Markt beantragt hat.

Kapitalgesellschaften sind die AG, GmbH, KGaA und die SE.“

Quelle: Kersting, M.O. (Der Finanzexperte im Aufsichtsorgan – Ausgestaltung des rechtlichen Rahmens bei kapitalmarktorientierten Kreditinstituten), S. 170

Kassamarkt

„Bei der Entwicklung der Geld- und Kapitalmärkte standen zunächst die Kassamärkte im Vordergrund. Der Kassamarkt umfasst all jene Finanzgeschäfte, bei denen Vertragsabschluss und Vertragserfüllung quasi gleichtägig erfolgen. Schon bald entwickelte sich daraus der Terminmarkt. Der Terminmarkt umfasst alle Finanzgeschäfte, bei denen der Vertrag heute abgeschlossen, aber erst in der Zukunft erfüllt wird. … Die Begriffe Termingeschäft und Derivate werden meist synonym verwendet.“
Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1169

Kennzahl

„Kennzahlen sind hochverdichtete Maßgrößen, die einen zahlenmäßig erfassbaren Sachverhalt aus dem wirtschaftlichen Prozess eines Unternehmens auf eine einzige Zahl verdichten. … Es können verschiedene Arten von Kennzahlen unterschieden werden, die sich insbesondere durch ihre mathematische Herleitung unterscheiden:

  • Bei Absolutzahlen werden die Kennzahlen direkt einem Zahlenwerk, z.B. dem Jahresabschluss entnommen oder durch Summen-, Differenz- oder Durchschnittsbildung gewonnen. Beispiele hierfür sind Bilanzsumme, Gewinn, operatives Ergebnis, Cashflow und ähnliche.
  • Verhältniszahlen entstehen, indem zwei Zahlen zueinander in Relation gesetzt werden, d.h. sie werden als Quotient dargestellt. Dies erleichtert die Vergleichbarkeit, da Zeitreihen- bzw. Betriebsvergleiche einfach darstellbar sind.

...Da die Betrachtung einzelner Kennzahlen, die so genannte statische Analyse, in der Regel keine aussagekräftigen Rückschlüsse zulässt, sollte eine vergleichende Analyse angewendet werden. Hierbei sind für ein einzelnes Unternehmen insbesondere der Zeitvergleich sowie der Soll-Ist-Vergleich von Bedeutung. Des Weiteren kann auch ein zwischenbetrieblicher Vergleich sinnvoll sein, sofern entsprechende Daten vorliegen. Selbstverständlich können die genannten Vergleiche auch miteinander kombiniert werden.“ Man unterscheidet im Wesentlichen

  • Kennzahlen zur Finanz und Ertragslage,
  • Risiko-Kennzahlen und
  • Kennzahlen des Aufsichtsrechts.

Quelle: Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 984f.

Kennzahlensystem

„Da einzelne Kennzahlen (s. Stichwort) keine angemessene Beurteilung der Gesamtsituation erlauben, werden in der Praxis oft Kennzahlensysteme, d.h. geordnete Zusammenstellungen einzelner Kennzahlen, verwendet. Hierbei kommen zum einen

  • Rechensysteme, bei denen die einzelnen Kennzahlen mathematisch verknüpft sind, und zum anderen
  • Ordnungssysteme, bei denen die einzelnen Zahlen nicht rechentechnisch, sondern sachlogisch verknüpft sind,
  • zum Einsatz. Ein wesentlicher Vorteil von Rechensystemen liegt darin, dass Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen den einzelnen Kennzahlen nachvollzogen werden können. Ein solches Rechensystem ist auch das auf Banken angepasste ROI-Kennzahlensystem“ (s. Stichwort).

Quelle: Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985.

Kernkapital

s. Stichwort haftendes Eigenkapital

Klassifizierungsverfahren

Die Sicherungseinrichtung des BVR (s. Stichwort) hat ein einheitliches, verbundweit gültiges und objektives Verfahren zur Abbildung des Risikos einer Mitgliedsbank für die Solidargemeinschaft eingeführt, das sog. Klassifizierungsverfahren. Es soll die „Früherkennung von Fehlentwicklungen bei den genossenschaftlichen Banken maßgeblich unterstützen und auch für die Festsetzung bonitätsorientierter Beiträge zum Garantiefonds herangezogen werden. ...Das Klassifizierungsverfahren der BVR-SE

  • ermöglicht eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme der Mittel des Garantiefonds auf Basis quantitativer Größen der geprüften Jahresabschlüsse aller Mitgliedsbanken mittels eines einheitlichen, verbundweit gültigen und mathematisch-statistisch ausbalancierten Verfahrens nach transparenten Regeln für alle SE-Mitgliedsbanken,
  • verhindert subjektive Einflussnahme und stellt dadurch ein Höchstmaß an Gleichbehandlung sicher,
  • liefert Wahrscheinlichkeitsaussagen mit hoher Trennschärfe (extern bestätigt), ist ein wesentliches – aber nicht alleiniges – Einstiegskriterium für das Präventionsmanagement, stellt einen maßgeblichen Baustein für die Erfüllung der Anforderungen des § 10c Abs. 2 KWG (Nullanrechnung gruppeninterner Forderungen) dar, bildet die methodische Grundlage für risikoorientierte Beitragszahlungen.“

Quelle: Benna, R./Fischer, R. (Das institutsbezogene Sicherungssystem des genossenschaftlichen Bankensektors), S. 836

Kollektivrisiko

Kollektivrisiken betreffen das Bauspargeschäft und stellen „mögliche Abweichungen vom erwarteten Ergebnis …(dar), die aufgrund der nicht marktzinsabhängigen Veränderung des Kundenverhaltens bezüglich der Ausübung von Optionsrechten aus den Bausparverträgen entstehen. Solche Abweichungen können beispielsweise vermehrte Kündigungen oder eine Zunahme der Darlehensverzichte sein. Darüber hinaus können hinsichtlich der Kollektivrisiken Risikokonzentrationen dahingehend entstehen, dass eine spezifische Veränderung von Risikofaktoren die Cashflows des Bausparkollektivs so stark beeinflusst, dass es zu einem hohen Barwertverlust kommt.“

Quelle: Lechner, M. (Besondere Themenstellungen von Aufsichts- und Verwaltungsräten in Bausparkassen), S. 294, 308

Kollektivsimulation

Bausparkassen (s. Stichwort) führen im Rahmen der Gesamtbanksteuerung, bei Tarifneueinführungen und zum Zweck des externen Reporting Kollektivsimulationen durch. Mit ihnen soll „die langfristige Tragfähigkeit der Tarife unter Beweis gestellt (werden).Die BaFin hat die Methode, wie sie Tarife beurteilt, in den letzten Jahren immer weiter verfeinert und geht schon länger nicht mehr nur anhand einzelner bauspartechnischer Kennzahlen vor. Vielmehr … muss der Nachweis erbracht werden, dass ausreichend Liquidität und eine angemessene Zinsspanne vorhanden sind. … Für Kollektivsimulationen setzen die Bausparkassen unterschiedliche bauspartechnische Simulationsmodelle ein.“

Quelle: Lechner, M. (Besondere Themenstellungen von Aufsichts- und Verwaltungsräten in Bausparkassen), S. 294, 306

Kommunikations-Audit

Der Aufsichts- oder Verwaltungsrat einer Bank oder Sparkasse „sollte sich damit auseinandersetzen, welche Chancen, aber auch Risiken die Social-Media-Strategie … birgt – diese Fragen gehören auf die Tagesordnung: Sind

  • Geschäftsmodelle und Geschäftsgebaren,
  • Produkte,
  • Wertschöpfungskette und Leistungsversprechen oder eben auch
  • die Mandatsträger oder Vorstände selbst

für Kritiker, Wettbewerber und Gegner kampagnenfähig? …
Zur „allgemeinen“ und im Aufsichtsrecht vorgeschriebenen Risikoinventur (s. Stichwort, Anm. d. Verf.) zählt mehr denn je auch ein Kommunikations-Audit. Nicht nur Kreditinstituten kleinerer oder mittlerer Größe – ohne eigenständige Presseabteilung – würden

  • Schwachstellen offenbart,
  • Prozessbrüche in der Kommunikationsplanung- und -abstimmung offengelegt,
  • Chancen, Risiken, Alternativen aktiver und reaktiver Maßnahmen aufgezeigt,
  • für die Zukunft externe Betreuung gesichert, die mit den Belangen des Bankhauses oder der Sparkasse vertraut ist.

Tritt tatsächlich der „Ernstfall“ ein, sollte der Aufsichts- oder Verwaltungsrat zügig sprach- und handlungsfähig sein. Im Interesse der Gesellschaft, die er berät und kontrolliert. Aber auch im eigenen Interesse – es leidet nicht nur die Reputation der Bank oder Sparkasse.“

Quelle: Schulz, T. (Kommunikation als Herausforderung für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 503f.

Kommunikationsausschuss

Der Ausschuss eines Aufsichts- oder Verwaltungsrates einer Bank oder Sparkasse, der „die internen Kommunikationsspielregeln des Gremiums zu entwickeln und deren Einhaltung einzufordern (hat). Der Aufsichts- oder Verwaltungsrat, der seiner Verantwortung gerecht werden will, lässt sich demnach nicht nur die nackten Zahlen, Daten und Fakten präsentieren. Er fragt nach, wie Maßnahmen und Beschlüsse „an die Frau oder an den Mann“ gebracht werden sollen. ...
Hierzu bedarf es vorab Spielregeln, Absprachen und Regelungen in welchem Umfang und mit welchen Mitteln der Aufsichts- und Verwaltungsrat seine Kommunikationspflichten und –rechte wahrnehmen will. Diese könnten in einem im deutschsprachigen Raum bis heute weitgehend unbekannten „Kommunikationsausschuss des Aufsichts-und Verwaltungsrates“ entwickelt werden.
Dieser Ausschuss berät auch Medienanfragen und autorisiert seine Sprecherin oder seinen Sprecher. Mit einem schlüssigen, plausibilisierten Kommunikationskonzept des Aufsichts- oder Verwaltungsrates einer Bank oder Sparkasse soll verhindert werden, inhaltlich wie organisatorisch in die Defensive zu geraten. Die Unterhaltungs- und Sensationsmechanismen sollten offen thematisiert werden.“

Quelle: Schulz, T. (Kommunikation als Herausforderung für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 494, 500

Konditionsbeitrag

s. Stichwort Marktzinsmethode

Konfidenzniveau

Der Value at Risk (s. Stichwort) misst einen geschätzten maximalen Verlust in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit; letztere wird durch das Konfidenzniveau vorgegeben: „Das Konfidenzniveau gibt den Prozentwert an, mit dem der ermittelte Verlust nicht überschritten wird. Hier werden Werte von beispielsweise 95%, 99% oder 99,9% verwendet. Ein Prozentwert von beispielsweise 99% kann so interpretiert werden, dass der über den Value at Risk berechnete Verlust an einem von 100 Handelstagen überschritten wird.“
Die Höhe des Konfidenzniveaus bestimmt sich „in Abhängigkeit von der individuellen Risikoneigung und kann auch als Sicherungsgrad angesehen werden. Der Sicherungsgrad bringt zum Ausdruck, mit welcher Wahrscheinlichkeit die tatsächlich realisierten Verluste im Value at Risk den quantifizierten erwarteten Verlust nicht übersteigen. Die Höhe des Konfidenzniveaus wird daher durch die Bereitschaft des Instituts, seine Solvenz zu gefährden, beeinflusst, sodass das Konfidenzniveau auch als Überlebenswahrscheinlichkeit des Instituts interpretiert werden kann.“

Quelle: Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 994, sowie Knippschild, M./Hromadka, J. /Geidt-Karrenbauer, U. (Die Bedeutung von Ratinginformationen und Portfolioanalysen zur Quantifizierung von Kreditrisiken), S. 1054

Kreditinstitut

Ein Kreditinstitut ist ein Unternehmen, das Bankgeschäfte gewerbsmäßig oder in einem Umfang betreibt, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 1 Abs. 1 KWG). Bankgeschäfte werden in § 1 Abs. 1 Nr. 1–12 KWG. definiert:

  • Einlagengeschäft,
  • Pfandbriefgeschäft,
  • Kreditgeschäft,
  • Diskontgeschäft,
  • Finanzkommissionsgeschäft,
  • Depotgeschäft,
  • Revolvinggeschäft,
  • Garantiegeschäft,
  • Scheck- und Wechseleinzugsgeschäft, Reisescheckgeschäft,
  • Emissionsgeschäft,
  • die Tätigkeit als zentraler Finanzmarktkontrahent.

Das Finanzdienstleistungsinstituts gemäß § 1 Abs. 1a KWG umfasst das Betreiben des Anlagegeschäfts und von multilateralen Handelssystemen.
Quelle: Vgl. Langenbucher, K., (Aufsichtsratsmitglieder in Kreditinstituten: Rechte, Pflichten und Haftungsregeln), S. 4f.

Kreditrisiko

„Als Kreditrisiko wird die Gefahr von Verlusten aufgrund des Ausfalls oder der Bonitätsverschlechterung einer Gegenpartei bezeichnet.

  • Wird das Risiko des Ausfalls betrachtet, spricht man vom Ausfallrisiko,
  • wohingegen die Gefahr der Bonitätsverschlechterung, die im Extremfall den Ausfall der Gegenpartei beinhaltet, im Bonitätsrisiko zum Ausdruck kommt.


Es kann zwischen den klassischen Adressrisiken aus Kreditgeschäften, den Emittentenrisiken im Rahmen bspw. von Wertpapiergeschäften und Kreditderivaten, den aus Handelsgeschäften resultierenden Kontrahentenrisiken sowie Länderrisiken unterschieden werden.
Neben der Differenzierung in Ausfall- und Bonitätsrisiko spielt für das Kreditrisiko die Unterscheidung von erwartetem und unerwartetem Verlust eine entscheidende Rolle.

  • Der erwartete Verlust stellt den zum Ausfallzeitpunkt aufgrund von Bonitätsinformationen über den Schuldner ermittelten durchschnittlichen Verlust, der bereits in Form der Standardrisikokosten (s. Stichwort, d. Verf.) in den Kreditkonditionen berücksichtigt wird, dar.
  • Demgegenüber handelt es sich beim unerwarteten Verlust um über den erwarteten Verlust hinausgehende Verluste, die außerordentliche Aufwendungen darstellen und durch Eigenkapital abgedeckt werden müssen.

Der unerwartete Verlust wird auch als das Kreditrisiko im engeren Sinne bezeichnet und ist aus ökonomischer Perspektive das eigentlich zu unterlegende Risiko. Demgegenüber müssen für erwartete Verluste keine Risikodeckungsmassen vorgehalten werden, da sie bereits durch die Berücksichtigung in den Kreditkonditionen dem Institut zugeflossen sind.

Die Höhe des erwarteten Verlustes, der üblicherweise für jedes Einzelgeschäft bestimmt wird, wird insbesondere durch das Kreditvolumen, vorhandene Sicherheiten sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kunden beeinflusst. Die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kunden ist das Ergebnis einer zuvor durchgeführten Bonitätsanalyse. Die Bonitätsanalyse erfolgt auf Basis von Ratingsystemen, die jedem Kreditnehmer eine bestimmte Ratingstufe zuweisen, wobei mit jeder Ratingstufe eine bestimmte Ausfallwahrscheinlichkeit verbunden ist.

Der unerwartete Verlust wird auf Portfolioebene bestimmt. Die Quantifizierung des unerwarteten Verlustes erfolgt üblicherweise auf Basis der Kennzahl Value at Risk.“ (s. Stichwort)

Quelle: Knippschild, M./Hromadka, J. /Geidt-Karrenbauer, U. (Die Bedeutung von Ratinginformationen und Portfolioanalysen zur Quantifizierung von Kreditrisiken), S. 1049f

Kreditrisikobericht

Über das Adressenausfallrisiko wird im Kreditrisikobericht an den Aufsichtsrat berichtet, wobei sich folgende Schwerpunktthemen herausgebildet haben:

  • Gesamtüberblick (z.B. Kreditgeschäft insgesamt, nach Risikovolumen (Zusagen) und Blankoanteilen, nach der individuellen Risikoklassifizierung der Bank),
  • Risikolage (u.a. zehn größte Engagements mit Einzelwertberichtigungsbedarf bzw. Problemkredite)
  • Sonstige bemerkenswerte Kredite (u.a. die zehn größten Überziehungen),
  • Erwähnenswerte Kreditentscheidungen (u.a. Abweichungen von der Kreditstrategie, Gegenvoten im Vorstand)
  • Neugeschäftsentwicklung,
  • Limitauslastungen, Stresstests und deren Auswirkung auf die Risikotragfähigkeit.

Quelle: Vgl. Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 134, und vgl. auch Knippschild, M./Hromadka, J. /Geidt-Karrenbauer, U. (Die Bedeutung von Ratinginformationen und Portfolioanalysen zur Quantifizierung von Kreditrisiken), S. 1064f.

Kundenorientierung

s. Stichwort Marktorientierung

L

Lagebericht

„Der Jahresabschluss einschließlich des Anhangs ermöglicht den Adressaten nur begrenzt, die tatsächliche Lage des Unternehmens zu erkennen. Daher soll im Lagebericht der Geschäftsverlauf und die Lage des Unternehmens so dargestellt sein, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Lage vermittelt wird. Hierbei ist auch auf die künftige Entwicklung des Unternehmens und die daraus resultierenden Chancen und Risiken einzugehen. Die Adressaten sollen durch den Lagebericht zudem die Möglichkeit erhalten, mittels der prognostischen Informationen die künftige Entwicklung des Instituts beurteilen zu können.“

„Leasinggeschäfte zeichnen sich … dadurch aus, dass der Leasinggeber eine Sache oder Sachgesamtheit dem Leasingnehmer zur zeitlich begrenzten Nutzung gegen Entgelt überlässt. Leasing leitet sich aus den unterschiedlichsten Nutzungsformen ab, sodass man nicht von einem einheitlichen Leasingbegriff sprechen kann. Die Begriffsdefinitionen des Leasinggeschäftes orientieren sich an den Erscheinungsformen des Leasings und lassen sich nach Funktion des Leasings, nach Art des Leasingobjektes und nach den Vertragsparteien differenzieren:“

  • Finanzierungs- und Operatingleasing; Voll- und Teilamortisationsleasing; Sale-and-Lease-Back-Modelle,
  • Mobilien- und Immobilienleasing,
  • Hersteller- / Händlerleasing, Vendorleasing, freie Leasingesellschaften.

Quelle: Wittberg, V./Fölkersamb, R.von/Reuber, U. (Besondere Themenstellungen für den Aufsichtsrat bei Leasing- und Factoringgesellschaften), S. 273

Leverage Ratio

Mit der Umsetzung der neuen Regulierungspakets Basel III soll auch eine Leverage Ratio eingeführt werden. Zu ihrer Berechnung wird „das bankaufsichtliche Eigenkapital (voraussichtlich Kernkapital) in Relation zur Gesamtposition nach Bilanzierungsregeln (also Position nach Wertberichtigungen und Risikovorsorgebeträgen, aber ohne Berücksichtigung von Sicherheiten) gesetzt und die Einhaltung einer vorgegebenen Quote (zurzeit ist eine Quote von 3% vorgesehen) gefordert.“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte: Normen und ihre Interpretation durch den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 607f., vgl. auch Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 998f.

Liquiditätsrisiko

„In der wissenschaftlichen Betrachtung des Liquiditätsrisikos wird üblicherweise zwischen drei Risikodimensionen unterschieden:

  • Das Risiko, nicht allen Zahlungsverpflichtungen in voller Höhe oder termingerecht nachkommen zu können, wird als Zahlungsunfähigkeitsrisiko bezeichnet. Es beinhaltet die Gefahr, dass Kreditzusagen unerwartet in Anspruch genommen oder Einlagen unerwartet abgezogen werden (Abrufrisiko). Darüber hinaus entstehen Zahlungsunfähigkeitsrisiken, wenn sich die Kapitalbindung für Aktivgeschäfte unplanmäßig verlängert (Terminrisiko). Es stellt ein Existenzrisiko dar und beschreibt den Insolvenzfall des Finanzinstituts. Ursache sind unter anderem Laufzeitinkongruenzen zwischen den Aktivgeschäften und entsprechenden Refinanzierungsgeschäften,also eine Verletzung der „goldenen Bankregel“.
  • Das Marktliquiditätsrisiko kennzeichnet das Wertrisiko bei einer Veräußerung der vorhanden Assets/Eigenanlagen. Es beschreibt die Gefahr, dass in normalen Marktphasen liquidierbare Aktiva entweder nicht mehr oder nur mit erhöhten Wertabschlägen veräußert werden können. Ein sich anbahnender Liquiditätsengpass kann üblicherweise durch den Verkauf von Wertpapieren – also durch die Reduzierung des vorgehaltenen Liquiditätspuffers – aufgefangen werden. Ist der Sekundärmarkt jedoch vollständig illiquide oder müssen die vorgehaltenen Wertpapiere deutlich unter Marktwert verkauft werden, besteht die Gefahr, dass der in funktionierenden Märkten ausreichende Liquiditätspuffer in Stresszeiten nicht mehr ausreicht. Dieses Risiko kann in Kombination mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auftreten und wirkt dann verstärkend.
  • Als weitere Risikodimension wird mit dem Refinanzierungsrisiko die Gefahr bezeichnet, dass sich die barwertigen oder periodischen Refinanzierungskosten der Bank erhöhen. Dies kann z.B. durch eine allgemeine Liquiditätsspreadausweitung am Markt oder eine individuelle Bonitätsverschlechterung der Bank hervorgerufen werden. Dieses Wertrisiko schlägt sich dann unmittelbar im Zinsergebnis sowie in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder.“

Quelle: Menninghaus, W./Schuppert, J. (Refinanzierung und Liquidität – Zielgrößen, Steuerungsansätze und Instrumente im Rahmen des Treasury-Managements), S. 1102f.

Liquidity Coverage Ratio (LCR)

Die Neuregelungen nach Basel III (s. Stichwort) bringen Änderungen zu Eigenkapitalbasis und Verschuldungsgrad von Banken und Sparkassen, aber auch neue Liquiditätsvorschriften. Mit der Liquidity Coverage Ratio (LCR) werden „die hochliquiden Aktiva in das Verhältnis zu der Differenz aus Liquiditätszu- und -abflüssen (gestellt), welche innerhalb der ersten 30 Tage ab Betrachtungszeitpunkt anfallen.
Um die aufsichtliche Mindestquote von 100% zu erreichen, müssen die hochliquiden Aktiva eine Lücke zwischen Zu- und Abflüssen schließen können. Die einzelnen Anrechnungsfaktoren, mit denen die einzubeziehenden Volumina und Zahlungsströme in der LCRKennziffer bewertet werden, stellen dabei auf ein Stressszenario ab.“

Quelle: Menninghaus, W./Schuppert, J. (Refinanzierung und Liquidität – Zielgrößen, Steuerungsansätze und Instrumente im Rahmen des Treasury-Managements), S. 1113

Loss Given Default (LGD)

s. Stichwort Standardrisikokosten

M

Managementletter

Neben dem Prüfungsbericht der externen Revision ist auch der Managementletter eine Quelle für „Hinweise und Empfehlungen der externen Revision…, die am Ende der Prüfung an den Vorstand übergeben werden. Der Managementletter beinhaltet kleinere Mängel oder Fehler, die aufgrund ihrer Gewichtung nicht im Prüfungsbericht aufgeführt werden. Auch bei den Empfehlungen sollte eine Berichterstattung über den Fortgang an den Aufsichtsrat erfolgen“

Quelle: Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 134

Marketing

„Häufig wird Marketing in vielen (Kredit-)Instituten verkürzt mit „Werbung“ gleichgesetzt. Erfolgreiche Unternehmen haben jedoch die weitreichende strategische Bedeutung des Marketing erkannt. Marketing als „Denken vom Markte her“ hat die Aufgabe, die Bedürfnisse der Nachfrager zu ermitteln und Marktveränderungen rechtzeitig zu erkennen und die konsequente Ausrichtung des gesamten Unternehmens an den Bedürfnissen des Marktes sicherzustellen. Aufgrund der Dynamik der Marktentwicklung sowie der erhöhten Sättigung und Fragmentierung des Finanz- und Kreditmarktes kommt der Funktion des Marketing bei Kreditinstituten eine besondere Bedeutung zu.
Marketing stellt die Philosophie einer marktorientierten Unternehmensführung dar. Im Mittelpunkt stehen die Erfordernisse des Marktes bzw. des Kunden und nicht der Verkauf vorhandener Produkte. Für die Kreditinstitute bedeutet dies,

  • die spezifischen Markt- und Kundenbedürfnisse zu analysieren,
  • die Strategie (s. Stichwort) dahingehend auszurichten und
  • die Entwicklung des Unternehmens entsprechend danach zu prüfen bzw. weiterzuentwickeln.“

Quelle: Bruhn, M. (Strategische Marketingentscheidungen eines Kreditinstituts: Produkt, Preis, Vertrieb, Kommunikation, Personal), S. 901

Marketinginstrumentestrategie (Marketingmix)

Die Entwicklung von Strategien für die Marktbearbeitung durch eine Bank oder Sparkasse kann auf einen Katalog von Strategieoptionen zurückgreifen, der sich hierarchisch in Optionen

  • zur Geschäftsfeldstrategie(s. Stichwort),
  • zur Marktteilnehmerstrategie (s. Stichwort) und
  • zur Marketinginstrumentestrategie.

gliedert.

Das dritte „Element der Strategiesystematik bildet die Festlegung von Marketinginstrumentestrategien. Mit dem Marketingmix steht Kreditinstituten ein umfangreiches Instrumentarium zur Verfügung, die strategische, marktorientierte Ausrichtung des Unternehmens zu gestalten, … die einzelnen Marketingmixbereiche Produkt-, Preis-, Vertriebs-, Kommunikations- und Personalmanagement:

  • Das Ziel der Produkt- bzw. Leistungspolitik ist es, mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ein optimales Leistungsprogramm zusammenzustellen. Darunter wird einerseits die Gestaltung von Leistungen sowie die Variation und Innovation diverser Produkte verstanden, andererseits wird auch die Produktelimination dazu gezählt. ...
  • Die Preispolitik umfasst alle Entscheidungen bezüglich der Festlegung von Preisen der neuen und im Angebot befindlichen Bankleistungen. ...
  • Die Vertriebspolitik beschäftigt sich mit sämtlichen Entscheidungen, die sich auf die direkte und/oder indirekte Versorgung der Kunden mit den Unternehmensleistungen beziehen. ...
  • Im Bereich der Finanzdienstleistungen spielt die Kommunikationspolitik eine besondere Rolle. Generell ist unter Kommunikation die Übermittlung von Informationen und Bedeutungsinhalten zum Zweck der Steuerung von Meinungen, Einstellungen, Erwartungen und Verhaltensweisen bestimmter Adressaten zu verstehen. Primäres Ziel der Kommunikationspolitik ist es also, eine positive Einstellung des Kunden zum Unternehmen herzustellen und ein positives Verhalten zu generieren. ...
  • Im Rahmen des Dienstleistungsmarketing kommt dem Personal und somit personalpolitischen Strategieoptionen eine besondere Bedeutung zu. Das Leistungspotential und die Qualität der erbrachten Leistungen hängen in besonderem Maße von den Mitarbeitenden und deren Fähigkeiten ab. … Die Aufgabe der Personalpolitik ist es …, für jede Position die geeigneten Mitarbeiter zu finden.“

Quelle: Bruhn, M. (Strategische Marketingentscheidungen eines Kreditinstituts: Produkt, Preis, Vertrieb, Kommunikation, Personal), S. 903ff.

Marktliquiditätsrisiko

s. Stichwort Liquiditätsrisiko

marktorientierte Unternehmensführung

s. Stichwort Marketing

Marktorientierung

„Die Marktorientierung ist umfassender als die Kundenorientierung und beinhaltet nicht nur die Ausrichtung des Unternehmens auf die aktuellen Kunden, sondern auf sämtliche Marktteilnehmer, die mit dem Unternehmen in direktem oder indirektem Kontakt stehen. Die Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden ist somit nur ein Teilbereich der Marktorientierung, die gleichermaßen auf die Berücksichtigung der Konkurrenz sowie der Ansprüche der Absatzmittler, Mitarbeitenden, Anteilseigner oder Fremdkapitalgeber gerichtet ist.
Primäres Ziel der Marktorientierung ist es, dauerhafte Wettbewerbsvorteile aufzubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern.
Hingegen ist der Begriff Kundenorientierung durch eine dyadische Beziehung – Kunde und Unternehmen – gekennzeichnet. Primäres Ziel der Kundenorientierung ist die Erfüllung des individuellen Kundenwunsches bzw. der Erwartungen der Kunden, um profitable Kundenbeziehungen zu identifizieren und deren Aufrechterhaltung sicherzustellen. Dieses Ziel kann nur durch eine Orientierung an den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Kunden realisiert werden.“

Quelle: Bruhn, M. (Strategische Marketingentscheidungen eines Kreditinstituts: Produkt, Preis, Vertrieb, Kommunikation, Personal), S. 911f.

Marktpreisrisikobericht

Der Bericht zu den Marktpreisrisiken (s. Stichwort) erstreckt sich beispielhaft auf folgende Inhalte:

  • Überblick über die eingegangenen Marktpreisrisiken (z.B. Zinsänderungsrisiken, Bewertungsänderungen bei den Wertpapieren, Fonds-, Aktienkursrisiko),
  • Risiko- und Ergebnisentwicklung der mit Marktpreisrisiken behafteten Positionen,
  • bedeutende Limitüberschreitungen,
  • Änderungen wesentlicher Annahmen oder Parameter, die den Verfahren zur Beurteilung der Marktpreisrisiken zu Grunde liegen und deren Auswirkungen und
  • Durchführung von sog. Stresstests und deren Auswirkungen auf die Risikotragfähigkeit der Bank.“

Quelle: Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 142

Marktstrategie

In der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts sind „die Ziele des Instituts für jede wesentliche Geschäftsaktivität sowie die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele“(BaFin, MaRisk v. 14.12.2012, RS 10/2012 (BA), AT 4.2 Tz.1 Satz 1) niederzulegen; mit dem Begriff der Marktstrategie kann die „Geschäftsstrategie im engeren Sinne“ bezeichnet werden: Sie gibt Antwort auf Fragen wie z.B. „in welchen zugelassenen Bankgeschäften … das jeweilige Institut aktiv werden, ggf. das bestehende Engagement ausbauen oder sich gar nicht bzw. nur unwesentlich engagieren möchte (heißt: welche zugelassenen Bankgeschäfte sind nicht wesentlich und werden nicht priorisiert). Dies geht einher mit der Frage, in welchen Kundensegmenten, regionalen Märkten etc. die Bank oder Sparkasse tätig sein will.

In Abhängigkeit „vom Umfang und (der) Komplexität sowie dem Risikogehalt der geplanten Geschäftsaktivitäten“ fordern die MaRisk dann eine weitere Detaillierung dieser Marktstrategie; es sind sog. „Teilstrategien“ zur Marktstrategie zu entwickeln.“
„Unabhängig davon, ob ein Kreditinstitut sein gesamtes Geschäft in einer Marktstrategie oder in mehreren Teilmarktstrategien plant, kann eine tiefere Untergliederung sinnvoll sein, z.B. in eine

  • Vertriebsstrategie,
  • Marketingstrategie,
  • Produktstrategie,
  • Kostensenkungsstrategie,
  • IT-Strategie und
  • Outsourcing-Strategie.“

Quelle: Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 878 und S. 884

Marktteilnehmerstrategie

Die Entwicklung von Strategien für die Marktbearbeitung durch eine Bank oder Sparkasse kann auf einen Katalog von Strategieoptionen zurückgreifen, der sich hierarchisch in Optionen

  • zur Geschäftsfeldstrategie(s. Stichwort),
  • zur Marktteilnehmerstrategie und
  • zur Marketinginstrumentestrategie (s. Stichwort)

gliedert.

Im Rahmend der auf den Geschäftsfeldstrategien (s. Stichwort) „aufbauenden Marktteilnehmerstrategien sind … für jedes Geschäftsfeld weitere Überlegungen anzustellen. Zunächst werden marktbearbeitungsspezifische Optionen (Art der Differenzierung der Kundenansprache; undifferenziert vs. Segment of One) und Kundenstrategien (Kundenakquisition, -bindung und -rückgewinnung) festgelegt. Darüber hinaus werden marktteilnehmerbezogene Verhaltensstrategien formuliert. Zu den Marktteilnehmern werden in diesem Zusammenhang die Abnehmer, die Wettbewerber sowie ggf. die Absatzmittler bzw. Vertriebspartner gezählt.“

Quelle: Bruhn, M. (Strategische Marketingentscheidungen eines Kreditinstituts: Produkt, Preis, Vertrieb, Kommunikation, Personal), S. 903

Marktüblichkeit

„Für die Beurteilung der Angemessenheit der Vorstandsvergütung haben die Feststellungen zu ihrer Marktüblichkeit (s. Stichwort horizontaler Marktvergleich) nur eine Art indiziellen Charakter. Weder ist eine marktübliche Vergütung angemessen, noch führt eine fehlende Marktüblichkeit automatisch zur Unangemessenheit. Die Beurteilung der Angemessenheit durch den Aufsichtsrat verlangt vielmehr

  • eine Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalles, insbesondere
  • der Aufgaben und der Leistungen des Vorstandes,
  • der Lage des Instituts und schließlich
  • seiner Qualifikation, Kenntnisse und Erfahrungen, was ggf. auch
  • Führungsstärke, Teamfähigkeit oder Fähigkeit, mit der Öffentlichkeit umzugehen,

einschließen kann.“

Quelle: Doetsch, P.A. (Vergütungsmodelle für Vorstände und Aufsichtsräte rechtskonform und praxistauglich gestalten), S. 448

Marktzinsmethode

Die Marktzinsmethode ist das zentrale Controlling-Instrument zur Kalkulation des Zinsgeschäftes einer Bank oder Sparkasse.
„Die Wurzeln der Marktzinsmethode finden sich im Konzept der pretialen Lenkung von Eugen Schmalenbach wieder, welches im Kern die Möglichkeit dezentraler Entscheidungskompetenzen bei gleichzeitiger Koordination im Sinne der Gesamtbankzielsetzung fordert...."

Im Grundmodell der Marktzinsmethode wird „als Erfolgsquelle … zunächst der Strukturbeitrag als Transformationskomponente des Zinsüberschusses dargestellt. Grundsätzlich gilt, dass Banken die aus unterschiedlichen Zinsbindungsfristen resultierenden Zinsdifferenzen rentabilitätswirksam nutzen können, indem sich ihr Fristenprofil beispielsweise derart gestaltet, dass sie bei normaler Zinsstruktur Geld kurzfristig aufnehmen und längerfristig wieder anlegen. Zu bedenken ist nun allerdings, dass in einer bestimmten Zinsphase, statisch gesehen, zwar ein realer Erfolg verbucht werden kann, eine Bank bei dynamischer Betrachtung mit solchen Fristentransformationsentscheidungen jedoch ein erhebliches Zinsänderungsrisiko eingeht. Letzteres liegt darin begründet, dass die Laufzeitprämien für längerfristige Geldanlagen sich bei steigendem Zinsniveau reduzieren und in Hochzinsphasen bei einer völligen Umkehrung der Zinsstruktur sogar negativ werden können.

Das Betreiben von Fristentransformation kann völlig losgelöst vom Kundengeschäft geschehen. Im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit wird eine Bank nämlich auch Mittel als Kundenkredite vergeben bzw. als Kundeneinlagen hereinnehmen. Mit dem Kunden wird für gleiche Laufzeiten i.d.R. ein Satz in anderer Höhe als der Satz am Geld- und Kapitalmarkt (GKM) vereinbart. Je vorteilhafter sich die Konditionen im Kundengeschäft dabei gegenüber den Sätzen am GKM abheben, desto höher ist der Wert dieser Kundengeschäfte für die Bank. Der Konditionsbeitrag, der diesen Sachverhalt ausdrückt, ergibt sich entsprechend aus der Frage: Wie verändert sich das Zinsergebnis, wenn ein bestimmtes Kundengeschäft anstelle eines alternativ möglichen laufzeit- bzw. zinsbindungsäquivalenten (und währungsgleichen) GKM-Engagements getätigt wird?

Der Vorteil des Marktzinsmodells gegenüber traditionellen Kalkulationsmethoden liegt nun in der Möglichkeit einer verursachungsgerechten Ergebnisspaltung. An der Entstehung der Bruttozinsspanne (s. Stichwort) sind drei Bereiche in der Bank beteiligt: Der Marktbereich, der den Kredit ausgegeben hat, der Marktbereich, der die Termineinlage hereingeholt hat, und die Zentraldisposition, die über die Fristentransformation zu entscheiden hat.“

Quelle: Schierenbeck, H./Zaby, S. („Geheimnis Bankkalkulation“ – Die Erfolgsquellen des Bankgeschäftes), S. 1008ff.

MemberValue

Alle Genossenschaften und damit auch die Kreditgenossenschaften „sind verpflichtet für ihre Mitglieder Werte zu schaffen, einen MemberValue, dies ist der Zweck ihrer Aktivitäten. Der MemberValue entspricht dem Wert des gemeinsamen Unternehmens für die Mitglieder und ist ein Eigentümerwert. Dieser Wert fließt den Eigentümern über drei Kanäle zu:

  • als unmittelbarer MemberValue über die Finanzdienstleistungen,
  • als mittelbarer MemberValue über die Verzinsung des zur Verfügung gestellten Eigenkapitals und
  • als nachhaltiger MemberValue als Optionsnutzen, der beinhaltet, dass die Geschäftsbeziehung auch in Zukunft bestehen wird.“

Quelle: Theurl, T. (Aufgaben, Zusammensetzung und besondere Herausforderungen für den Aufsichtsrat einer Kreditgenossenschaft), S. 218; vgl., auch Caspers, F. (Die Geschäftspolitik im Vermittlungsgeschäft aus Sicht des Aufsichtsorgans), S. 951

Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)

Kreditinstitute haben „gemäß § 25a Abs. 1 KWG über geeignete Regelungen zur Steuerung, Kontrolle und Überwachung von Risiken, über eine angemessene Geschäftsorganisation sowie über sachgerechte interne Kontrollverfahren zu verfügen. Diese Generalnorm zielt auf eine verbesserte Risikotransparenz sowie auf eine Schärfung des Risikobewusstseins ab, soll aber auch die Grundlage dafür schaffen, dass die Institute die für sie relevanten gesetzlichen Bestimmungen einhalten, wofür durch die Geschäftsleitung eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation zu schaffen ist.
Da die Generalnorm des § 25a Abs. 1 KWG als bankaufsichtliches Überwachungsinstrument nur sehr bedingt geeignet ist, wurde sie für wesentliche Geschäfts- und Organisationsbereiche der Kreditinstitute durch Mindestanforderungen konkretisiert: Zu beachten bleibt, dass die seit 2005 bestehenden und seitdem mehrfach verschärften Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) keine Rechtsnormen sind, sondern Verwaltungsvorschriften, die zur Vereinheitlichung der Verwaltungspraxis dienen.“

„Die MaRisk sind modular konzipiert und gliedern sich in

  • einen Allgemeinen Teil (Modul AT) und
  • einen Besonderen Teil (Modul BT).

Die Vorbemerkungen und den Anwendungsbereich, nämlich alle Kreditinstitute im Sinne des § 1 KWG, in AT 1 und AT 2 vorausgeschickt, werden im Allgemeinen Teil der MaRisk die Grundprinzipien für die Ausgestaltung des Risikomanagements (s. Stichwort, d. Verf.) sowie die Verantwortung der Geschäftsleitung dafür, einschließlich der Organisations- und Dokumentationspflichten, aufgezeigt.

Der besondere Teil, der sich in BT 1 „Interne Kontrollsysteme“ und BT 2 „Innenrevision“ gliedert, geht insbesondere auf Fragen der Aufbau- und Ablauforganisation ein, d.h. inwieweit interne Kontrollmechanismen das Kredit- und Handelsgeschäft sowie die Risikosteuerungsprozesse über alle Risikoarten überwachen.“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte), S. 611; Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 93

Mitentscheidungsrecht

Mit dem Erlass eines Zustimmungsvorbehaltes (s. Stichwort) kann der Aufsichtsrates, die risikobezogenen Aktivitäten des Vorstandes „präventiv überwachen. … Normiert wird der Zustimmungsvorbehalt in § 111 Abs. 4 Satz 2 AktG. Danach kann der Aufsichtsrat Geschäfte, die von wesentlicher Bedeutung sind, insbesondere wenn sie die strategische Unternehmensplanung tangieren, von seiner Zustimmung abhängig machen und dies in der Satzung oder der Geschäftsordnung verankern lassen. Der Aufsichtsrat kann so die Aufbauarbeit und die Weiterentwicklung des Risikomanagementsystems in eine von ihm favorisierte Bahn lenken.

Sofern ein Zustimmungsvorbehalt in der Geschäftsordnung enthalten ist, wird dem Aufsichtsrat auch ein Mitentscheidungsrecht eingeräumt. Er kann eine Maßnahme ablehnen, wenn er eine andere Maßnahme als zweckmäßiger einstuft. Die Mitsprache reicht aber nicht so weit, dass der Aufsichtsrat dem Vorstand Verbesserungen in Bezug auf die Kontrolle und die Überwachung des Risikomanagementsystems vorschreiben kann. Verstößt der Vorstand allerdings gegen eine gesetzliche wie satzungsmäßige Vorgabe oder handelt er in anderer Weise pflichtwidrig, muss der Aufsichtsrat Widerspruch einlegen und in letzter Konsequenz die Hauptversammlung über die vorgesehene Maßnahme entscheiden lassen (§ 111 Abs. 4 Satz 3 AktG). Zu dieser Lösung dürfte es bei einer vertrauensvollen Risikokommunikation allerdings nur in Ausnahmefällen kommen.“

Quelle: Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 91

Mustergliederung für einen Jahres-Revisionsbericht

  • Management Summary.
  • Organisation, Personalausstattung der Innenrevision, Aus-und Fortbildung.
  • Einhaltung des Prüfungsplanes, zusätzliche Prüfungen, verschobene Prüfungen,
  • Auswirkungen auf zukünftige Prüfungspläne.
  • Prüfungsfeststellungen aus durchgeführten Prüfungen im Berichtsjahr, inkl.
  • verabredeter Maßnahmen und ihre Umsetzung.
  • Prüfungsfeststellungen aus durchgeführten Prüfungen in ausgelagerten Bereichen,
  • inkl. verabredeter Maßnahmen und ihre Umsetzung.
  • Sonderprüfungen, inkl. verabredete Maßnahmen und ihre Umsetzung.
  • Anmerkungen zum IKS.
  • Projektbegleitungen (inkl. Anmerkungen zur Mitarbeit bei der Abschlussprüfung).

Quelle: entnommen aus Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 193

N

Net Stable Funding Ratio (NSFR)

Die Neuregelungen nach Basel III (s. Stichwort) bringen Änderungen zu Eigenkapitalbasis und Verschuldungsgrad von Banken und Sparkassen, aber auch neue Liquiditätsvorschriften. DieNet Stable Funding Ratio (NSFR) „soll als strukturelle Überwachungskennzahl dienen und wird auf einen Risikohorizont von einem Jahr bezogen. Für die Berechnung erfolgt eine getrennte Modellierung der Bestandteile. Im Zähler wird der verfügbare Betrag an stabiler Refinanzierung mit Gewichten adjustiert und mit dem ebenfalls adjustierten erforderlichen Betrag an stabiler Refinanzierung ins Verhältnis gesetzt. Die Modellierung erfolgt durch aufsichtlich vorgegebene Anrechnungsfaktoren in Abhängigkeit von Art und Fristigkeit der bilanziellen Aktiva. Die aufsichtliche Mindestquote liegt ebenfalls bei 100%.“

Quelle: Menninghaus, W./Schuppert, J. (Refinanzierung und Liquidität – Zielgrößen, Steuerungsansätze und Instrumente im Rahmen des Treasury-Managements), S. 1113

normativen Ebene der Unternehmensführung

s. Stichwort hierarchische Unternehmensplanung

Notifikation

Im Rahmen der Niederlassungs- und der Dienstleistungsfreiheit in der EU (s. Stichworte) muss „eine Bank, die beabsichtigt grenzüberschreitende Geschäftsaktivitäten aufzunehmen, … die Aufsichtsbehörden des Herkunftsmitgliedsstaates vorgängig von ihrer Absicht informieren (Notifikation). Diese Aufsichtsbehörden werden ihrerseits den Behörden des Aufnahmemitgliedsstaates eine entsprechende Mitteilung zukommen lassen.
Falls die Aufsichtsbehörden des Aufnahmemitgliedsstaates keine begründeten und EG-konformen Einwände erheben, können die grenzüberschreitenden Tätigkeiten aufgenommen werden. Zur Vermeidung eines möglichen Vorwurfs der Rechtsarbitrage ist immer der Heimatmarkt am Standort des Kreditinstituts zu bearbeiten.“

Quelle: Vgl. Schlieper, T. (Die Rolle des Aufsichts- und Verwaltungsrates bei der Gründung einer Bank in der Europäischen Gemeinschaft – von der Geschäftsidee bis zur Implementierung), S. 512f.

O

Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse

„§ 18 KWG verlangt bei Kreditvergaben ab einem Volumen von 750.000 EUR bzw. 10% des haftenden Eigenkapitals des Instituts ein Mindestmaß an einzuholenden Kreditunterlagen. Erforderlich ist eine Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere durch Vorlage der Jahresabschlüsse möglichst der letzten drei Jahre. Die Offenlegung hat sowohl vor der Kreditgewährung („Erstoffenlegung“) als auch einmal jährlich während der Laufzeit zu erfolgen, wobei dann die Anforderungen an den Umfang und die Zeitnähe der Unterlageneinreichung niedriger sind. Die Erstoffenlegung muss wiederholt werden, sobald eine mehr als unwesentliche Erhöhung des Kredits stattfindet.“

Quelle: Schöning, S. (Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Bankgeschäfte: Normen und ihre Interpretation durch den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 610

öffentlicher Auftrag

Sparkassen sind „eigenständige juristische Personen und übernehmen – im weitesten Sinne – von ihren kommunalen Trägern an sie abgetretene Aufgaben.
Worin diese Zuständigkeiten tatsächlich bestehen, ist (wiederum) allenfalls vage bestimmt. Die von den Bundesländern erlassenen Sparkassengesetze sprechen hier durchweg vom sog. „öffentlichen Auftrag“. Ergänzt durch die vom Anstaltsträger erstellte Satzung versteht man darunter die Gesamtheit der auf die einzelne Sparkasse übertragenen Pflichten.
Diese stehen in enger Beziehung zur „Gemeinwohlorientierung“ (s. Stichwort) eines öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts, die nach allgemeiner Auffassung vor allem dem ökonomischen Ziel der Gewinnmaximierung entgegensteht. Vielmehr sollen Sparkassen aus ihren (Netto-) Erträgen die sozialen Ziele der sie tragenden Gebietskörperschaft unterstützen und zudem aus dem Jahresüberschuss Ausschüttungen an den Träger vornehmen.“

Quelle: Gischer, H./Spengler, T. (Der Verwaltungsrat einer Sparkasse – Aufgaben, Zusammensetzung und Herausforderungen), S.203

operative Planung

s. Stichwort hierarchische Unternehmensplanung

Option

Optionen sind neben den Futures, Forward Rate Agreements und Swaps eine von vier Grundtypen von Derivaten (s. Stichwort).
„Optionen beinhalten für den Käufer bzw. Verkäufer der Option unterschiedliche Rechte und Pflichten. Der Käufer eines Optionskontraktes erwirbt gegen Zahlung einer Prämie das Recht

  • eine bestimmte Menge (Kontraktgröße)
  • eines bestimmten Wertobjektes (Basiswert; z.B. Aktien, Anleihen, Währungen, Aktienindizes, Financial Futures)
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis)
  • bis zu einem bestimmten Termin bzw. Verfalltag (bei amerikanischen Optionen) bzw. an einem bestimmten Termin (bei europäischen Optionen)
  • zu kaufen (Kauf- bzw. Call-Option) oder zur verkaufen (Verkaufs- bzw. Put-Option).

Der Verkäufer eines Optionskontraktes hat gegen Empfang der Prämie die Pflicht, den Basiswert

  • zu liefern (Kauf- bzw. Call-Option) bzw.
  • abzunehmen (Verkaufs- bzw. Put-Option).“

Quelle: Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1172

Ordnungsmäßigkeitsprüfung

Bei der Ordnungsmäßigkeitsprüfung „werden Aktivitäten und Prozesse daraufhin überprüft, inwieweit gesetzliche, satzungsmäßige, aufsichtsrechtliche und anderweitig gültige Vorschriften beachtet und umgesetzt worden sind. Hierbei prüft (die interne Revision, d. Verf.) die Aufbau- und Ablauforganisation, die Wirtschaftlichkeit und Funktionsfähigkeit der Prozesse und ebenso die Funktionsfähigkeit, Wirksamkeit und Angemessenheit des internen Kontrollsystems und dessen Einbindung in die geprüften „normalen“ Geschäftsabläufe der Bank.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 189

Outsourcing / Auslagerung

Bei der Ordnungsmäßigkeitsprüfung „werden Aktivitäten und Prozesse daraufhin überprüft, inwieweit gesetzliche, satzungsmäßige, aufsichtsrechtliche und anderweitig gültige Vorschriften beachtet und umgesetzt worden sind. Hierbei prüft (die interne Revision, d. Verf.) die Aufbau- und Ablauforganisation, die Wirtschaftlichkeit und Funktionsfähigkeit der Prozesse und ebenso die Funktionsfähigkeit, Wirksamkeit und Angemessenheit des internen Kontrollsystems und dessen Einbindung in die geprüften „normalen“ Geschäftsabläufe der Bank.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 189

Outsourcing / Auslagerung

Eine Auslagerung bzw. ein Outsourcing liegt nach den MaRisk vor, „wenn ein anderes Unternehmen mit der Wahrnehmung solcher Aktivitäten und Prozesse im Zusammenhang mit der Durchführung von Bankgeschäften, Finanzdienstleistungen oder sonstigen institutstypischen Dienstleistungen beauftragt wird, die ansonsten vom Institut selbst erbracht würden.“ (BaFin, MaRisk v. 14.12.2012, RS 10/2012 (BA), AT 9 Tz. 1.)
„Das verstärkte Aufkommen des Outsourcings lässt sich mit seinen Vorzügen begründen. Im Wesentlichen geht es dabei um den steigenden Kosten- und Ertragsdruck auf der einen Seite, der zum Beispiel durch die Vermeidung von Investitionen, Senkung des Personalaufwandes oder den Wegfall von Wartungs-, Reparatur und Raumkosten gemindert wird. Auf der anderen Seite stehen die strategischen Überlegungen des Instituts. Durch die Auslagerung auf spezialisierte Dienstleister kann mit einer verbesserten Performance gerechnet werden, es müssen keine qualifizierten Mitarbeiter gesucht werden und das Betriebsrisiko wird zudem an das aufnehmende Unternehmen abgegeben. Das Institut kann sich so vollkommen auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. …“
„Das Risiko, das in einer Auslagerungsmaßnahme steckt, spiegelt sich in den Auswirkungen wider, die bei deren unsachgemäßer Ausführung durch einen Dritten auf das Kreditinstitut wirken. Die Schäden können unterschiedlicher Natur sein, von finanziellen bis hin zu Reputationsschäden und negativen Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe im Institut.“

Quelle: Hartmann, U. (Die Einbindung der Aufsichtsorgane in Outsourcingentscheidungen von Kreditinstituten), S. 960,963

Outsourcing-Prüfung

„Sind wesentliche Geschäftsfelder einer Bank oder Sparkasse an Drittanbieter ausgelagert, so hat die Geschäftsleitung sicherzustellen, dass die interne Revision auch beim Insourcer ihrer Prüfungspflicht nachkommen kann. Die interne Revision muss im Rahmen der vertraglichen Gestaltung der Outsourcing-Beziehungen in die Lage versetzt werden, Prüfungen beim Insourcer nach den gleichen Maßstäben durchzuführen wie in ihrem eigenen Institut. Die Prüfungen erstrecken sich im Regelfall auf solche Arbeitsabläufe, in denen die outgesourcten Dienstleistungen erbracht werden. Wichtig ist, dass die Standards der outsourcenden Bank (!) mindestens erfüllt werden.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 191

P

Performanceprüfung

Bei der Performanceprüfung als neben der Complianceprüfung (s. Stichwort) zweitem Teilbereich der Effizienzprüfung eines Aufsichtsorgans (s. Stichwort) geht es darum, „den Aufbau und die Aktivitäten des Aufsichtsorgans auf ihre Erfolgswirkungen hin zu beurteilen. Es sind die Organisationsstruktur des Aufsichtsrates und die Entscheidungsprozesse im Hinblick auf ihre Performancewirkungen einer kritischen Analyse zu unterziehen.
In Bezug auf den Entscheidungsprozess differenziert Debus dabei zwischen der Informations-, der Interaktions- und der Zeiteffizienz. Die Informationseffizienz beschäftigt sich mit der Informationsversorgung im Aufsichtsorgan, die Interaktionseffizienz untersucht den Austausch von Argumenten zwischen den Aufsichtsratsmitgliedern und die Zeiteffizienz betrachtet die Frage, inwieweit Entscheidungen im Aufsichtsrat zeitnah getroffen werden.“

Quelle: Hölscher, R. (Effizienzprüfung von Aufsichtsorganen in Kreditinstituten), S. 411

präventives Einschreiten

„Das Wesen der Institutssicherung (s. Stichwort, d. Verf.) setzt ein sehr frühzeitiges präventives Einschreiten der Sicherungssysteme voraus. Sie greift zeitlich viel früher als ein Einlagensicherungssystem und vermeidet bereits den Eintritt des Einlagensicherungsfalles.
Primäres Ziel ist es, Risiken und Gefährdungslagen bei den Instituten möglichst früh zu erkennen, um entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Den Sicherungseinrichtungen stehen umfassende Informations- und Eingriffsrechte zur Verfügung, die je nach Gefährdungslage abgestuft sind. Die Institute ihrerseits sind verpflichtet, alle Maßnahmen zu unterstützen, die der Früherkennung von Risiken dienlich sind.“

Quelle: Fieseler, B.M./Schackmann-Fallis, K.-P. (Die Institutssicherung der Sparkassen und Landesbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 809

Privatbank

„Die gängigste zeitgenössische Definition einer Privatbank ist eine rein formaljuristische, nach der ausschließlich Bankbetriebe in der Rechtsform von Einzel oder Personengesellschaften (OHG und KG) als Privatbanken angesehen werden. Diese Definition wird auch von der Deutschen Bundesbank verwendet. Alternativ werden auch gerne betriebsstrukturelle Charakteristika und funktionale Gemeinsamkeiten hervorgehoben, um die Banken schärfer zu konturieren. Als zentrale Kriterien gelten die Eigentums- und Haftungsverhältnisse und die enge Verbindung zwischen Bank und Bankier. Eine charakteristische Eigenschaft von Privatbanken ist die üblicherweise unbeschränkte Haftung der Unternehmensleiter für die Verbindlichkeiten der Bank.
In der Schweiz ist der Begriff „Privatbankier“ als Kollektivmarke geschützt. Er ist ausschließlich Banken in der Rechtsform einer Einzelfirma, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft vorbehalten, die durch einen oder mehrere unbeschränkt haftende Gesellschafter geführt werden.
Der Bundesverband deutscher Banken geht bei der Definition von Privatbanken hingegen weniger restriktiv vor. Er berücksichtigt in seiner Einordnung unter anderem auch Banken in der Rechtsform der KGaA, wenn es sich bei den persönlich haftenden Gesellschaftern um natürliche Personen handelt, die Aktien nicht an der Börse gehandelt werden und deren Übertragung an die Zustimmung der persönlich haftenden Gesellschafter gebunden ist.“

Quelle: Schüller, S. (Die Wahrnehmung der Aufsichtsfunktion bei Privatbankiers und Banken in Familienbesitz), S. 258ff.

Privatbankier

Der Privatbankier im klassischen Sinne (s. Stichwort Privatbank) muss als Unternehmer verstanden werden. Grundlegend für das notwendige vorausschauende Handeln und das konservative Verhältnis zum Risiko sind das Prinzip der unternehmerischen Verantwortung und die Koppelung von Risiko und Haftung.
Der Privatbankier bringt durch seine persönliche Haftung sein Privatvermögen in das Unternehmen ein und übernimmt die volle Verantwortung für die finanzielle Stabilität des Unternehmens und die Folgen seines Handelns.
Darüber hinaus verfügen persönlich haftende Gesellschafter über weitreichende Spielräume in der Geschäftstätigkeit an sich. Im Idealfall (Voraussetzung für die Definition des Privatbankiers i.e.S.) können sie unabhängig von den übergeordneten Interessen von Finanzkonzernen agieren und unterliegen nicht dem Druck von Aktionären.“

Quelle: Schüller, S. (Die Wahrnehmung der Aufsichtsfunktion bei Privatbankiers und Banken in Familienbesitz), S. 260

Projekt

„Anforderungen des Marktes und der Kunden, aber auch Feststellungen z.B. der internen oder externen Revision und aus der Prüfung durch die Aufsichtsbehörden veranlassen Kreditinstitute zur Anpassung ihrer Produkte sowie ihrer Geschäftsorganisation, einschließlich der damit in Zusammenhang stehenden technischen und organisatorischen Ausstattung. Sofern diese Anpassungen einen gewissen zeitlichen und budgetmäßigen Rahmen überschreiten und daher nicht in der Regelorganisation des Instituts abgebildet werden können, werden diese als Projekte abgewickelt, die sich durch folgende Merkmale beschreiben lassen:

  • einmaliges Vorgehen, orientiert an festgelegten Projekt- und Budgetzielen,
  • phasenorientiert, mit definierten Anfangs- und Endterminen,
  • Durchführung durch Projektteams, die aus Mitarbeitern, i.d.R. außerhalb ihrer Regeltätigkeiten, sowie ggf. aus externen Mitgliedern von Fremdfirmen zusammengesetzt sind,
  • Steuerung durch ein Projektmanagement, basierend auf einer spezifischen Projektorganisation, sowie begleitet durch ein
  • umfassendes und aussagefähiges Projektcontrolling.

Quelle: Fröhlich, M. (Besondere Anforderungen an den Aufsichts- oder Verwaltungsrat eines Kreditinstituts bei der Initiierung, Steuerung und Überwachung von Projekten), S. 968

Projektprüfung

„Projektprüfungen durch die Innenrevision richten sich … z.B. auf die Einhaltung der Projektziele, -budgets, -zeitpläne und ggf. auch inhaltlichen Umsetzung des Projektgegenstandes. Häufig finden auch Überprüfungen des Budget- und Projektfortschritts statt, insbesondere wenn bei „mission critical“ (Groß-) Projekten Zeitpläne stark aus dem Ruder laufen oder das Budget bereits deutlich überschritten wurde.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 190

projektspezifische Risiken

„Die Durchführung eines Projekts (s. Stichwort, d. Verf.) als Einmalprojekt außerhalb der Regelorganisation führt zu speziellen Risiken, die den Projekterfolg nachhaltig gefährden können. Projektspezifische Risiken resultieren im Allgemeinen sowohl aus dem Projektmanagement als auch aus dem Projektgegenstand:

  • Projektmanagementrisiken: Sie resultieren aus unzureichenden Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Durchführung von Projekten, z.B. einer nicht zielführenden, ggf. zu komplexen Projektorganisation oder einem nicht aussagefähigen, nicht zeitgerechten oder nicht vollständigen Projektcontrolling mit der Folge von Kosten- und Zeitbudgetüberschreitungen.
  • Risiken aus dem Projektgegenstand: Hier ist an spezifische Risiken zu denken, die sich beispielsweise bei der Erstellung einer neuen Software ergeben können (z.B. Risiken im Hinblick auf den Funktionsumfang zur Abdeckung des Aufgabengebietes, Risiken aus einer unzureichenden Entwicklungsumgebung oder einer nicht vollständigen oder fehlerhaften Berücksichtigung funktionaler Anforderungen). Bei der Implementierung von Standardsoftware bestehen Risiken auf der Anwenderseite eher in einer fehlerhaften Auswahl von Standardsoftware selbst, z.B. aufgrund unzureichender Pflichtenhefte oder einer mangelhaften Integration der Standardsoftware in die Geschäftsprozesse“

Quelle: Fröhlich, M. (Besondere Anforderungen an den Aufsichts- oder Verwaltungsrat eines Kreditinstituts bei der Initiierung, Steuerung und Überwachung von Projekten), S. 972

Provisionsspanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Provisionsüberschuss und Bilanzsumme

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Prüfungsausschuss

„Nach § 107 Abs. 3 Satz 2 AktG kann der Aufsichtsrat einen Prüfungsausschuss bestellen, der sich mit

  • der Überwachung des Rechnungslegungsprozesses,
  • der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems,
  • des Risikomanagementsystems und
  • des internen Revisionssystems sowie
  • der Abschlussprüfung, hier insbesondere der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers und der vom Abschlussprüfer zusätzlich erbrachten Leistungen

befasst. Das hier formulierte Aufgabenspektrum des Prüfungsausschusses fällt unter die originären Überwachungspflichten des Aufsichtsrates, denn nur diese kann der Aufsichtsrat auf einen Ausschuss delegieren.“ Quelle: Wicke, J.M./Kahl, K. (Der Prüfungsausschuss einer Bank als Instrument der inneren Organisation von Aufsichtsräten – rechtlicher Rahmen und inhaltliche Ausfüllung), S. 153; vgl. auch Loretan, M./Schön, E. (Der Verwaltungsrat von Kreditinstituten in der Schweiz: Rahmenvorgaben, Organisation, Aufgaben und Strukturen), S. 327 zur Schweiz

Prüfungsbericht

„Der Prüfungsbericht der externen Revision ist eine wichtige Informationsquelle für den Aufsichtsrat: Der Prüfungsbericht stellt ausführlich

  • die Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage der Genossenschaft,
  • die Entwicklung des Kreditgeschäftes,
  • die rechtlichen Rahmenbedingungen und
  • die Gesamtbanksteuerung

dar. Bedeutsame Risiken und Mängel werden explizit aufgezeigt.
Es ist Aufgabe des Vorstandes, die festgestellten Mängel zu bereinigen, der Aufsichtsrat überwacht, ob die Mängelbeseitigung tatsächlich erfolgt. Es reicht nicht aus, dass der sog. Rückberichterstattung, d.h. der offiziellen Stellungnahme zu Mängeln im Prüfungsbericht, lediglich durch den Aufsichtsrat zugestimmt wird. Er hat sich vielmehr in den nachfolgenden Sitzungen vom Vorstand berichten zu lassen, ob die Mängel bereits beseitigt wurden.“

Quelle: Götzl, S. (Inhalt und Berichterstattung des Vorstandes an den Aufsichtsrat von Kreditgenossenschaften), S. 134

Prüfungsfelder der internen Revision

Die interne Revision plant ihre Prüfungsfelder selbstständig, die Genehmigung des jährlich fortzuschreibenden Prüfungsplans durch die Geschäftsleitung ist erforderlich. In der Praxis finden sich im Wesentlichen sieben Arten einer Prüfung durch die Innenrevision: Ordnungsmäßigkeitsprüfung, IKS-Prüfung, Systemprüfung, Projektprüfung, Sonderprüfung rsp. Deliktrevision, Saldenabstimmung, Outsourcing-Prüfung.

Quelle: Vgl. Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 189

Q

 

R

Refinanzierungsrisiko

s. Stichwort Liquiditätsrisiko

regionaler Sparkassenstützungsfonds

„Alle Sparkassen sind Mitglieder des jeweils zuständigen regionalen Sparkassenstützungsfonds. Insgesamt gibt es derzeit elf regionale Stützungsfonds.
Zwischen diesen elf Sparkassenstützungsfonds besteht ein „Überregionaler Ausgleich“. Dieser tritt ein, wenn bei einem regionalen Sparkassenstützungsfonds die für die Regelung eines Stützungsfalles notwendigen Aufwendungen das Gesamtvolumen des Stützungsfonds übersteigen. Auf diese Weise werden alle elf regionalen Fonds zu einer Haftungsgemeinschaft verbunden, sodass trotz der Selbstständigkeit der regionalen Einrichtungen in einem Notfall das Gesamtvolumen aller Fonds gemeinschaftlich zur Verfügung steht.“

Quelle: Fieseler, B.M./Schackmann-Fallis, K.-P. (Die Institutssicherung der Sparkassen und Landesbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 808

Regulierungspyramide

Im Rahmen der Bankenregulierung sind grundsätzlich vier Ebenen zu unterscheiden:

  • Standardsetzung durch internationale Organisationen, insbesondere durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und die angegliederten Komitees.
  • Die Bankaufsichtsrechte der EU-Mitgliedsstaaten sind seit längerem durch Harmonisierungsrechtsakte vereinheitlicht worden. Neben der in Umsetzung der „Basel II“-Vorgaben geänderten Bankrechtskoordinierungsrichtlinie sowie der Kapitaladäquanzrichtlinie und den Anforderungen, die sich aus der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFiD) ergeben, sind auf dieser Ebene die Grundsätze für die Umsetzung der Richtlinien von Bedeutung, die die European Banking Authority (EBA) in Ausübung der durch die Richtlinien gewährten Kompetenzen erstellt.
  • Nationales Gesetzesrecht: Insbesondere das Kreditwesengesetz, vor allem die Vorgaben des § 25a KWG sowie die Aufsichts- und Eingriffsbefugnisse der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bilden den relevanten Rechtsrahmen. Daneben gilt die allgemeine Pflicht zur Einrichtung von Risikofrüherkennungssystemen nach § 91 Abs. 2 AktG sowie resultierend aus der „allgemeinen Sorgfaltspflicht“ (siehe HGB, GmbHG sowie AktG).
  • Aufsichtsseitige Mindestanforderungen, insbesondere die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (s. Stichwort). Es handelt sich bei ihnen um sogenannte normeninterpretierende Verwaltungsvorschriften, die eine Selbstbindung der deutschen Aufsicht gegenüber den Finanzinstituten bzw. Versicherungsunternehmen darstellen.“

Quelle: Romeike, F. (Die Bedeutung bankaufsichtlicher Mindestanforderungen für die Arbeit des Aufsichtsorgans), S. 620f.

Reingewinnspanne vor Steuern.

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, auch als „Return on Assets“ oder Gesamtkapitalrentabilität bezeichnet, entspricht der Differenz von Bruttogewinnspanne und Risikospanne (ggfs. auch abzgl. a.o.Spanne, sofern a.o.Ergebnis nicht bereits in der Sonstigen Ertragsspanne erfasst wurde)

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Rendite-/Risikosteuerung

s. Stichwort Risikotragfähigkeitskalkül

Rentabilitätsmanagement

s. Stichwort Risikotragfähigkeitskalkül

Reorganisationsverfahren

Während der Finanz- und Bankenkrise wurden im Jahr 2010 das Restrukturierungsgesetz und mit diesem das Kreditinstitute-Reorganisationsgesetz (KredReorgG) und das Restrukturierungsfondsgesetz (RStruktFG) erlassen. „Das KredReorgG folgt einem zweistufigen Aufbau:

Auf der ersten Stufe steht das Sanierungsverfahren, mit dem Schieflagen des Kreditinstituts (§ 1 Abs. 1 KWG) frühzeitig bewältigt werden sollen. Ein Eingreifen in Rechte Dritter ist auf dieser Stufe nicht vorgesehen. Eingriffe in Drittrechte können erst auf der zweiten Stufe, dem Reorganisationsverfahren, erfolgen.

Ein strenges Stufenverhältnis zwischen den beiden Verfahren besteht nicht: Es muss kein Reorganisationsverfahren auf das Sanierungsverfahren folgen. Ebenso kann das Reorganisationsverfahren ohne vorheriges Sanierungsverfahren eingeleitet werden, sofern das Kreditinstitut das Sanierungsverfahren für aussichtslos hält (§ 7 Abs. 1 KredReorgG).
Die Einleitung des jeweiligen Verfahrens erfolgt nur auf Initiative der Kreditinstitute selbst. Sowohl an der Einleitung, als auch der Durchführung wirken danndas OLG Frankfurt a.M. und die BaFin mit.“

Quelle: Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 541

Restrukturierungsfonds

Während der Finanz- und Bankenkrise wurden im Jahr 2010 das Restrukturierungsgesetz und mit diesem das Kreditinstitute-Reorganisationsgesetz (KredReorgG) und das Restrukturierungsfondsgesetz (RStruktFG) erlassen. Nach letzterem wird „bei der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) wird ein Restrukturierungsfonds eingerichtet (§ 1 RStruktFG). Der Fonds dient der Stabilisierung des Finanzmarktes durch Überwindung von Bestands- und Systemgefährdungen im Sinne des § 48b KWG, § 3 Abs. 1 RStruktFG.

Bei dem Fonds handelt es sich um ein Sondervermögen des Bundes, welches von der FMSA verwaltet wird (§ 11 RStruktFG). Er wird finanziert aus der sog. Bankenabgabe, also Sonderbeiträgen, die alle Kreditinstitute zu leisten haben. Der Fonds kann unter anderem eine Bankensanierung gem. §§ 48a ff. KWG aktiv begleiten, Brückeninstitute gründen, Garantien zur Sicherung von Ansprüchen gegen den übernehmenden Rechtsträger gewähren und Rekapitalisierungen des übernehmenden Rechtsträgers vornehmen.“

Quelle: Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 548

Restrukturierungsgesetz

Das Gesetz zur Restrukturierung und geordneten Abwicklung von Kreditinstituten, zur Errichtung eines Restrukturierungsfonds für Kreditinstitute und zur Verlängerung der Verjährungsfrist der aktienrechtlichen Organhaftung (Restrukturierungsgesetz) vom 9.12.2010 wurde erlassen um eine weitere Finanz- und Bankenkrise zu vermeiden. Es „enthält mehrere eigenständige Instrumente, die den Banken den Zugriff auf umfangreiche Möglichkeiten von Sanierungsmaßnahmen (zweistufiges Verfahren) eröffnen. … Das Restrukturierungsgesetz sieht

  • zum einen ein vorinsolvenzliches Sanierungs- und Reorganisationsverfahren (ähnlich einem verbesserten Insolvenzplanverfahren),
  • zum anderen die Einführung neuer aufsichtsrechtlicher Maßnahmen, insbesondere die Möglichkeit der BaFin, die Bank ähnlich dem amerikanischen Vorbild aufzuspalten und gesunde und systemrelevante Teile auf einen Investor oder eine Brückenbank zu übertragen, vor.
  • Darüber hinaus wird ein Restrukturierungsfonds eingerichtet, der aus Beiträgen der Banken selbst gefüllt wird.“

Quelle: Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 540f.

Revisionsbeauftragte(r)

„Im Falle des vollständigen Outsourcings der Innenrevision muss das Kreditinstitut einen Revisionsbeauftragten ernennen. Die Aufgaben des Revisionsbeauftragten sind die Erstellung des jährlichen Prüfungsplanes sowie des jährlichen Gesamtberichts an das Aufsichtsorgan; daneben muss er dafür sorgen, dass die Revision fachkundig, umfassend und termingerecht durchgeführt wird. Weiterhin muss der Revisionsbeauftragte die Überwachung der Abstellung der festgestellten Mängel gewährleisten. Als Revisionsbeauftragter kann entweder einer der Geschäftsleiter der Bank/Sparkasse oder ein anderer Mitarbeiter eingesetzt werden, der über die notwendige Fachkenntnis verfügt und von den wesentlichen, risikonehmenden Funktionen des Hauses unabhängig ist (also z.B. nicht aus den Marktbereichen oder der Marktfolge Kredit und Handel sowie aus dem Rechnungswesen kommt). Allerdings wird i.d.R. wohl ein Mitglied der Geschäftsleitung diese Funktion übernehmen müssen, denn nur auf oberster Ebene ist die erforderliche Unabhängigkeit geregelt, auch im Rahmen der im Organigramm festgeschriebenen „Gewaltenteilung“ im Management. Hierfür spricht auch der dann eher gegebene und gesuchte enge Kontakt zwischen dem Aufsichtsorgan und der Revisionsfunktion.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 195

Risiko-Chancen-Kalkül

s. Stichwort Risikotragfähigkeitskalkül

Risikofrüherkennungssystem

Jedes Kreditinstitut hat „im Rahmen der Risikoinventur zu prüfen, welche Risiken die Vermögenslage (inklusive Kapitalausstattung), die Ertragslage oder die Liquiditätslage wesentlich beeinträchtigen können.“ Es ist regelmäßig ein Gesamtrisikoprofil zu erstell(en), um alle möglichen schlagend werdenden Risiken zu erfassen und zu bewerten. Dabei darf sich „die Identifizierung wesentlicher Risiken nicht auf eine rein „mechanische“ Festlegung der in den MaRisk genannten Risiken beschränken…. Vielmehr haben die Institute zu untersuchen, ob nicht gegebenenfalls weitere Risiken als wesentlich einzustufen sind.“

Quelle: Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 88

Risikoinventur

Jedes Kreditinstitut hat „im Rahmen der Risikoinventur zu prüfen, welche Risiken die Vermögenslage (inklusive Kapitalausstattung), die Ertragslage oder die Liquiditätslage wesentlich beeinträchtigen können.“ Es ist regelmäßig ein Gesamtrisikoprofil zu erstell(en), um alle möglichen schlagend werdenden Risiken zu erfassen und zu bewerten. Dabei darf sich „die Identifizierung wesentlicher Risiken nicht auf eine rein „mechanische“ Festlegung der in den MaRisk genannten Risiken beschränken…. Vielmehr haben die Institute zu untersuchen, ob nicht gegebenenfalls weitere Risiken als wesentlich einzustufen sind.“

Quelle: Romeike, F. (Die Bedeutung bankaufsichtlicher Mindestanforderungen für die Arbeit des Aufsichtsorgans), S. 632 und S. 617

Risikomanagementsystem

Das Risikomanagement ist „die Gesamtheit aller organisatorischen Regelungen und Maßnahmen zur frühzeitigen Risikoerkennung und Abwicklung von Risiken (und) grenzt dabei die Unsicherheitsmerkmale zukünftiger Handlungsalternativen ein – ihm kommt damit eine Unterstützungsfunktion des Vorstandes bei seinen allgemeinen Führungsaufgaben zu.
Als Bestandteile des von einem Vorstand einzurichtenden Risikomanagementsystems sind

  • erstens das Risikofrüherkennungssystem,
  • zweitens das (Konzern-) Controlling sowie
  • drittens das interne Überwachungssystem

zu nennen.“ (s. Stichworte)

Quelle: Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 87

Risikomonitoring

Das „primäre Ziel der Institutssicherung (s. Stichwort, d. Verf.) (ist) die Früherkennung und Prävention von Risikolagen. Darum sind die Handlungsmöglichkeiten der Sicherungseinrichtungen an das Ergebnis des Risikomonitoring geknüpft. Es kommt also darauf an, auf welcher Monitoringstufe ein Institut sich befindet.

  • Institute ohne besondere Risikolagen (Stufe Grün) unterliegen nur einfachen Informationspflichten, zum Beispiel der Bereitstellung der für das Risikomonitoring erforderlichen Informationen oder Berichtspflichten beim Eintritt besonderer Ereignisse.
  • Bei Instituten mit Anhaltspunkten für eine erhöhte Risikolage (Stufe Gelb) intensivieren sich diese Rechte.
  • Bei Instituten der höchsten Risikostufe (Stufe Rot) bestehen weitergehende Handlungsmöglichkeiten, wie die Aufforderung zur Erarbeitung eines Restrukturierungskonzeptes oder die Veranlassung sachlicher oder personeller Maßnahmen.“

Quelle: Fieseler, B.M./Schackmann-Fallis, K.-P. (Die Institutssicherung der Sparkassen und Landesbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 811

Risikospanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Risikoaufwendungen und Bilanzsumme Risikoaufwendungen oder auch Bewertungsergebnis, enthält als wesentlichen Bestandteil die Wertberichtigungen für Kredite)

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Risikostrategie

Jedes Kreditinstitut muss nach den MaRisk eine Geschäftsstrategie und eine Risikostrategie festlegen, wobei letztere die sich bei der Umsetzung der Geschäftsstrategie ergebenden Risiken beherrschbar machen soll. „Die Ziele des Instituts für jede wesentliche Geschäftsaktivität sowie die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele“(BaFin, MaRisk v. 14.12.2012, RS 10/2012 (BA), AT 4.2 Tz.1 Satz 1) werden in der Geschäftsstrategie, auch als Unternehmensstrategie zu bezeichnen, festgelegt. Die Risikostrategie beschreibt „die Ziele der Risikosteuerung der wesentlichen Geschäftsaktivitäten sowie die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele“ (ebenso, Tz 2 Satz 1)

Quelle: Vgl. Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 871, auch Wiedemann, A. (Einbindung des Aufsichtsorgans in das Gesamtbankrisikomanagement von Kreditinstituten), S.1027ff.

Risikotragfähigkeitskalkül

Eine Bank oder Sparkasse muss „jederzeit in der Lage (sein), ihre eingegangenen Risiken durch vorhandenes Risikokapital abzudecken („Risikotragfähigkeitskalkül“). Die Risikotragfähigkeit einer Bank stellt die absolute Obergrenze für das erlaubte Gesamtrisikopotential dar und begrenzt dadurch den Umfang der Geschäftstätigkeit.“

… Darüber hinaus aber „ist zu überprüfen, ob sich die Übernahme von spezifischen Risiken überhaupt rentiert. Die Risikoübernahme aus der Geschäftstätigkeit ist konsequent dem Rentabilitätsdenken unterzuordnen. Das heißt, es muss analysiert werden, ob die Ertragschancen einer Geschäftstätigkeit in einem angemessenen Verhältnis zu den übernommenen Risiken stehen und die geforderte Verzinsung des Risiko- resp. Eigenkapitals erwirtschaftet werden kann („Risiko-Chancen-Kalkül“). Nur wenn die risikoadjustierte Rentabilität diese Bedingung erfüllt, sollten die entsprechenden Geschäfte und die damit verbundenen Risiken eingegangen werden.

Während sich die aufsichtsrechtlichen Ziele noch mit dem Risikotragfähigkeitskalkül decken, geht ein wertorientiertes Risikomanagementsystem durch die Einbindung des Rentabilitätsmanagements hin zu einer integrierten Rendite-/Risikosteuerung im Risiko-Chancen-Kalkül einen bedeutenden Schritt weiter. Es wird ausdrücklich ein über die Existenzsicherung hinausgehender Rentabilitätsanspruch einer Bank betont. Zielsetzung eines wertorientierten Risikomanagements ist die Allokation der zur Verfügung stehenden Eigenmittel in die risikoadjustiert rentabelsten Geschäftstätigkeiten unter der strengen Nebenbedingung der Risikotragfähigkeit“

Quelle: Wiedemann, A. (Einbindung des Aufsichtsorgans in das Gesamtbankrisikomanagement von Kreditinstituten), S. 1031f.

Rückfallkompetenz

Die liechtensteinischen Finanzmarktgesetze schreiben Banken, die im Regelfall nach dem monistischen System organisiert sind, vor, eine „vom Verwaltungsrat abhängige Geschäftsleitung (zu bestellen, d. Verf.). … Ebenso wie im Schweizer Aktienrecht liegen

  • Geschäftsführung (Art. 181f. PGR, Personen- und Gesellschaftsrechts, d. Verf.),
  • Vertretung (Art. 184f. PGR) und
  • Überwachung einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung (Art. 181 Abs. 1, 182 Abs. 2 Satz 1 PGR) in der Gesamtverantwortung des Verwaltungsrates. Dabei entspricht das Kollektivhandlungs- und -zeichnungsrecht nach Art. 188 Abs. 3 PGR dem gesetzlichen Regelfall.
  • Der Verwaltungsrat ist auch das Rückfallorgan. Zu seinen Gunsten wirkt eine Kompetenzvermutung, wonach ihm alle Befugnisse und Pflichten zustehen, die nicht einem anderen Organ der Gesellschaft übertragen oder vorbehalten sind.“

In Liechtenstein müssen Banken „neben dem Verwaltungsrat eine gesamtverantwortliche Geschäftsleitung ernennen, deren Mitglieder nicht zugleich Verwaltungsratsmitglieder sein dürfen. Dies intensiviert die Kontrolldichte im missbrauchs- und fehleranfälligen Finanzsektor. Auch dann bleibt es bei der Rückfallkompetenz des Verwaltungsrates, sodass das Finanzmarktrecht eine Mischung aus monistischer und dualistischer Board-Struktur etabliert.“

Quelle: Zetzsche, D.A./Eckner, D. (Der Verwaltungsrat von Finanzintermediären im Fürstentum Liechtenstein), S.

S

Sachkunde

„Die Anforderung an die Mitglieder eines Aufsichtsorgans, dass sie die von dem Institut oder der Finanzholding-Gesellschaft getätigten Geschäfte zu verstehen und deren Risiken zu beurteilen haben, wird im § 36 Abs. 3 KWG als „Sachkunde“ definiert.
Diese Anforderung unterscheidet sich von dem weitergehenden Begriff der „fachlichen Eignung“, die § 36 Abs. 2 KWG von den Geschäftsleitern eines Instituts fordert. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll der Begriff der fachlichen Eignung der Beurteilung der Geschäftsleiter und den Vorständen von Instituten vorbehalten bleiben.
Nach den Vorstellungen des Gesetzgebers muss die Sachkunde der Mitglieder von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen in einem angemessenen Verhältnis zu der Größe, Komplexität und systemischen Relevanz des Unternehmens stehen. Welche konkreten Anforderungen sich daraus für das einzelne Mitglied eines Kontrollorgans ergeben können, ist Gegenstand des „Merkblattes zur Kontrolle von Mitgliedern von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen gemäß KWG und VAG vom 22. Februar 2010“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).“

Quelle: Behle, R. (Die besonderen Anforderungen der Bankenaufsicht an die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten), S. 577

Saldenabstimmung

„Zur Prüfung der Bestände, der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Kunden und Kreditinstituten werden zu jedem Jahresende Saldenabstimmungen durchgeführt. Dies liegt in der Verantwortung der internen Revision. Der Arbeitsablauf des Versandes der Saldenbestätigungen wird jedoch üblicherweise an jene Abteilungen delegiert, welche im Tagesgeschäft die Buchungen ohnehin durchführen. Die interne Revision prüft dann die Korrektheit und Vollständigkeit der Versände und Rückläufe. Dieses auf den ersten Blick geschäftsferne Prüfungsfeld ist gleichwohl für den Aufsichtsrat von hoher Bedeutung, denn hier wird die Richtigkeit der wichtigsten Bilanz- und GuV-Positionen gesichert.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 190f.

Sanierungsberater

Mit der Finanz- und Bankenkrise wurde das Instrument des Sanierungsverfahren (s. Stichwort) geschaffen. Dieses wird „von einem Sanierungsberater geleitet …. Dieser Sanierungsberater kann gemäß § 3 Abs. 3 Satz 1 KredReorgG auch das „Mitglied eines Organs oder ein sonstiger Angehöriger des Kreditinstituts“ sein. Somit kommen für die Stellung des Sanierungsberaters auch Mitglieder des Aufsichtsrates in Frage.
Wird ein Mitglied des Aufsichtsrates als Sanierungsberater bestellt, so kann das OLG Frankfurt a.M. auf Antrag der BaFin ohne wichtigen Grund einen anderen Sanierungsberater bestellen (§ 3 Abs. 3 Satz 2 KredReorgG).
Die Befugnisse des Sanierungsberaters sind nicht vergleichbar mit denen des Insolvenzverwalters, er ist lediglich dazu berechtigt Weisungen an die Geschäftsführung zu erteilen. Hinzu kommt, dass er unter der Aufsicht des OLG Frankfurt a.M. steht.“

Quelle: Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 550

Sanierungsverfahren

Während der Finanz- und Bankenkrise wurden im Jahr 2010 das Restrukturierungsgesetz und mit diesem das Kreditinstitute-Reorganisationsgesetz (KredReorgG) und das Restrukturierungsfondsgesetz (RStruktFG) erlassen. „Das KredReorgG folgt einem zweistufigen Aufbau:
Auf der ersten Stufe steht das Sanierungsverfahren, mit dem Schieflagen des Kreditinstituts (§ 1 Abs. 1 KWG) frühzeitig bewältigt werden sollen. Ein Eingreifen in Rechte Dritter ist auf dieser Stufe nicht vorgesehen. Eingriffe in Drittrechte können erst auf der zweiten Stufe, dem Reorganisationsverfahren, erfolgen.
Ein strenges Stufenverhältnis zwischen den beiden Verfahren besteht nicht: Es muss kein Reorganisationsverfahren auf das Sanierungsverfahren folgen. Ebenso kann das Reorganisationsverfahren ohne vorheriges Sanierungsverfahren eingeleitet werden, sofern das Kreditinstitut das Sanierungsverfahren für aussichtslos hält (§ 7 Abs. 1 KredReorgG).
Die Einleitung des jeweiligen Verfahrens erfolgt nur auf Initiative der Kreditinstitute selbst. Sowohl an der Einleitung, als auch der Durchführung wirken danndas OLG Frankfurt a.M. und die BaFin mit.“

Quelle: Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 541

Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR-SE)

Beim Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR) besteht „eine Sicherungseinrichtung (im Folgenden BVR-SE) mit der Aufgabe der „Abwendung oder Behebung drohender oder bestehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten bei den angeschlossenen Instituten sowie der Verhütung von Beeinträchtigungen des Vertrauens in die genossenschaftlichen Institute.“
Zur Bewältigung der Sanierungsmaßnahmen stehen der Garantiefonds und der Garantieverbund zur Verfügung. Die Sicherungseinrichtung ist ein Sondervermögen der von ihrem Schutzumfang profitierenden Institute der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im BVR, unabhängig von der konkreten Firmierung einer Bank oder der Verwendung eines spezifischen Logos.
Das Sondervermögen der BVR-SE stellt den Kapitalstock dar, der durch die Beiträge der Mitglieder befüllt wird und aus dem die einzelnen Stützungsmaßnahmen im Bedarfsfall finanziert werden. Die Beiträge zur Befüllung des Kapitalstocks – sprich: dem Garantiefonds der BVR-SE – sind seit 2003 ausgerichtet am bankindividuellen Risiko der potentiellen Inanspruchnahme von Deckungsmitteln. …
Neben dem Garantiefonds als Kapitalstock verfügt die Sicherungseinrichtung mit dem Garantieverbund über eine weitere, den Fonds ergänzende Vermögensmasse. Diese basiert auf individuellen Garantieerklärungen aller in den Schutzumfang der Sicherungseinrichtung einbezogenen Institute, die von diesen auch im Anhang ihres Jahresabschlusses anzugeben sind“

Quelle: Benna, R./Fischer, R. (Das institutsbezogene Sicherungssystem des genossenschaftlichen Bankensektors), S. 833f.

Sonderprüfung

Sonderprüfungen durch die Innenrevision „werden bei bestimmten, anlassgetriebenen Informationsbedürfnissen des Vorstandes durchgeführt. Dies können aufgedeckte Fehlleistungen größeren Ausmaßes bis hin zu Delikten („Fraud-Audits“) sein. In besonders schwerwiegenden Fällen ist es die Regel, dies auch zusammen mit externen Prüfern durchzuführen. Derartige Prüfungen sind nicht im jährlichen Prüfungsplan eingeplant, den die interne Revision zu Beginn des Jahres vorzulegen hat; die MaRisk schreiben aber in ihren BT 2.3 Tz. 3 vor, dass sichergestellt sein muss, dass kurzfristig notwendige Sonderprüfungen jederzeit durchgeführt werden können.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 190

Sondervermögen

„Beim ESF (s. Stichwort Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken) handelt es sich um ein Sondervermögen innerhalb des Bundesverbandes deutscher Banken, das für Sicherungsfälle angesammelt wird (sogenannte ex ante-Finanzierung). Das Fondsvermögen wird aufgebracht durch jährliche Umlagen, die 0,6‰ der Bilanzposition Passiva 2 „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“ betragen.
Mitwirkende Banken werden zudem gemäß § 4a SESF einer jährlichen Klassifizierung durch den Prüfungsverband deutscher Banken e.V. in Köln unterzogen, die der Erhebung risikoorientierter Beiträge dient. Ferner wird das Fondsvermögen durch Aufnahmegebühren, Zinseinkünfte und erhebliche Rückflüsse aus Insolvenzverfahren gespeist.“

Quelle: Massenberg, H.-J. (Die Einlagensicherung der Kreditbanken – Praktische Ausgestaltung, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen), S. 791

Sonstige Ertragsspanne, a.o.-Spanne

Verhältnis-Kennzahl zur Finanz- und Ertragslage (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, entspricht der Relation zwischen Sonstigem Ergebnis und Bilanzsumme
(häufig wird aus Gründen der Vereinfachung Sonstiges und Außerordentliches Ergebnis in einer Kennzahl zusammengefasst.)

Quelle: Vgl. Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 985ff.

Staatskommissionär

In Österreich ist für Banken mit einer Bilanzsumme von über einer Milliarde EUR der Einsatz eines Staatskommissionärs vorgeschrieben, der die Zusammenarbeit des Aufsichtsrates mit der staatlichen Finanzmarktaufsicht (FMA) verklammert. „Der Staatskommissionär und dessen Stellvertreter sind als ein Aufsichtsorgan der FMA eingesetzt und ausschließlich deren Weisung unterworfen. …
Als Organ der Bankenaufsicht stellt der Staatskommissionär insofern eine direkte Verbindung zwischen Kreditinstitut und FMA her, als dass er die Arbeit in der Bank beobachten und damit die Bankenaufsicht der FMA sozusagen „vor Ort“ wahrnehmen kann. Der Staatskommissionär und dessen Stellvertreter sind zu den Hauptversammlungen und zu den Sitzungen von Aufsichtsrat, Prüfungsausschuss und den sonstigen entscheidungsbefugten Ausschüssen des Aufsichtsrates einzuladen. Ihnen ist an den Sitzungen auf ihren Antrag jederzeit das Wort zu erteilen. Zudem sind ihnen die Niederschriften über diese Sitzungen zu überlassen (§ 76 Abs. 4 BWG).

Besondere Bedeutung erlangt der Staatskommissionär durch das Einspruchsrecht, das er dann erheben kann (im Verhinderungsfall sein Stellvertreter), wenn aus seiner Sicht die Vorschriften oder Bescheide der FMA verletzt werden (§ 76 Abs. 5 BWG). Um dies möglichst zu vermeiden, ist die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat über den erforderlichen Informationsaustausch möglichst transparent zu gestalten.“

Quelle: Wöhle, C.B. (Der Aufsichtsrat von Kreditinstituten in Österreich: Rahmenvorgaben, Organisation und Aufgaben), S. 348

Standardfragen an Abschlussprüfer und Vorstand

Im Rahmen seiner Kontrollpflicht beschäftigt sich der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates auch mit dem Rechnungslegungsprozess, der Finanzberichterstattung und der Abschlussprüfung. Bei „Unklarheiten oder aus seiner Sicht unvollständiger Vorstandsberichterstattung (sind) weitere Informationen des Vorstandes einzufordern. Dessen ungeachtet empfiehlt sich im Zusammenhang mit dem Jahresabschluss seitens des Vorsitzenden (des Prüfungsausschusses, d. Verf.) Standardfragen an den Abschlussprüfer und den Vorstand zu adressieren:

  • An den Vorstand und den Abschlussprüfer: Gibt es besondere Vorkommnisse oder Sachverhalte, die nicht im Prüfbericht oder Bericht des Vorstandes enthalten sind und auf die die Abschlussprüfer oder der Vorstand hinweisen möchten?
  • An die Abschlussprüfer: Wenn Sie die Qualität der Bilanz bewerten, zu welcher Einschätzung kommen Sie auf einer Skala von 0 (extrem aggressiv) bis 10 (extrem konservativ)?“

Quelle: Wicke, J.M./Kahl, K. (Der Prüfungsausschuss einer Bank als Instrument der inneren Organisation von Aufsichtsräten – rechtlicher Rahmen und inhaltliche Ausfüllung), S. 160

Standardrisikokosten

„Die Standardrisikokosten (SRK), die zur Abdeckung des erwarteten Verlustes (s. Stichwort, d. Verf.) eines Einzelgeschäftes in die Kreditkonditionen einbezogen werden, ermitteln sich vereinfacht dargestellt gemäß der folgenden Formel: SRK = PD • EAD • LGD
Dabei drücken das EAD (Exposure at Default) das zum Ausfallzeitpunkt ausstehende Kreditvolumen, die PD die prozentuale Ausfallwahrscheinlichkeit und die LGD (Loss Given Default) die prozentual erwartete Verlustquote zum Ausfallzeitpunkt aus.
Zur Bestimmung der PD verwenden die Kreditinstitute entweder interne, d.h. selbst entwickelte Ratingverfahren oder externe Ratings, die von einer externen Ratingagentur ermittelt wurden. Beide Möglichkeiten führen dazu, dass jedem Kreditnehmer eine bestimmte Ausfallwahrscheinlichkeit zugewiesen wird, die wiederum zur Bestimmung der SRK herangezogen werden kann“

Quelle: Knippschild, M./Hromadka, J. /Geidt-Karrenbauer, U. (Die Bedeutung von Ratinginformationen und Portfolioanalysen zur Quantifizierung von Kreditrisiken), S. 1051.

Strategie

„Der Begriff der Strategie stammt aus dem Griechischen von den Begriffen für „Feldherr“ und „Feldherrentum/-kunst“ ab. In der Strategie wurde ein grundsätzlicher Rahmen zur Erreichung eines militärischen Zieles festgelegt. Die Definition des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (1800–1891), der Strategie „als Fortbildung des ursprünglich leitenden Gedankens entsprechend den sich stets ändernden Verhältnissen“ bezeichnete, fand auch ihren Niederschlag in der betriebswirtschaftlichen Literatur. In der Betriebswirtschaft wird unter Strategie die langfristige Festlegung der Handlungsmaximen eines Unternehmens zur Erreichung der Unternehmensziele resp. der Eigentümerziele verstanden. … Diese allgemeine Definition von Strategie gilt auch für Kreditinstitute.
Für Kreditinstitute ist darüber hinausgehend die Definition von Strategie in den MaRisk relevant. Danach ist die Geschäftsleitung eines Kreditinstituts dafür verantwortlich, „eine nachhaltige Geschäftsstrategie festzulegen, in der die Ziele des Instituts für jede wesentliche Geschäftsaktivität sowie die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele festgelegt werden.“ Dabei sind externe und interne Einflussfaktoren zu berücksichtigen und Annahmen im Hinblick auf deren zukünftige Entwicklung zu treffen.“

Quelle: Kirmße, S. (Aufgaben und Verantwortung des Aufsichtsrates bei der Strategieentwicklung in Kreditinstituten), S. 856f.

Strategieausschuss

Der Aufsichts- oder Verwaltungsrat einer Bank oder Sparkasse kann einen Strategieausschuss einrichten, in dem, obwohl grundsätzlich jedes Mitglied des Aufsichtsorgans Adressat der Strategien ist, diese vertieft erörtert werden. „Voraussetzung ist, dass ein solcher Strategieausschuss mit Beschluss des Aufsichtsorgans gebildet wurde und der Ausschussvorsitzende regelmäßig das gesamte Aufsichtsorgan informiert.
Unabhängig von der Mitgliedschaft im Strategieausschuss ist allerdings zum einen „jedem Mitglied des Aufsichtsorgans weiterhin das Recht einzuräumen, die an den Ausschuss geleiteten Strategien einsehen zu können“ – niemand wird ausgeschlossen von der Strategiearbeit, die Information darüber ist allerdings eine Holschuld für die Nichtmitglieder des Strategieausschusses. Zum anderen gilt weiterhin die Verpflichtung, „sich ein Urteil …(zu) bilden“ – diese Pflicht betrifft jedes Organmitglied, eine explizite Beschränkung auf Ausschussmitglieder ist … nicht vorgesehen.“

Quelle: Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 869f.

Strategie-Check

s. Stichwort Belastungstest

Strategieprozess

Der Strategieprozess einer Bank oder Sparkasse umfasst insbesondere die Prozessschritte Planung, Umsetzung, Beurteilung und Anpassung der Strategien.(s. Stichwort strategischer Planungs- und Kontrollprozesses). Er ist nach den Vorgaben der Bankenaufsicht von der Geschäftsleitung einzurichten und ist Bestandteil der Prüfungen durch die interne Revision und den externen Abschlussprüfer. Die Geschäftsstrategie / Unternehmensstrategie (s. Stichwort) wird dabei von den Prüfungshandlungen ausgenommen, während die Risikostrategie zu prüfen ist; um die Konsistenz zwischen beiden (Teil-) Strategien beurteilen zu können, muss der Prüfer dazu die Geschäftsstrategie heranziehen.

Quelle: Vgl. Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 885

strategischer Planungs- und Kontrollprozess

Die Strategie ist das Ergebnis eines strategischen Planungs- und Kontrollprozesses, dessen Aufgabe sich allgemein wie folgt beschreiben lässt:

  • Ausgehend von den langfristigen Unternehmenszielen bzw. dem Geschäftszweck (der normativen Ebene, s. Stichwort, Anm. d. Verf.) sind
  • für einem (im Vergleich dazu kürzeren) Zeithorizont,
  • die (strategischen) Geschäftsaktivitäten der Bank oder Sparkasse festzulegen,
  • die mit ihnen verfolgten Ziele zu fixieren sowie
  • die zu ihrer Umsetzung erforderlichen Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen;
  • die Ergebnisse aus der Umsetzung der Maßnahmen werden regelmäßig mit den fixierten Zielen verglichen und
  • ggf. Anpassungsmaßnahmen ergriffen oder eine Revision der Geschäftsaktivitäten und ihrer Ziele vorgenommen (also eine modifizierte Strategie entwickelt).

Quelle: Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 875

Strukturbeitrag

s. Stichwort Marktzinsmethode

Such- und Auswahlprozess

Die Besetzung von offenen Positionen in Aufsichts- und Verwaltungsräten von Banken und Sparkassen folgt einem mehrstufigen Such- und Auswahlprozess. Dieser weicht insoweit von einem „normalen“ Recruiting-Prozess für Vorstandsmitglieder und andere Führungskräfte ab, als die Bestellung des Kandidaten an die Bankenaufsicht anzuzeigen ist:

  • Feststellung des Besetzungsbedarfs und Herstellung eines gemeinsamen Verständnisses zu den spezifischen Herausforderungen der Position,
  • Erstellung und Abstimmung des Anforderungsprofils,
  • konzentrierte Suche mit dem Ziel, mehrere Kandidaten für ein Gespräch zu gewinnen,
  • Screening des Rücklaufes und Erstellung der „Long-List“ mit allen weiter zu verfolgenden Kandidaten,
  • vertiefte Analyse der Papierform und Durchführung von Vorinterviews mit den in eine engere Auswahl genommenen Kandidaten,
  • Abklärung der durch Gesetz, Aufsicht etc. gestellten, formalen und materiellen Anforderungen an Mitglieder von Aufsichtsorganen in Banken und Sparkassen, inkl. einer Einschätzung der „BaFin-Tauglichkeit“,
  • Erstellung einer „Short-List“, inkl. eines bewerteten Profils je Kandidat,
  • Präsentation der Kandidaten der Short-List im Erstgespräch (i.d.R. vor ausgewähltem Gremium resp. „Besetzungsausschuss“); Ziel: Erstellung eines Rankings,
  • Präsentation der „Finalisten“ im Zweitgespräch,
  • Bewertung und Entscheidung am Auswahltag anhand der Auswahlkriterien,
  • zügige Verhandlungen und Zusage,
  • Bestellung und Anzeige an die BaFin.

Quelle: Vgl. Altenhain, T./Gade, C. (Die Besetzung von Aufsichtsorganen in Kreditinstituten – Anmerkungen zu Suche, Auswahl und Gewinnung), S. 428

Systemprüfung

Systemprüfungen der internen Revision „finden meistens nach organisatorischen Umstellungen oder Neueinführungen von IT-Systemen statt. Sie beschäftigen sich mit der Ordnungsmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit und Sicherheit der neuen Umgebung sowie im zweiten Schritt mit deren Umsetzung in die Praxis.“

Quelle: Fritzel, C. (Die interne Revision als Partner des Aufsichtsrates), S. 189

T

tägliche Geschäftsführung

In Luxemburg besteht seit 2006 neben dem traditionellen, eingliedrigen System mit nur einem Leitungsorgan, dem Verwaltungsrat, auch das zweigliedrige System mit Aufsichtsrat und Vorstand; ein Zwang zur Umstellung für die bereits existierenden Aktiengesellschaften bestand nicht.
Bei Banken, die nach dem vorherrschenden, eingliedrigen System organisiert sind, wird durch die Übertragung der täglichen Geschäftsführung durch den Verwaltungsrat an die Geschäftsleitung eine Aufteilung der Aufgaben auf zwei Gremien sichergestellt (ebenso wie im zweigliedrigen System). Dabei wird „der Begriff der „täglichen Geschäftsführung“ (gestion journalière) … im LSC (loi du 10.8.1915 concernant les sociétés commerciales, d. Verf.) nicht definiert. Art und Umfang der täglichen Geschäftsführung hängen insbesondere von der Größe des Kreditinstituts und der Art des vom Kreditinstitut verfolgten Geschäftes ab. Eine Abgrenzung zwischen den Kompetenzen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung muss unter Betrachtung des jeweiligen Einzelfalles erfolgen. In der Praxis werden die Zuständigkeiten der Geschäftsleitung in der Satzung oder, und dies ist meistens so, vom Verwaltungsrat in der Geschäftsordnung schriftlich fixiert.“

Hoss, P./Goldacker, S. (Der Aufsichtsrat von Kreditinstituten in Luxemburg: Rahmenvorgaben, Organisation, Aufgaben und Strukturen), S. 360

Teil-Marktstrategie

Die Marktstrategie eines Kreditinstituts (s. Stichwort) ist im Regelfall in mehrere Teil-Marktstrategien „zu untergliedern, also z.B. für das Privatkundengeschäft, die Immobilienfinanzierung und das Merchant Banking. … Bei der Untergliederung der Marktstrategie kann man dem für die Bildung der Teil-Risikostrategien aufgezeigten Konzept einer Risikoinventur (s. Stichwort) folgen: Es werden separate Teil-(Markt-)-Strategien für einzelne Geschäftsaktivitäten einer Bank oder Sparkasse geplant, wenn sie

  • klar identifiziert werden können,
  • umfassend definiert sind und
  • eindeutig voneinander abgegrenzt wurden sowie als
  • wesentlich für das Kreditinstitut bezeichnet werden.“

Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 882

Teilstrategie

Die Marktstrategie eines Kreditinstituts ist in Teilstrategien zu entwickeln, wenn „Umfang und Komplexität sowie der Risikogehalt der geplanten Geschäftsaktivitäten“(BaFin, MaRisk v. 14.12.2012, RS 10/2012 (BA), AT 4.2 Tz. 3 Satz 3) dies erfordern (s. Stichwort Teilmarktstrategien).
Daneben werden von der Bankenaufsicht weitere Teilstrategien gefordert, wobei die Verpflichtung zur Erstellung einer oder mehrerer dieser Teilstrategien ist für jedes Institut individuell zu prüfen ist, zB.:

  • Handelsstrategie,
  • Vergütungsstrategie,
  • Beteiligungsstrategie,
  • Kapitalstrategie,
  • Strategien und Sicherungsmaßnahmen zur Verhinderung des Missbrauchs von neuen Finanzprodukten und Technologien für Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung oder der Begünstigung der Anonymität von Geschäftsbeziehungen und Transaktionen.

Neben diesen ggf. für ein einzelnes Haus verbindlichen Teilstrategien zur Geschäftsstrategie wird in den MaRisk die Möglichkeit aufgezeigt, auch die Risikostrategie (s. Stichwort) „in die Geschäftsstrategie zu integrieren.“ Für kleinere Institute oder solche mit einer geringen Zahl als relativ risikoarm eingeschätzter Geschäftsaktivitäten (z.B. einem Monoliner im Kreditkartengeschäft oder einer stark fokussierten Teilzahlungsbank) mag es sinnvoll sein, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen – in diesem Fall erstellt das Kreditinstitut eine Gesamtstrategie.

Vgl. Altenhain, T. (Herausforderungen an das Aufsichtsorgan bei der Beurteilung der Geschäftsstrategie eines Kreditinstituts), S. 878ff.

Termingeschäft

s. Stichwort Derivat

Terminmarkt

„Bei der Entwicklung der Geld- und Kapitalmärkte standen zunächst die Kassamärkte im Vordergrund. Der Kassamarkt umfasst all jene Finanzgeschäfte, bei denen Vertragsabschluss und Vertragserfüllung quasi gleichtägig erfolgen. Schon bald entwickelte sich daraus der Terminmarkt. Der Terminmarkt umfasst alle Finanzgeschäfte, bei denen der Vertrag heute abgeschlossen, aber erst in der Zukunft erfüllt wird. … Die Begriffe Termingeschäft und Derivate werden meist synonym verwendet.“

Lister, M. (Einsatzmöglichkeiten und Risikogehalt derivativer Finanzinstrumente – die Perspektive des Aufsichtsrates), S. 1169

U

Überkreuzkompensation

Das Wahlrecht zur Überkreuzkompensation ist eine Besonderheit in der Bankbilanzierung und betrifft die Positionen 13 und 14 der GuV. „Die

  • Position 13 „Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen und bestimmte Wertpapiere sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft“ und die
  • Position 14 „Erträge aus Zuschreibungen zu Forderungen und bestimmten Wertpapieren sowie aus der Auflösung von Rückstellungen im Kreditgeschäft“
  • umfassen Aufwendungen und Erträge aus Forderungen im Kreditgeschäft und aus Geschäften mit Wertpapieren der Liquiditätsreserve. Sämtliche Abschreibungen und Wertberichtigungen bzgl. der betroffenen Geschäfte werden also in diesen Positionen ausgewiesen….

Gem. § 340f Abs. 3 HGB dürfen die Positionen 13 und 14 saldiert werden (Verrechnungswahlrecht). Sollte es zu einer Verrechnung der Positionen kommen, muss diese allerdings vollständig vorgenommen werden, eine teilweise Verrechnung ist unzulässig. Da die verrechenbaren Erfolgskomponenten aus zwei völlig unterschiedlichen Geschäftsbereichen stammen, wird in diesem Zusammenhang auch von Überkreuzkompensation gesprochen.“

Hölscher, R./Helms, N. (Der kreditwirtschaftliche Jahresabschluss – Aufbau, Inhalt und zentrale Bewertungsvorschriften), S. 652

überregionaler Ausgleich

s. Stichwort regionaler Sparkassenstützungsfonds

Übertragungsanordnung

Zur Vermeidung einer nächsten Finanz- und Bankenkrise wurden „neben den Verfahren nach dem Kreditreorganisationsgesetz … auch neue aufsichtsrechtliche Maßnahmen im KWG geschaffen, namentlich die Übertragungsanordnung nach §§ 48a ff. KWG. Die Übertragungsanordnung bietet der BaFin nach amerikanischem Vorbild die Möglichkeit, systemrelevante Banken im Falle einer Bestandsgefährdung zu „zerschlagen“. Die systemrelevanten Vermögenswerte werden inklusive ihrer Verbindlichkeiten auf einen bestehenden Rechtsträger übertragen. Die nicht systemrelevanten Vermögenswerte und Verpflichtungen bleiben im Kreditinstitut zurück.“

Ruland, Y.M. (Die Bank in der Krise: Die Arbeit des Aufsichtsrates im Lichte der neuen Gesetzgebung zur Reorganisation, Sanierung und Abwicklung von Probleminstituten), S. 546

Überwachung

Der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung zu überwachen“ (§ 111 Abs. 1 AktG). Entsprechendes gilt auch für die Genossenschaft und die Sparkasse (§ 38 Abs. 1 Satz 1 GenG, § 15 Abs. 1 NWSpkG). Diese wichtigste Aufgabe des Aufsichtsorgans umfasst in erster Linie:

  • die Beratung grundlegender Fragen der zukünftigen Geschäftspolitik mit dem Vorstand (sog. zukunftsbezogene Kontrolle),
  • die Prüfung der Berichte des Vorstandes und die Nachverfolgung auftretender Bedenken (vergangenheitsbezogene Kontrolle), und
  • die Abforderung regelmäßiger Berichte durch den Vorstand.

Das Aufsichtsorgan überprüft dabei aber nicht jede Maßnahme aus dem Tagesgeschäft, sondern richtet sein Augenmerk neben den Leitungsmaßnahmen des Vorstandes, über die dieser zu berichten hat, u.a. auf:

  • die beabsichtigte Geschäftspolitik und grundsätzliche Fragen der Unternehmensplanung (§ 90 Abs. 1 Nr. 1 AktG),
  • die Rentabilität der Gesellschaft (§ 90 Abs. 1 Nr. 2 AktG),
  • den Gang der Geschäfte, den Umsatz, die Lage der Gesellschaft (§ 90 Abs. 1 Nr. 3 AktG),
  • Geschäfte, die für die Rentabilität oder Liquidität der Gesellschaft von erheblicher Bedeutung sein können,
  • das Frühwarnsystem (§ 91 Abs. 2 AktG) und das Risikomanagementsystem ( § 25a KWG),
  • die Compliance-Organisation ( Ziff. 5.3.2 des DCGK).

Vgl. Altenhain, K. (Strafrechtliche Risiken der Aufsichts- und Verwaltungsratstätigkeit in deutschen Banken und Sparkassen), S. 53ff.,

Underlying

Basiswert, s. Stichwort Derivat

unerwarteter Verlust

s. Stichwort Kreditrisiko

V

Value at Risk

Risikokennzahl zur Messung von Kreditrisiken, Liquiditätsrisiken und operationellen Risiken, die „den geschätzten maximalen (Marktwert-) Verlust darstellt, der in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.“

Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 994

Verkehrswert

Der Verkehrswert einer Immobilie „basiert immer auf (ihrem) Ertragswert…, also dem sachgerecht verbarwerteten Einkommensstrom, den man mit der betreffenden Immobilie unter normalen Bedingungen für die übliche Nutzungsdauer erzielen kann. Er berücksichtigt dabei regelmäßig alle die Drittverwendungsfähigkeit (s. Stichwort, d. Verf.) der Immobilie beeinflussenden Komponenten, egal ob sie sich aus der Objektart, der Objektlage oder der Objektausstattung ergeben.

Allerdings kann dieser Verkehrswert in Abhängigkeit vom Bewertungszweck durchaus variieren. Geht es um eine Bilanzbewertung oder die Bewertung für eine Kreditvergabe, wird der Gutachter auf nachhaltige, und damit weniger stark auf momentan am Markt beobachtbare Werte abstellen. Geht es um ein An- oder Verkaufsgutachten, wird er die momentane Marktsituation richtigerweise stärker einbeziehen.“

Danne, M. (Immobilien- und Immobilienfinanzierungsbestände eines Kreditinstituts aus Sicht des Aufsichts-/Verwaltungsrates), S. 926

Vermittlungsgeschäft

Das Vermittlungsgeschäft der Banken und Sparkassen (VG) umfasst i.d.R. den „Teilbereich des Provisionsgeschäftes …, der sich mit der Vermittlung von Produkten des jeweiligen

  • Bauspar-,
  • Versicherungs-,
  • Kreditvermittlungs-,
  • Anlage- und
  • Leasingpartners
  • ... durch Kreditinstitute befasst. Anders als im Bankgeschäft ist das Kreditinstitut beim VG nicht Produktgeber, sondern steht als Intermediär zwischen diesem und dem Bankkunden. Entsprechend wird im Rahmen der strategischen Aufstellung der Bank im VG festgelegt, in welcher Art und Weise die jeweiligen Vermittlungsleistungen erbracht werden. Dabei sind Aufwand und Ertrag abzuwägen sowie der Aspekt der Kundenbindung, die Sicherheitenwirkung von Versicherungen und Haftungsrisiken zu berücksichtigen.“

Caspers, F. (Die Geschäftspolitik im Vermittlungsgeschäft aus Sicht des Aufsichtsorgans), S. 939

Verschwiegenheitspflicht

„Die Mitglieder des Aufsichtsrates sind zur Verschwiegenheit verpflichtet (§§ 116 Satz 2, 93 Abs. 1 Satz 2, 394 AktG, § 52 GmbHG, §§ 34 Abs. 1 Satz 2, 41 GenG). Die Verletzung dieser Verpflichtung ist schon für sich genommen strafbar (§ 404 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 AktG, § 52 Abs. 1, Abs. 2 GmbHG, § 151 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 GenG). Diese im Wesentlichen übereinstimmenden Vorschriften, die sich als Sonderdelikte unter anderem an den Aufsichtsrat richten, stellen es unter Strafe, wenn ein Aufsichtsratsmitglied ein Geheimnis der Gesellschaft, namentlich ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, das ihm in dieser Eigenschaft bekannt geworden ist, unbefugt offenbart oder verwertet.“

Altenhain, K. (Strafrechtliche Risiken der Aufsichts- und Verwaltungsratstätigkeit in deutschen Banken und Sparkassen), S. 74

Vertrag über Deckungsmaßnahmen

„In jedem Sanierungsfall schließt die BVR-SE (s. Stichwort, d. Verf.) einen Vertrag mit dem in Schieflage befindlichen Institut. In diesem sog. „Vertrag über Deckungsmaßnahmen“ werden … insbesondere der Deckungsbedarf, Art und Umfang der Deckungsmaßnahmen und die mit den Deckungsmaßnahmen verbundenen Auflagen festgelegt.
Auch im Sanierungsfall verdient die Rolle des Aufsichtsrates besondere Beachtung. Dies wird bereits an den Formvorgaben des Statuts der Sicherungseinrichtung zur Unterzeichnung des Sanierungsvertrages deutlich: … die Verträge (sind) neben dem Vorstand des Instituts von allen Aufsichtsratsmitgliedern des Instituts zu unterzeichnen. Dadurch soll – neben anderen verfolgten Zwecken – den Aufsichtsratsmitgliedern buchstäblich die Regelungstiefe und Tragweite des Vertrages vor Augen geführt und auch die Verantwortung des Aufsichtsrates in dieser besonderen Situation des Instituts deutlich gemacht werden. Es erschließt sich den Verantwortlichen des Instituts schnell, dass die Sanierung nicht allein durch die Hingabe der Deckungsmittel, die zur Schließung des Jahresabschlusses erforderlich sind, bewältigt werden kann, sondern die Sanierungsursachen aufzuarbeiten und zu beseitigen sind. Nur unter dieser Prämisse ist eine Belastung der Solidargemeinschaft mit der Sanierung eines Mitgliedsinstituts überhaupt vertretbar“

Benna, R./Fischer, R. (Das institutsbezogene Sicherungssystem des genossenschaftlichen Bankensektors), S. 844f.

verursachungsgerechte Ergebnisspaltung

s. Stichwort Marktzinsmethode

Verzehrquote

Risiko-Kennzahl (s. Stichwort) einer Bank oder Sparkasse, lässt sich „als Risikospanne relativ zur Bruttogewinnspanne ausdrücken. … Sie gibt an, welcher Anteil des Bruttogewinnes für die Risikovorsorge verwendet werden musste.“

Kalhöfer, C. (Bankbetriebliche Kennzahlen – verdichtete Informationen für den Aufsichts- und Verwaltungsrat), S. 991

Vorstandsaufgaben

„Die Aufgaben des Vorstandes werden dem Gesetz nach in drei Kategorien unterteilt §§ 76–78 AktG). Es wird unterschieden zwischen

  • der Leitung der Aktiengesellschaft,
  • der Geschäftsführung und
  • der Vertretung.

Der Aufgabenbereich der Vertretung beinhaltet die gerichtliche und außergerichtliche Repräsentation der Aktiengesellschaft. Zu einer Unterscheidung zwischen Unternehmensleitung und Geschäftsführung macht der Gesetzgeber keine eindeutige Aussage. Als Trennkriterium kann die Tatsache dienen, dass die Leitung allein dem Gesamtvorstand ob-liegt und in eigenverantwortlicher Art und Weise erfolgen soll, während die Geschäftsführung der Satzung nach auch auf einzelne Vorstandsmitglieder übertragen werden kann. Demnach ist die Tragweite einer zu beschließenden Maßnahme das Hauptkriterium. Bei Entscheidungen von übergeordneter Relevanz sind diese der Leitung zuzuordnen, während die übrigen in den Bereich der Geschäftsführung fallen."

Rolfes, B. (Der Aufsichtsrat – Kooperation oder Konfrontation zum Vorstand?), S. 116

W

Weiterbildung

Die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten in Banken und Sparkassen müssen sachkundig sein. Dazu müssen sie „sicherstellen, dass sie ihre Entscheidungen stets auf der Basis eines aktuellen Informationsstandes treffen. Daher sind sie gehalten, sich mit Änderungen im Umfeld des Unternehmens kontinuierlich vertraut zu machen, zum Beispiel mit neuen Rechtsvorschriften oder Entwicklungen im Bereich Finanzprodukte sowohl im Unternehmen als auch im Markt. Hierfür sollen sie sich im jeweils erforderlichen Umfang entsprechend der Größe, Komplexität und systemischen Relevanz des Unternehmens durch geeignete Maßnahmen weiterbilden.“

Behle, R. (Die besonderen Anforderungen der Bankenaufsicht an die Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten), S. 579

wertorientiertes Risikomanagementsystem

s. Stichwort Risikotragfähigkeitskalkül

X

X-Ineffizienzen

„X-Ineffizienzen beschreiben … die Differenz zwischen den geringstmöglichen und den tatsächlichen Produktionskosten und lassen sich damit begründen, dass im betrachteten Fall, Anm. d. Verf.) der Bankbetrieb ein gegebenes Leistungsangebot nicht mit der kostenminimalen Faktorkombination bereitstellt (allokative X-Ineffizienz) und/oder mehr Input einsetzt als für die Erstellung der Bankdienstleistungen tatsächlich notwendig ist (technische X-Ineffizienz).“

Smeets, H.-D./Michler, A. (Banksteuerung und Aufsichtstätigkeit vor dem Hintergrund gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen), S. 764

Y

 

Z

Zahlungsunfähigkeitsrisiko

s. Stichwort Liquiditätsrisiko

Zinsbuchsteuerung

Die Zinsbuchsteuerung ist eine der „zentralen Kernfunktionen des Treasury. . In das strategische Zinsbuch gehen alle Zinsänderungsrisiken aus den Kundengeschäften, dem Eigengeschäft sowie den derivaten Positionen ein und werden dort durch das Treasury in Bezug auf ihre (Zinsbindungs-) Laufzeiten sowie offenen Positionen ausgesteuert.

Diese oft auch als Fristentransformationssteuerung bezeichnete Treasury-Funktion hat eine strategische Bedeutung für jede Bank. Hier lassen sich durch die häufig bestehenden Unterschiede in den Zinssätzen der „kurzen“ und „langen“ Laufzeiten der Zinsstrukturkurve sowie durch einen gezielten Aufbau von Laufzeitinkongruenzen in der Geschäftsstruktur systematisch Erträge generieren. Die Aussteuerung dieser Erträge, aber natürlich auch die Vermeidung von Risiken aus den zukünftigen Veränderungen der Zinssätze an den Geld- und Kapitalmärkten liegen in der Treasury-Verantwortung.“

Menninghaus, W./Schuppert, J. (Refinanzierung und Liquidität – Zielgrößen, Steuerungsansätze und Instrumente im Rahmen des Treasury-Managements), S. 1098f.

Zustimmungsvorbehalt

„Ein wirkungsvolles Überwachungsmittel des Aufsichtsrates ist im Aktienrecht die Einrichtung eines Zustimmungsvorbehaltes nach § 111 Abs. 4 Satz 2 AktG. Diese Vorschrift legt fest, dass der Aufsichtsrat bestimmte Arten von Geschäften von seiner Zustimmung abhängig zu machen hat. Bei unvertretbaren Geschäftsführungsmaßnahmen muss der Aufsichtsrat notfalls ad hoc einen Zustimmungsvorbehalt einrichten und die Zustimmung sodann verweigern.
Auch in der Genossenschaft besteht die Möglichkeit, durch Satzung entsprechende Zustimmungsvorbehalte für Angelegenheiten von besonderer Bedeutung einzurichten (vgl. § 38 Abs. 3 GenG). Die Einrichtung eines Zustimmungsvorbehaltes durch den Aufsichtsrat ist dagegen nicht vorgesehen. Eine der Vorschrift des § 38 Abs. 3 GenG entsprechende Regelung fand sich auch in § 14 Abs. 5 NWSpkG a. F. 46 Das aktuelle NWSpkG enthält eine solche Regelung nicht mehr.“

Altenhain, K. (Strafrechtliche Risiken der Aufsichts- und Verwaltungsratstätigkeit in deutschen Banken und Sparkassen), S. 57

Zustimmungsvorbehalt

Mit dem Erlass eines Zustimmungsvorbehaltes kann der Aufsichtsrates, die risikobezogenen Aktivitäten des Vorstandes „präventiv überwachen. … Normiert wird der Zustimmungsvorbehalt in § 111 Abs. 4 Satz 2 AktG. Danach kann der Aufsichtsrat Geschäfte, die von wesentlicher Bedeutung sind, insbesondere wenn sie die strategische Unternehmensplanung tangieren, von seiner Zustimmung abhängig machen und dies in der Satzung oder der Geschäftsordnung verankern lassen. Der Aufsichtsrat kann so die Aufbauarbeit und die Weiterentwicklung des Risikomanagementsystems in eine von ihm favorisierte Bahn lenken.
Sofern ein Zustimmungsvorbehalt in der Geschäftsordnung enthalten ist, wird dem Aufsichtsrat auch ein Mitentscheidungsrecht (s. Stichwort) eingeräumt. Er kann eine Maßnahme ablehnen, wenn er eine andere Maßnahme als zweckmäßiger einstuft. Die Mitsprache reicht aber nicht so weit, dass der Aufsichtsrat dem Vorstand Verbesserungen in Bezug auf die Kontrolle und die Überwachung des Risikomanagementsystems vorschreiben kann. Verstößt der Vorstand allerdings gegen eine gesetzliche wie satzungsmäßige Vorgabe oder handelt er in anderer Weise pflichtwidrig, muss der Aufsichtsrat Widerspruch einlegen und in letzter Konsequenz die Hauptversammlung über die vorgesehene Maßnahme entscheiden lassen (§ 111 Abs. 4 Satz 3 AktG). Zu dieser Lösung dürfte es bei einer vertrauensvollen Risikokommunikation allerdings nur in Ausnahmefällen kommen.“

Wiedemann, A./Menk, M.T. (Der Aufsichtsrat als Kontrolleur und Sparringspartner des Vorstandes für das Risikomanagement), S. 91

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Zum Seitenanfang